Steiermarks Immobilienmarkt zwischen Investitionsstau und neuen Chancen im Bestand
Auf dem steirischen Immobilienmarkt fehlt es derzeit vor allem an Planbarkeit für Investitionen. Rainer Wührer beschreibt eine Lage, die viele in der Bauwirtschaft kennen: Wohnraum wird grundsätzlich gebraucht, trotzdem werden zahlreiche Projekte verschoben. Wirtschaftliche Unsicherheiten, komplexe Rahmenbedingungen sowie lange Genehmigungs- und Umsetzungsverfahren bremsen die Vorhaben aus.
Gleichzeitig rückt die bestehende Bausubstanz stärker ins Blickfeld. Sie sollte als wichtige Ressource für Planung und Investitionen bewertet werden, nicht bloß als schwieriger Altbestand. Architekten und Ziviltechniker können zwar nicht alle kostensteigernden Faktoren beeinflussen – Grundstückskosten, Finanzierung, Abgaben und gesetzliche Vorgaben etwa liegen nur teilweise in ihrer Hand. Vorhandene Spielräume lassen sich aber besser nutzen; auch alternative oder ungewöhnliche Lösungen können helfen.
Planung entscheidet früh über die Kosten
Wie wirtschaftlich ein Projekt am Ende wird, legt sich oft schon sehr früh fest. Standortwahl, Flächenorganisation, Konstruktion und technische Ausstattung spielen dabei eine zentrale Rolle. Gute Planung kann unnötige Kosten vermeiden, ohne Qualität oder Nutzbarkeit zu verringern. Das klingt nüchtern, ist in der Praxis aber ein ziemlich großer Hebel.
Sanierung und Bestandsentwicklung sollten in der Steiermark einfacher umsetzbar werden. Bestandsgebäude bringen andere Voraussetzungen mit als Neubauten. Einheitliche Anforderungen, die keinen ausreichenden Spielraum lassen, können wirtschaftlich oder technisch sinnvolle Projekte verhindern. Gefordert werden daher differenzierte Regelungen für den Bestand und gute Einzelfalllösungen – ohne Abstriche bei den Sicherheitsstandards. Vorgaben sollten vor allem die Ziele festlegen, nicht jeden einzelnen Lösungsweg.
Dazu kommen rasche Verfahren, eine frühzeitige Abstimmung zwischen Bauherren, Planern und Behörden sowie gezielte Förderungen. Eine qualitätsvolle Weiterentwicklung des Bestands kann Orts- und Stadtkerne lebendig halten, vorhandene Infrastruktur besser nutzen und Gebäuden eine neue Zukunft geben.
Als innovatives Beispiel nennt Wührer die Sanierung der denkmalgeschützten Alpinekolonie in Trofaiach. Die ehemalige Arbeitersiedlung wurde an heutige Wohnbedürfnisse angepasst. Ihr identitätsstiftender Charakter und die besonderen Freiraumqualitäten blieben dabei erhalten.
Graz zieht bei Kaufpreisen davon
Der Immobilienpreisspiegel 2026 der WKO und des ZT-Datenforums zeigt die Steiermark grundsätzlich am unteren Ende des Österreich-Vergleichs. Teile des Ballungsraums Graz bilden allerdings eine deutliche Ausnahme. Österreichweit sanken die Geschäftsmieten im Vorjahr durchschnittlich um 0,31 Prozent, in Graz ging es sogar um 3,91 Prozent nach unten – der stärkste Rückgang unter den Landeshauptstädten.
Bei Kaufimmobilien stiegen die Preise real, in der Steiermark allerdings moderat. Graz legte bei Eigentumswohnungen im Erstbezug um 2,86 Prozent zu, gebrauchte Eigentumswohnungen verteuerten sich um 4,06 Prozent. Damit verzeichnete Graz die stärksten Preissteigerungen aller Landeshauptstädte. Die Entwicklung folgt auf teils deutliche Rückgänge in den Vorjahren; gebrauchte Eigentumswohnungen wurden stärker teurer als Neubauobjekte.
Als Gründe gelten eine wieder höhere Nachfrage, genauere Preisprüfungen durch Käufer und ein knappes Angebot infolge schwacher Bautätigkeit. Die Baupreise sind wegen der Schwäche im Bausektor, unter anderem aufgrund weniger öffentlicher Aufträge, derzeit vergleichsweise günstig. Eine weitere Verschärfung geopolitischer Spannungen und steigende Energiepreise könnten das Bauen allerdings wieder deutlich verteuern.
Die Durchschnittspreise der Steiermark liegen österreichweit am niedrigsten bei Baugrundstücken mit 116,88 Euro pro Quadratmeter, neuen Eigentumswohnungen mit 2.538,67 Euro, gebrauchten Eigentumswohnungen mit 1.402,08 Euro, Reihenhäusern mit 1.450,26 Euro und Mieten mit 7,41 Euro pro Quadratmeter.
Große Unterschiede zwischen den Bezirken
Wer in der Steiermark nach Bauland sucht, erlebt je nach Region einen völlig anderen Markt. In Hartberg-Fürstenfeld kostet ein Baugrundstück durchschnittlich 54,61 Euro pro Quadratmeter, in der Südoststeiermark 55,32 Euro und in Murau 68,24 Euro. Graz liegt bei 388,12 Euro, Graz-Umgebung bei 178,43 Euro.
Bei neuen Eigentumswohnungen ist das Murtal mit 2.071,17 Euro pro Quadratmeter der günstigste Bezirk. In Graz werden 4.228,21 Euro aufgerufen. Gebrauchte Eigentumswohnungen kosten im Murtal durchschnittlich 993,96 Euro, in Bruck-Mürzzuschlag 2.114,06 Euro, in Murau 2.177,11 Euro und in Graz 2.339,29 Euro pro Quadratmeter.
Auch am Mietmarkt klafft die Schere. Neuwertige Mietwohnungen liegen im Murtal bei 5,94 Euro pro Quadratmeter, in Graz bei 9,95 Euro. Gerade dort entwickelt sich der Mietmarkt gegenläufig zum Eigentumsmarkt: Neuwertige Mietwohnungen wurden um 0,5 Prozent günstiger. Graz war damit die einzige Landeshauptstadt mit einem Rückgang; Innsbruck verzeichnete im Vergleich den stärksten Anstieg mit 3,56 Prozent.
Stärkerer Wettbewerb, höhere Preissensibilität und begrenzte Spielräume bei den Mieten werden als Gründe für den Grazer Rückgang genannt. Für Eigentumsimmobilien wird in Graz eine moderat positive Entwicklung erwartet, bei Mieten eine Seitwärtsbewegung.
Gewerbe zwischen Auftrieb und Anpassungsdruck
Bei Betriebsgrundstücken ging es dagegen aufwärts: In der Steiermark stiegen die Preise um 3,15 Prozent, in Graz um 4,01 Prozent. Graz lag damit hinter Kärnten mit 4,44 Prozent und St. Pölten mit 4,94 Prozent.
Geschäftslokale entwickelten sich deutlich schwächer. In Graz sanken die Preise um 3,91 Prozent – erneut der stärkste Rückgang aller Landeshauptstädte. Bregenz kam auf minus 1,62 Prozent. Der stationäre Handel steht weiterhin unter Anpassungsdruck, besonders dann, wenn Kundenfrequenz, Nutzungsmix und wirtschaftliche Perspektive nicht zusammenpassen. Für Geschäftslokale wird in Graz eine weiterhin unterschiedliche Entwicklung erwartet.
Unsicheres Umfeld für Investitionen
Der Blick über die Steiermark hinaus macht die Zurückhaltung verständlich. Im ersten Halbjahr 2026 lag das Transaktionsvolumen in Österreich bei etwa 1,2 Milliarden Euro und damit rund 24 Prozent unter dem Vorjahresniveau. Das Bruttoinlandsprodukt stieg gegenüber dem Vorquartal um 0,21 Prozent, die Inflationsrate betrug 3,20 Prozent.
Die EZB erhöhte im Juni 2026 den Zinssatz der Einlagenfazilität auf 2,25 Prozent. Geopolitische Unsicherheiten – darunter die US-Handelspolitik und der Krieg im Nahen Osten – ließen die langfristigen Zinsen deutlich steigen; auch die kurzfristigen Zinsen zogen an. Die Spitzenrenditen blieben stabil, wegen der unsicheren globalen Lage ist aber ein leichter Anstieg der Renditen möglich.
Für Bauherren, Planer und Behörden bleibt damit wenig Raum für Verzögerungen. Je länger ein Verfahren dauert, desto stärker können sich Finanzierung, Energiepreise und Baukosten verschieben. Und irgendwo zwischen Aktenordnern, Bestandsmauern und neuen Wohnbedürfnissen muss dann trotzdem eine Lösung entstehen.
