Copilot One bündelt Assistenzsysteme auf einem Display – Liebherr zeigt die vernetzte Baustelle der Zukunft
Wer heute in eine moderne Baustelle schaut, sieht oft nicht mehr nur Bagger, Löffel und Erdreich, sondern auch eine ganze Reihe leuchtender Bildschirme. KTEG will dieses Monitor-Chaos nun mit „Copilot One“ beenden: Die Plattform bündelt Assistenzsysteme in Baggern auf einem zentralen 10-Zoll-Display.
Darauf laufen derzeit zehn Apps – von der 3D- und 2D-Maschinensteuerung über Anbaugeräteerkennung und Wiegesysteme bis zur Baudokumentation. Mehrere bislang getrennte Bildschirme können dadurch entfallen. Für den Maschinenführer bedeutet das mehr Übersicht und eine bessere Sicht aus der Kabine; gerade beim Aushub zählt schließlich jeder freie Blick.
Ein Bildschirm, ein Sensornetzwerk
Als Nachfolger des „KTEG Copilot“ entstand das System gemeinsam mit Leica Geosystems, Makineo, Sodex und Vemcon. Es besteht aus einem 10-Zoll-Touchdisplay und einer zentralen Recheneinheit. Die einzelnen Anwendungen greifen auf ein gemeinsames Sensornetzwerk zu. Bereits vorhandene Sensoren, etwa GNSS-Sensoren für die Maschinensteuerung, können damit auch für andere Aufgaben wie die Baudokumentation genutzt werden.
Das spart zusätzliche Hardware – und damit Anschaffungs- und Wartungskosten. Über die Splitscreen-Funktion lassen sich bis zu drei Anwendungen gleichzeitig anzeigen. Während des Aushubs kann der Fahrer beispielsweise die 2D-Steuerung, die integrierte Waage und die Anbaugeräteauswahl parallel bedienen. Gesteuert wird per Touchscreen und Wischbewegung, also eher wie beim Smartphone als nach dem alten Prinzip „für jede Funktion ein eigener Kasten“.
In der Basisversion ersetzt „Copilot One“ den bisherigen „Copilot Basic“, dessen Funktionen erhalten bleiben. Das System ist offen und erweiterbar. Später können weitere Möglichkeiten durch Software-Freischaltungen und kleinere Hardware-Ergänzungen dazukommen.
Kiesel stattet ab sofort alle Trägergeräte mit mehr als 10 Tonnen Einsatzgewicht serienmäßig mit der Basisversion aus. Bei Kompaktmaschinen unter 10 Tonnen ist „Copilot One“ als Sonderausstattung erhältlich. Für ältere Maschinen bietet Kiesel Nachrüstsätze an.
2D-Steuerung soll Nacharbeit vermeiden
Ein Schwerpunkt liegt auf der intelligenten 2D-Maschinensteuerung. Sie soll die Produktivität und Effizienz von Baumaschinen erhöhen und bei der Vermessung Zeit sparen. Nachmessungen im Gefahrenbereich der Maschine werden reduziert oder entfallen. Der Maschinenführer liest die relevanten Informationen direkt am Bedienterminal ab und kontrolliert, ob innerhalb der Planvorgaben gearbeitet wird.
Das klingt nüchtern, macht im Alltag aber einen Unterschied: Ein zu tiefer Aushub kann ebenso vermieden werden wie aufwändige und kostenintensive Nacharbeit. Die grafische Anzeige stellt Abtragungen und Auffüllungen in Echtzeit dar. Dazu kommen eine hochpräzise Doppelneigungs- und Niveauregelung sowie mögliche Einsparungen bei Zeit, Material und Kraftstoff.
Eine integrierte Schwenklöffelfunktion unterstützt komplexe Planungsarbeiten. Über eine externe Referenz zu einem Rotationslaser bleibt der Informationsfluss erhalten, sodass die Maschine jederzeit ihre aktuelle Arbeitshöhe auf der Baustelle erkennt. Das CPX-Touchdisplay soll die Bedienung übersichtlich und intuitiv machen. Wer später mehr braucht, kann die 2D-Maschinensteuerung auf eine 3D-Maschinensteuerung aufrüsten.
Vernetzte Baustelle bei Liebherr
Wie breit das Feld inzwischen geworden ist, zeigt Liebherr auf der steinexpo 2026. Im Technologie-Pavillon am Stand A27 präsentieren Experten vernetzte Assistenzsysteme und digitale Lösungen für Baustellen, Steinbrüche und Bergwerke. Im Mittelpunkt stehen höhere Sicherheit, mehr Produktivität, effizientere Wartung und eine bessere Flottenverwaltung.
2D- und 3D-Maschinensteuerungen unterstützen dort präzise Aushub- und Planierarbeiten. Für Liebherr-Raupenbagger der Generation 8 ist außerdem der Bucket Filling Assist, kurz BFA, verfügbar. Das System automatisiert das Eindringen in das Haufwerk, sorgt für gleichmäßige Füllgrade, optimiert Ladezyklen und Hubgerüstfunktionen und ermöglicht effizientere Materialumschläge.
Auch das Wiegen rückt näher an den laufenden Arbeitsprozess. Liebherr-Wiegeeinrichtungen für knickgelenkte Muldenkipper und Radlader helfen bei der präzisen Beladung von Transportfahrzeugen. Über- und Unterladungen lassen sich vermeiden, die Transporte werden produktiver. Adaptive Arbeitsbeleuchtung und integrierte Reifendrucküberwachungssysteme für Radlader sollen zugleich den Bedienkomfort erhöhen und einen wirtschaftlichen Betrieb unterstützen.
Beim Thema Sicherheit setzt Liebherr auf aktive Personenerkennung mit Bremsassistent. Das System erkennt Personen und bewegliche Hindernisse im Arbeitsbereich von Radladern und warnt das Bedienpersonal akustisch und visuell vor möglichen Gefahren. Gezeigt wird die Technologie im Pavillon und im Einsatz bei XPower-Radladern.
Das Kamerasystem Skyview 360° erzeugt mit mehreren Kameras eine Rundumsicht und reduziert tote Winkel. In Verbindung mit der Personenerkennung soll das die Sicherheit in Steinbrüchen und auf Baustellen erhöhen. OAS-Assistenzsysteme für Liebherr-Planierraupen unterstützen mit unterschiedlichen Automatisierungsgraden bei anspruchsvollen Aufgaben und dienen als Grundlage für zukünftige Anwendungen.
Vom Joystick bis zur Wartung
Mit INTUSI bündelt Liebherr Assistenzfunktionen und Maschinendaten auf einer zentralen, adaptiven Benutzeroberfläche. Das Bedienkonzept wird schrittweise in verschiedene Maschinen integriert. Konzepte mit Joysticklenkung und Kabinen ohne klassisches Lenkrad sollen Bedienkomfort und Ergonomie verbessern – wobei sich so manches Baustellengefühl vermutlich erst an die neue Sitzordnung gewöhnen muss.
Ein mobiler Liebherr-Simulator verbindet originale Bedienelemente von Erdbewegungsmaschinen mit einer realitätsnahen Darstellung der Arbeitsumgebung. Besucher können typische Arbeitseinsätze simulieren. So wird Fahrerschulung praktisch und sicher erfahrbar, ohne dass gleich tonnenweise Material bewegt werden muss.
Hinter der Kabine geht die Digitalisierung weiter. MyLiebherr Maintenance bündelt Maschinenzustände, Wartungen und Servicehistorien. Gemeinsam mit MyAssistant lassen sich Probleme früher erkennen und Wartungen genauer planen. MyLiebherr Performance liefert Leistungs- und Verbrauchsdaten, mit denen sich Auslastung und Betriebskosten optimieren lassen.
Data View aus dem IoMine-Maintain-Portfolio ermöglicht den Vergleich von Zustand und Leistung aller Maschinen eines Fuhrparks. Grundlage sind Daten aus Maschinenereignissen und Liebherr-Assistenzsystemen. Die digitalen Anwendungen sollen Stillstandzeiten reduzieren, Wartungen gezielter ermöglichen und die Maschinenverfügbarkeit erhöhen.
Für den Service stellt LiDIAG Customer Diagnosedaten direkt bereit. Das unterstützt die Fehlersuche, das Auslesen von Maschinenparametern, Software-Updates und Hydraulikeinstellungen. Serviceprozesse sollen dadurch schneller werden – ein Vorteil, der spätestens dann zählt, wenn die Maschine steht und der Arbeitstag trotzdem weiterläuft.
Auf der steinexpo 2026 sind die Lösungen im Technologie-Pavillon und im praktischen Maschineneinsatz zu sehen. Zwischen Baggergeräuschen, Staub und großen Reifen wird dort sichtbar, wie eng Assistenzsysteme, Automatisierung, Vernetzung und digitale Wartung inzwischen zusammengehören.
Quelle: Bau Digitalisierung
Weitere Informationen: KTEG
Kontext: Liebherr
Stand: 25.09.2026
