Die Bauwirtschaft blickt vorsichtig nach vorn. Beim Heinze BaukonjunkturMeeting 2026 bewerten Hersteller die allgemeine Konjunktur zwar weiterhin kritisch, die eigene Geschäftslage erscheint ihnen aber deutlich stabiler. Für 2027 rechnen 55,4 Prozent mit steigenden Absätzen, während 7,4 Prozent einen Rückgang erwarten. Geplant sind leicht höhere Produktionskapazitäten und mehr Aktivitäten auf internationalen Absatzmärkten.

Das passt zu einem Bild, das derzeit an mehreren Stellen aufscheint: Es gibt wieder Bewegung, aber der Boden bleibt holprig. Kosten, Finanzierung und geopolitische Unsicherheit drücken weiterhin auf die Stimmung. Zugleich füllen sich bei manchen Unternehmen die Auftragsbücher, und neue Projekte kommen langsam aus der Warteschleife.

Wohnbau legt bei Genehmigungen zu

Im Wohnbau stieg die Zahl der genehmigten Wohneinheiten im ersten Halbjahr 2026 gegenüber dem Vorjahr um 15,8 Prozent. Ein- und Mehrfamilienhausbau entwickelten sich dabei ähnlich. Besonders kräftig wuchs der Mehrfamilienhausbau in Fertigteilbauweise: Die Genehmigungen nahmen um 52,1 Prozent zu, im konventionellen Bau waren es 11,7 Prozent.

Noch deutlicher fiel der Zuwachs im Miethausbau aus. Dort stiegen die genehmigten Wohneinheiten in Fertigteilbauweise um 126,3 Prozent. Der Marktanteil blieb mit 13,2 Prozent im Mehrfamilienhausbau dennoch überschaubar. Im Einfamilienhausbau verlief die Entwicklung von Fertigteil- und konventionellem Bau ähnlich; der Fertigteil-Marktanteil lag bei rund 25 Prozent.

Ein kleiner Dämpfer steckt in den übrigen Zahlen: Die veranschlagten Baukosten stiegen nominal nur um 0,8 Prozent, obwohl Bauleistungs- und Inputpreise zulegten. Gleichzeitig wurden die genehmigten Wohneinheiten im Durchschnitt kleiner. Mehr Genehmigungen bedeuten also nicht automatisch mehr Fläche oder mehr Umsatz pro Projekt.

Der ZDB sieht für den Wohnungsbau ebenfalls erste positive Signale. Nach drei Jahren Investitionsstillstand werden wieder Vorhaben angestoßen. Für eine grundlegende Trendwende fehlen nach Einschätzung des Verbands allerdings jährlich mehr als 100.000 Baugenehmigungen. Die geplante EH-55-Plus-Förderung soll den Bauüberhang in den Markt bringen; Voraussetzung ist eine Wärmeerzeugung aus 100 Prozent erneuerbaren Energien. Der Programmstart ist für den 16. Dezember vorgesehen. Der ZDB fordert außerdem eine spürbare Zinsstützung unter dem Marktniveau sowie eine langfristige Förderfähigkeit des EH-55-Plus-Standards.

Die Prognosen bleiben trotzdem verhalten. Für 2025 wird im Wohnungsbau ein Umsatz von knapp 54 Milliarden Euro erwartet, nominal ein Minus von 1,5 Prozent und real von 4 Prozent. Für 2026 rechnet der ZDB mit rund 56,3 Milliarden Euro, nominal etwa 5 Prozent mehr und real 1,6 Prozent mehr. Bei den Fertigstellungen wird ein Rückgang von 252.000 Wohneinheiten im Jahr 2024 auf 225.000 bis 230.000 im Jahr 2025 und 215.000 bis 220.000 im Jahr 2026 erwartet. Ursache ist der Einbruch bei den Genehmigungen: 2023 gingen sie um 27 Prozent zurück, 2024 um 17 Prozent. Wegen des langen Vorlaufs werden bessere Fertigstellungszahlen erst ab 2027 erwartet.

Weniger Raum im Nichtwohnbau, mehr bei Landwirtschaft

Im Nichtwohnbau sank der genehmigte umbaute Raum von Januar bis Juni 2026 um 9,8 Prozent. Wohnähnliche Betriebsgebäude lagen 6,6 Prozent unter dem Vorjahreswert, industrielle Betriebsgebäude sogar 15,3 Prozent. Die Zahl der genehmigten Gebäude blieb hingegen auf Vorjahresniveau. Weniger Volumen bei ähnlich vielen Gebäuden – das ist eine jener Zahlen, bei denen man kurz innehält.

Schlechtere Finanzierungsbedingungen, Inflation und geopolitische Unsicherheit belasteten die Nachfrage. Zuletzt besserte sich die Stimmung jedoch etwas. Als zusätzliches Investitionspotenzial auf Bundes- und Länderebene wurde das Sondervermögen genannt. Bei landwirtschaftlichen Betriebsgebäuden zeigte sich ein Gegenbild: Der genehmigte umbaute Raum stieg um 15,6 Prozent.

Auch der Wirtschaftsbau entwickelt sich nicht gleichmäßig. 2025 wurde die Nachfrage von einzelnen Großprojekten geprägt und war entsprechend volatil. Im Wirtschaftshochbau bremste die schwache Konjunktur, gleichzeitig trieb der Trend zur künstlichen Intelligenz den Bau von Rechenzentren an. Im Wirtschaftstiefbau blieb die Nachfrage wegen großer Vorhaben sowie Investitionen in Energie- und Wärmenetze und in die Bahn stark.

Für die Schiene stehen 2025 und 2026 jeweils rund 22 Milliarden Euro zur Verfügung – mehr als doppelt so viel wie 2023. Der erwartete Umsatz im Wirtschaftsbau liegt 2025 bei rund 65,4 Milliarden Euro, nominal plus 6,3 Prozent und real plus 4 Prozent. Für 2026 werden gut 70 Milliarden Euro erwartet, nominal plus 7 Prozent und real plus 4 Prozent.

Hersteller spüren Unsicherheit, investieren aber weiter

Für das Heinze BaukonjunkturKlima wurden im September 2026 insgesamt 325 Entscheider aus der Bau-, Einrichtungs- und Ausstattungsindustrie befragt. Die Rohstoffpreisentwicklung wurde deutlich schlechter eingeschätzt: Der Saldo fiel von plus 43 im März auf plus 2,8 im September. Die Baukonjunktur selbst erreichte einen Saldo von minus 50. Auch Fachkräftemangel auf Verarbeiterseite und die Preisentwicklung auf den Beschaffungsmärkten erhielten negative Bewertungen.

Trotzdem blieb das Heinze BaukonjunkturKlima knapp positiv. Die aktuelle Geschäftslage kam auf einen Saldo von plus 2 Prozent, die Erwartungen für das vierte Quartal auf plus 5 Prozent. 54 Prozent bezeichneten ihre aktuelle Lage als unverändert, 58 Prozent erwarteten für das vierte Quartal kaum Veränderungen. Viel Schulterzucken, aber eben nicht nur.

Die Planung bis Jahresende fällt vielen schwer: 69 Prozent fanden es eher schwer oder schwer, die Geschäftsentwicklung vorherzusagen. 31 Prozent bezeichneten dies als leicht oder eher leicht. Gleichzeitig entwickelten sich Kapazitätsauslastung, Auftragsbestand und Zahl der Anfragen positiv. 44 Prozent bewerteten ihre Auslastung als gut oder sehr gut, 16 Prozent als schlecht oder sehr schlecht. Der Auslastungssaldo stieg von plus 11 im März auf plus 28 im September 2026.

Bei den Investitionen zeigt sich, wohin die Reise gehen soll. 21 Prozent wollen ihre Produktionskapazitäten erhöhen, 9 Prozent sie reduzieren. Daraus ergibt sich ein Investitionssaldo von plus 12,3. Für den Personalbestand liegt der Saldo dagegen bei minus 7,7, für Büro- und Verwaltungsflächen bei minus 8,3. Die Hersteller planen also eher zusätzliche Produktion als mehr Personal oder größere Verwaltungsflächen.

Deutschland bleibt dabei zentraler Produktions- und Vertriebsstandort. Rund zwei Drittel der Hersteller wollen ihre Vertriebs- und Absatzaktivitäten im Ausland ausbauen. 54 Prozent möchten ihre Auslandsproduktion unverändert lassen. Eine umfassende Produktionsverlagerung aus Deutschland lässt sich aus den Ergebnissen nicht ableiten.

Seriell bauen, international verkaufen

Serielles und modulares Bauen hat für knapp drei von zehn Herstellern eine große oder sehr große Bedeutung. Rund ein weiteres Viertel misst dem Thema eine mittlere Bedeutung bei. Vier von fünf betroffenen Unternehmen haben bereits konkrete Maßnahmen eingeleitet.

Dazu gehören angepasste Produkte, eine frühere Einbindung in Planung und Projektentwicklung, komplette System- und Lösungspakete sowie Kooperationen mit Modul- und Systemherstellern. Die Entwicklung reicht damit über klassische Fertighausanbieter hinaus und erfasst auch Bauprodukte, Systeme und Vertriebsstrukturen. Das klingt zunächst trocken, verändert in der Praxis aber ziemlich viel: Wer früher in die Planung kommt, verkauft nicht mehr nur ein einzelnes Bauteil.

Passend dazu setzen die neuen Workshops des Heinze BaukonjunkturMeetings auf echten Austausch, offene Diskussionen und konkrete Lösungsansätze. Viele Veranstaltungen bestehen vor allem aus Vorträgen, einer nach dem anderen, während wichtige Fragen offenbleiben. Hersteller stehen laut Programm vor zunehmend komplexen Herausforderungen; Entscheider sollen deshalb aktiv eingebunden, Erfahrungen gebündelt und gemeinsame Perspektiven entwickelt werden.

Die Gespräche sollen ohne klassische Bühnendistanz und ohne große Hemmschwellen stattfinden, mit direktem Praxisdialog statt feiner Konferenzluft. Im Mittelpunkt stehen zwei Themen mit derzeit großen Auswirkungen auf Unternehmen; welche beiden Themen das sind, nennt der vorliegende Programm