Bei Cameco prallen derzeit große Baupläne und ein schwacher Aktienkurs aufeinander. Der kanadische Uran- und Atomkonzern steht vor strategischen Perspektiven durch internationale Reaktorbauprojekte und regionale Ausbaupläne, während die Aktie zuletzt nachgegeben hat. Innerhalb von 30 Tagen sank der Kurs um 9,0 Prozent. Am Freitag schloss die Aktie bei 75,68 Euro – 0,7 Prozent weniger als am Vortag.

Im Mittelpunkt steht eine unverbindliche Absichtserklärung zwischen den USA und Südkorea. Koreanische Investitionen von 120 Milliarden US-Dollar sollen den Bau von Westinghouse-Reaktoren in den Vereinigten Staaten unterstützen. Vorgesehen sind bis zu acht Reaktoren, darunter sechs Anlagen des Typs Westinghouse AP1000. Eine Zahl, bei der selbst auf einer Baustelle kurz Ruhe einkehren dürfte.

120 Milliarden Dollar – aber noch kein fertiger Auftrag

Ganz in trockenen Tüchern ist das Vorhaben allerdings nicht. Die Vereinbarung steht unter dem Vorbehalt behördlicher Genehmigungen und verbindlicher Finanzierungsverträge. Die Umsetzung hängt damit sowohl von den Genehmigungsverfahren als auch von der endgültigen Kapitalbereitstellung ab.

Cameco erklärte, eine mögliche Beteiligung koreanischer Partner an Westinghouse werde den bestehenden Eigentumsanteil des Unternehmens voraussichtlich nicht verändern. Für den Konzern geht es also zunächst um die Perspektive zusätzlicher Projekte, nicht um eine angekündigte Verschiebung der Besitzverhältnisse.

Entscheidend wird sein, wie schnell aus den angekündigten Rahmenvereinbarungen verbindliche Aufträge werden. Papier kann viel versprechen; auf der Baustelle zählen später Genehmigungen, Geldflüsse und tatsächlich bestellte Anlagen.

Saskatchewan plant neue Kernkraftkapazität

Auch aus Kanada kommen Signale für einen möglichen Ausbau. Die Provinz Saskatchewan stellte einen Energieplan vor, der bis 2050 mindestens 2.600 Megawatt neue Kernkraftkapazität vorsieht. Cameco-CEO Tim Gitzel begrüßte den Plan und kündigte an, dass sich sein Unternehmen um künftige Aufträge bewerben wolle.

Damit eröffnet sich für Cameco ein weiterer regionaler Ansatzpunkt – neben den internationalen Reaktorbauplänen und dem Ausbau in den USA. Ob daraus konkrete Projekte entstehen, ist allerdings noch offen. Der Zeitrahmen reicht bis 2050, die nächsten Schritte müssen erst folgen.

Parallel dazu hat Global Laser Enrichment, ein Gemeinschaftsunternehmen von Cameco und Silex Systems, einen Abnahmevertrag für die geplante Paducah Laser Enrichment Facility geschlossen. Cameco erhielt dadurch exklusive Rechte zum Kauf und Vertrieb sämtlicher Uranprodukte aus der Anlage. Das erweitert die Verbindung des Unternehmens zur künftigen Brennstoffversorgung, während die großen Reaktorprojekte noch durch Genehmigungs- und Finanzierungsfragen laufen.

Aktie bleibt anfällig für die Stimmung im Sektor

An den US-Börsen fiel die Cameco-Aktie am 24. September um 2,95 Prozent und entwickelte sich damit schwächer als der Gesamtmarkt. Medienberichten zufolge gab es dafür keinen unternehmensspezifischen Auslöser. Der Rückgang wurde vielmehr einem schwächeren Umfeld für den gesamten Sektor zugerechnet.

Das erklärt die widersprüchliche Lage ein Stück weit: Auf der einen Seite stehen Milliardenrahmen, Reaktorpläne und neue Energieziele. Auf der anderen Seite reagieren Anleger empfindlich, wenn aus Absichtserklärungen nicht rasch verbindliche Verträge werden. Für die weitere Entwicklung bleibt deshalb das Tempo entscheidend – und bis dahin dürfte die Aktie wohl immer wieder auf das Umfeld reagieren.