Baugewerbe hält Beschäftigung stabil, während der Arbeitsmarkt nur zaghaft aufatmet
Am deutschen Arbeitsmarkt geht es am 28.09.2026 vorsichtig aufwärts – oder zumindest nicht weiter bergab. Das Beschäftigungsbarometer des Ifo-Instituts stieg im September leicht auf 95,1 Punkte, nachdem es im August bei 94,8 Punkten gelegen hatte. Ein großer Sprung ist das nicht. Eher ein kleines Signal: Der Abwärtstrend scheint vorerst zu stocken.
Die Zahl beruht auf monatlichen Umfragen unter rund 9000 Unternehmen aus Industrie, Dienstleistungen, Handel und Bauwirtschaft. Erfasst werden die Beschäftigungspläne für die jeweils kommenden drei Monate. Das Jahr 2015 dient als Referenz mit einem Wert von 100. Laut Ifo stabilisiert sich der Arbeitsmarkt damit zwar, eine deutliche Erholung ist aber noch nicht in Sicht.
Industrie sucht vorsichtig, Handel streicht weiter
In der Industrie und im Handel werden weiterhin Stellen abgebaut. Im verarbeitenden Gewerbe hat sich die Lage nur geringfügig verbessert: Die meisten Industrieunternehmen planen nach wie vor mit weniger Personal. Immerhin fällt der Beschäftigungsrückgang deutlich geringer aus als in den vergangenen drei Jahren. Neueinstellungen sind vor allem in der Nahrungsmittelindustrie sowie bei Herstellern von Datenverarbeitungsgeräten und elektronischen beziehungsweise optischen Erzeugnissen vorgesehen.
Nahezu alle Industriebranchen planen laut Ifo einen Stellenabbau. Besonders die Bekleidungshersteller wollen Personal reduzieren. Klaus Wohlrabe, Leiter der Ifo-Umfragen beziehungsweise Ifo-Chefstatistiker, sprach von einem schleichenden Stellenabbau vor allem in der Industrie im Jahr 2025. Die schwache Konjunktur belastet den deutschen Arbeitsmarkt weiterhin – und in vielen Betrieben sitzt das Geld offenbar noch ziemlich locker im Tresor, aber nicht bei den Personalentscheidungen.
Im Handel überwiegen weiterhin die Pläne zum Stellenabbau. Mehr Stellen wurden dort nicht geschaffen, als weggefallen sind. Auch Handelsunternehmen rechnen für das neue Jahr mit weniger Beschäftigten. Bei den Dienstleistern sieht das Bild freundlicher aus: Einstellungs- und Abbaupläne halten sich ungefähr die Waage, der Beschäftigungssaldo war erstmals seit Längerem wieder positiv.
Ingenieurbüros, Rechts- und Steuerberatungen sowie Wirtschaftsprüfer suchen zusätzliche Beschäftigte. Auch Leiharbeitsfirmen rechnen wieder mit einer besseren Entwicklung. Für das kommende Jahr werden zudem mehr Stellen in der Tourismusbranche und bei Unternehmensberatungen erwartet.
Aufschwung kommt am Arbeitsmarkt später an
Im Baugewerbe soll die Zahl der Beschäftigten weitgehend konstant bleiben. Das Bauhauptgewerbe plant insgesamt weder mehr noch weniger Personal; positive und negative Entwicklungen halten sich die Waage. Für die Bauwirtschaft heißt das: kein großer Abbau, aber eben auch kein kräftiger Schub. Die Baustellen bleiben besetzt, neue Mannschaften rücken vorerst nur zögerlich nach.
Die deutsche Wirtschaft hat sich zuletzt durch steigende Exporte und staatliche Investitionen belebt und wuchs drei Quartale in Folge. Die führenden Wirtschaftsforschungsinstitute erhöhten deshalb ihre Wachstumsprognose für das Bruttoinlandsprodukt: Für das laufende Jahr von 0,6 auf 1,3 Prozent, für 2027 von 0,9 auf 1,1 Prozent.
Nach Einschätzung der Institute erreicht die wirtschaftliche Erholung den Arbeitsmarkt mit Verzögerung. Die Erwerbstätigkeit soll zunächst weiter sinken. Für die Arbeitslosenquote wird ein Rückgang von 6,4 Prozent im laufenden Jahr auf 6,2 Prozent im kommenden Jahr und 5,8 Prozent im Jahr 2028 erwartet.
Wohlrabe bleibt dennoch vorsichtig. Für einen nachhaltigen Stellenaufbau müsse sich der wirtschaftliche Aufschwung über längere Zeit und in breiteren Wirtschaftsbereichen fortsetzen. Die Unternehmen bleiben bei ihrer Personalplanung zurückhaltend; in großen Teilen der Wirtschaft fehlt weiterhin die Bereitschaft zu Neueinstellungen.
Der Blick zurück zeigt, wie dünn das Eis ist
Wie schnell sich die Stimmung drehen kann, zeigt der Blick auf den Dezember: Damals sank das Ifo-Beschäftigungsbarometer von 92,5 auf 91,9 Punkte. Es erreichte damit den niedrigsten Stand seit Mai 2020, dem ersten Jahr der Coronakrise. Ursache für die pessimistischen Personalpläne war die anhaltende Stagnation der deutschen Wirtschaft.
Ökonomen erwarteten für das laufende Jahr damals ein Wirtschaftswachstum von lediglich 0,1 Prozent. Das Bruttoinlandsprodukt war 2024 um 0,5 Prozent und 2023 um 0,9 Prozent geschrumpft. Für das kommende Jahr wurde ein Wachstum von etwa einem Prozent erwartet – damit wären die Rückgänge der beiden Rezessionsjahre noch nicht ausgeglichen.
Auch bei der Arbeitslosenquote klaffte noch eine Lücke: Sie lag im laufenden Jahr bei 6,3 Prozent und damit 1,0 Prozentpunkte über dem letzten Wachstumsjahr 2022. Das Kieler Institut für Weltwirtschaft erwartete bis 2027 einen Rückgang auf 5,9 Prozent. 2019, vor der Corona- und Energiekrise, hatte die Arbeitslosenquote bei 5,0 Prozent gelegen.
Der aktuelle September-Wert von 95,1 Punkten wirkt vor diesem Hintergrund wie eine vorsichtige Atempause. Für einen dauerhaften Beschäftigungsaufbau braucht es mehr als ein paar bessere Monate und einzelne Branchen mit Einstellungslaune. Im Baugewerbe bleibt es derweil bei der nüchternen Variante: Die Zahl der Beschäftigten soll weitgehend konstant bleiben.
