In der Bauwirtschaft rückt die Rohstofffrage weiter nach vorn. Am 12. Oktober 2026 hat die Europäische Kommission in der zweiten Auswahlrunde 46 Rohstoffprojekte in der EU nach dem Critical Raw Materials Act (CRMA) als „Strategische Projekte der EU“ anerkannt. Acht davon liegen in Deutschland. Bei der Kommission waren 161 Bewerbungen eingegangen.

Die Einstufung soll Genehmigungsverfahren verkürzen, Finanzierungsmöglichkeiten verbessern und die Umsetzung erleichtern. Davon profitieren Wertschöpfungsketten, die für Batterien und Permanentmagnete wichtig sind – also Bereiche, in denen der Druck auf Unternehmen und öffentliche Hand längst spürbar ist.

Acht Vorhaben in Deutschland

Die deutschen Projekte verteilen sich auf mehrere Bundesländer und Rohstoffbereiche. In Sachsen und Sachsen-Anhalt geht es um die Gewinnung und Verarbeitung von Lithium. Nordrhein-Westfalen ist mit Vorhaben zum Recycling von Kupfer, Lithium und Batterien vertreten. In Baden-Württemberg soll das Recycling von Permanentmagneten vorankommen, in Hessen die Verarbeitung von Titan.

Für Projekte zur Gewinnung strategischer Rohstoffe gilt eine Höchstfrist von 27 Monaten für Genehmigungsverfahren. Bei der Verarbeitung und beim Recycling strategischer Rohstoffe sind höchstens 15 Monate vorgesehen. Auf dem Papier klingt das trocken; auf Baustellen und in Projektbüros kann so eine Frist allerdings den Unterschied zwischen jahrelangem Warten und einem tatsächlichen Start machen.

Die zweite Liste strategischer Projekte wurde laut Mitteilung der Europäischen Kommission am 9. Oktober 2026 verabschiedet. Die aktuelle Liste enthält damit Ergebnisse der Bewerbungsaufrufe aus den Jahren 2025 und 2026. In der ersten Auswahlrunde 2025 waren bereits 60 Projekte anerkannt worden: 47 in der EU und 13 in Drittstaaten. Drei der damals ausgewählten Projekte stammten aus Deutschland.

Mehr als ein schnelleres Genehmigungsverfahren

Strategische Rohstoffe gelten als wichtig für die grüne und die digitale Transformation sowie für die Widerstandsfähigkeit der Verteidigungs- und Luftfahrtsektoren. Der CRMA soll deshalb die Kapazitäten der EU zur Gewinnung, Verarbeitung und Wiederverwertung erhöhen und zugleich die Rohstoffversorgung aus Drittstaaten diversifizieren. Strategische Projekte sollen wesentlich zur Versorgungssicherheit der EU beitragen.

Für die Einstufung zählen mehrere Punkte: Die technische Umsetzung muss innerhalb eines angemessenen Zeitraums möglich sein, die erwarteten Produktionsmengen müssen passen, das Vorhaben soll nachhaltig umgesetzt werden und ein ausreichend hohes geschätztes Vertrauensniveau erreichen. Die Kommission betrachtet solche Projekte als von öffentlichem Interesse, weil sie die Versorgungssicherheit mit strategischen Rohstoffen stärken und das Funktionieren des Binnenmarkts schützen.

Auf der Internetseite der Kommission finden sich außerdem Informationen zur Antragstellung, ein Antragsformular, ein Leitfaden, Hinweise auf eine Informationsveranstaltung mit UNFC-Schulung, häufig gestellte Fragen sowie die Möglichkeit, sich als Experte zu registrieren. Eine konkrete Auflistung der ausgewählten Projekte ist im bereitgestellten Text allerdings nicht enthalten. Eine Übersicht und eine interaktive Karte der strategischen Projekte stellt die Europäische Kommission online bereit.

Rohstoffe zwischen Baustelle und Weltmarkt

Warum das Ganze so wichtig ist, zeigt ein Blick auf die Abhängigkeiten. Lithium, Kobalt und Nickel werden für Batterien gebraucht, Gallium für Solarpaneele, Bor für Windtechnologien sowie Titan und Wolfram für Raumfahrt und Verteidigung. Die steigende globale Nachfrage und der grüne wie digitale Wandel machen Lieferketten anfälliger – wenn irgendwo ein Hafen stockt oder eine Raffinerie ausfällt, bleibt das nicht zwingend weit weg.

63 % des weltweit für Batterien verwendeten Kobalts stammen aus der Republik Kongo. 97 % des in der EU benötigten Magnesiums kommen aus China. 100 % der weltweit in Dauermagneten verwendeten Seltenen Erden werden in China raffiniert, und 98 % des in der EU eingesetzten Borats stammen aus der Türkei.

Das europäische Rohstoffgesetz setzt deshalb bei der gesamten Wertschöpfungskette an: bei Exploration und Abbau, Raffination und Verarbeitung, Recycling, einfacheren und planbareren Genehmigungen sowie einem besseren Zugang zu Finanzmitteln. Für 2030 nennt das Gesetz Richtwerte: 10 % des jährlichen EU-Bedarfs an strategischen Rohstoffen sollen innerhalb der EU gefördert, 40 % innerhalb der EU verarbeitet und 25 % innerhalb der EU recycelt werden. Höchstens 65 % des jährlichen Bedarfs an einem strategischen Rohstoff sollen je Verarbeitungsstufe aus einem einzigen Nicht-EU-Land stammen.

Vorgesehen sind außerdem eine stärkere Überwachung und Stresstests, der koordinierte Aufbau strategischer Bestände sowie die Förderung nachhaltiger Investitionen und nachhaltigen Handels. Forschung, Innovation und Ausbildung sollen durch neue Technologien, Kompetenzpartnerschaften und eine Rohstoffakademie unterstützt werden. Beim Recycling geht es um die Rückgewinnung kritischer Rohstoffe aus Abfallentsorgungseinrichtungen, um Arbeitnehmerrechte, Menschenrechte und Umweltschutz – und um Zertifizierungssysteme für Rohstoffe auf dem EU-Markt.

Die EU setzt dabei nicht auf Abschottung. Internationaler Handel und die Global-Gateway-Strategie sollen Partnerschaften mit Schwellen- und Entwicklungsländern stärken. Geplant sind ein Club für kritische Rohstoffe mit gleichgesinnten Ländern, eine Stärkung der Welthandelsorganisation, weitere Investitionsförder- und Freihandelsabkommen, Maßnahmen gegen unfaire Handelspraktiken und der Ausbau strategischer Partnerschaften.

Verlässliche Partner sollen beim nachhaltigen Aufbau eigener Wertschöpfungsketten unterstützt werden. Gleichzeitig sollen für die EU sichere, robuste, bezahlbare und diversifizierte Lieferketten entstehen. Gerade für deutsche Projekte zu Lithium, Kupfer, Batterien, Permanentmagneten und Titan dürfte es nun darauf ankommen, ob aus der Anerkennung tatsächlich zügige Verfahren, tragfähige Finanzierung und sichtbare Anlagen werden.