Der Elbtower an der Zweibrückenstraße 13 b in der östlichen Hamburger HafenCity steht weiterhin bei rund 100 Metern Höhe. Seit Oktober 2023 ruhen die Bauarbeiten – inzwischen seit etwa drei Jahren. Aus dem geplanten Wahrzeichen an den Elbbrücken ist ein halbfertiger Rohbau geworden, den viele Hamburger längst „den kurzen Olaf“ nennen, nach dem früheren Bürgermeister Olaf Scholz.

Ursprünglich sollte der von David Chipperfield Architects geplante Turm bereits 2025 fertig sein. Der Entwurf stammt von Christoph Felger. Mit 245 Metern, 64 Etagen und rund 104.000 Quadratmetern Nutzungsfläche wäre der Elbtower das höchste konventionelle Gebäude Hamburgs, ein Wolkenkratzer und das dritthöchste Gebäude Deutschlands geworden. Nun wird über eine gekürzte Variante mit 199 Metern verhandelt.

Stillstand nach der Signa-Insolvenz

Der Baustopp hängt unmittelbar mit dem Zusammenbruch der Signa-Gruppe um René Benko zusammen. Die Signa Prime hatte seit dem Sommer Rechnungen nicht bezahlt. Ende Oktober 2023 stellte das Bauunternehmen Adolf Lupp die Arbeiten ein; allein Lupp wartete damals auf 37 Millionen Euro. Bis zum Baustopp waren nach Angaben rund 400 Millionen Euro Baukosten angefallen.

Die Projektgesellschaft Elbtower Immobilien GmbH & Co. KG meldete im Januar 2024 beim Amtsgericht Berlin-Charlottenburg Insolvenz an; am 19. Januar 2024 wurde die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens beantragt. Das eigentliche Insolvenzverfahren ist bisher nicht eröffnet. Verhandlungspartner der Interessenten ist der vorläufige Insolvenzverwalter, der Berliner Rechtsanwalt Torsten Martini. Benko selbst sitzt seit Januar 2025 im Gefängnis. Ihm wird vorgeworfen, Gläubiger geschädigt zu haben.

Auch die Signa Prime Selection AG, Bauherrin und Tochter der Signa Holding, meldete im April 2024 nach österreichischem Recht Konkurs ohne Sanierungsplan an. Ihre Gläubiger beschlossen am 18. März 2024 die Abwicklung in einem österreichischen Treuhandverfahren, das bis 2029 dauern kann. Im April 2024 wurden fünf der sieben Baukräne abgebaut. Die Stadt Hamburg hatte im Sommer 2024 erklärt, den Bau nicht selbst fortzuführen und bei finanziellen Engpässen nicht einzuspringen. Ihr Wiederkaufsrecht für das Grundstück meldete sie zwar beim Insolvenzverwalter an, ließ die bis Ende Januar 2025 laufende Frist aber verstreichen.

Ein Konsortium, ein Festpreis – und viele offene Türen

Fünf Gesellschaften haben sich zu einem Konsortium zusammengeschlossen; das Bundeskartellamt genehmigte die Gründung. Sprecher ist der Unternehmer Dieter Becken von der Becken-Gruppe. Nach früheren Angaben gehören Signal Iduna, das Bauunternehmen Adolf Lupp, eine Gesellschaft des im August verstorbenen Unternehmers Klaus-Michael Kühne sowie Rossmann-Gründer Dirk Roßmann dazu. Kühne starb am 24. August 2026. Ein Sprecher von Kühne+Nagel äußerte sich nicht dazu, ob sein Tod Auswirkungen auf das Projekt hat.

Exklusive Verhandlungen mit dem Becken-Konsortium waren im Dezember 2024 bekannt geworden. Unmittelbar weiterbauen kann die Gruppe aber nicht: Der Turm gehört ihr noch nicht. Seit Anfang 2025 laufen laut Signal Iduna Gespräche. Hamburg machte sein Angebot im Oktober 2025 öffentlich und will für Flächen in nahezu der Hälfte des Gebäudes 595 Millionen Euro zahlen. Der Festpreis soll auch Ausbau und technische Ausstattung abdecken. Finanziert werden soll der Kauf über Darlehen sowie das Infrastruktursondervermögen.

In den unteren Etagen soll ein Naturkundemuseum entstehen. SPD-Fraktionschef Dirk Kienscherf stellte klar, dass es bei dem Angebot nicht um die Rettung des gesamten Elbtowers gehe, sondern um die mögliche Realisierung dieses Museums. Hamburg werde den Preis nicht erhöhen; nun müssten die Investoren das Angebot annehmen. Bürgermeister Peter Tschentscher äußerte zuletzt Zweifel an einer Einigung. Die Becken-Gruppe und der Senat berichten dennoch, dass die Gespräche andauern. Signal Iduna nennt sie konstruktiv und ist optimistisch, sie bis Ende 2026 abzuschließen.

Bei einer Einigung müsste die Hamburgische Bürgerschaft dem Kauf zustimmen. SPD und Grüne verfügen dort über eine Mehrheit. Kienscherf sagte, die Entscheidung werde im Interesse der Steuerzahler getroffen. Danach müsste sich das Konsortium noch mit dem vorläufigen Insolvenzverwalter einigen, außerdem müssten die Gläubiger zustimmen. Die im Grundbuch eingetragenen großen Geldgeber dürften wegen eines faktischen Vetorechts entscheidend sein.

Für weitere Flächen, unter anderem für Büros und ein Fünf-Sterne-Luxushotel, werden private Investoren und Konsortien gebraucht. Nach dem Rückzug der Marke Nobu wurde im Januar 2026 die Primestar Group als geplanter Hotelbetreiber genannt. Vorgesehen ist ein Fünfsternehotel mit 195 Zimmern unter dem Namen „Hilton Hamburg Elbtower“, die Eröffnung spätestens 2029. Die Fertigstellung des gesamten Projekts ist derzeit ebenfalls spätestens für 2029 vorgesehen; das Becken-Konsortium hatte zuvor mit 2030 und zusätzlichen Kosten von rund 700 Millionen Euro gerechnet.

199 Meter statt 245

Der genehmigte Bauplan sieht vor, den Turm um zwölf Stockwerke zu verkürzen. Aus den ursprünglich geplanten 245 Metern sollen 199 werden. Für diese Änderung liegt laut Becken-Gruppe bereits ein positiver Bauvorbescheid vor. Becken hatte früher geschätzt, dass der Bau drei Jahre und der Bezug weitere zwölf Monate dauern könnten – diese Schätzung bezog sich allerdings noch auf die höhere Variante.

Unklar ist, ob die ursprüngliche Baugenehmigung noch gültig ist. Ein Weiterbau sei möglich, hatte Becken früher erklärt; langfristig werde jedoch eine neue Genehmigung benötigt. Im März 2025 verhängte das Hamburger Amt für Bauordnung und Hochbau außerdem ein vorläufiges Weiterbauverbot. Grund waren Setzungs- beziehungsweise Senkungsschäden an benachbarten Bahnanlagen und am Bahnhof Hamburg Elbbrücken. Das Verbot sollte zunächst bis zum 23. März 2026 gelten.

Danach wäre eine Fortführung grundsätzlich möglich, wenn der Bauträger bis zum 23. März 2027 auf eigene Kosten Kompensationsmaßnahmen an den Bahnanlagen umsetzt und deren Wirksamkeit nachweist. Der für Herbst 2025 angekündigte Weiterbau konnte wegen des Verbots nicht beginnen. Für Sommer 2026 kündigte das Investorenkonsortium einen möglichen Wiederbeginn an.

Das Gewicht des Turms hatte zu Bodenabsenkungen an umliegenden, stark befahrenen Bahnanlagen geführt. Nach Einschätzung von Gutachtern und laut behördlichen Zwischenständen liegen die Messwerte für die Bahnsicherheit im erwartbaren und unkritischen Bereich. Die Hamburgische Ingenieurkammer-Bau erklärte, das Gebäude sei aus hochwertigem Stahlbeton errichtet. Wenn es in näherer Zukunft wieder durch eine Fassade geschlossen werde, seien keine wesentlichen Beeinträchtigungen zu erwarten. Der vorläufige Insolvenzverwalter äußert sich nicht zu möglichen Schäden durch den Baustopp.

Vom HafenCity-Versprechen zum Rohbau

Der Standort liegt am Nordufer der Norderelbe, nahe der S- und U-Bahn-Station Elbbrücken. Straßen-, Freihafen- und Eisenbahnbrücken fassen das Grundstück ein. Geplant war ein Baukörper aus einem vier- bis fünfgeschossigen Sockel, zurückgestaffelten Geschossen und einem geschwungenen, rund 64-geschossigen Turm. Nachts sollte die Fassade durch außen angebrachte Leuchtdioden leuchten.

Die ursprüngliche Planung war groß: Büros, Einzelhandel, Gastronomie, Hotel, Aussichtsplattform sowie Freizeit- und Wellnessangebote. Vorgesehen waren ein Nobu-Hotel mit Restaurant, ein Restaurant in etwa 200 Metern Höhe, eine Plattform in der 55. Etage, drei Etagen mit Wein- und Feinkostgeschäften, Galerien, Cafés und Bistros sowie Gym und Spa. Zeitweise bestanden Vorverträge für Büroflächen mit der Hamburg Commercial Bank, AON und Eterno. Geplant waren rund 3.000 Arbeitsplätze und 560 Tiefgaragenstellplätze.

Die Basisdaten nannten rund 104.000 Quadratmeter Nutzungsfläche. Die geplante Bruttogeschossfläche lag bei rund 160.000 Quadratmetern, davon etwa 122.000 Quadratmeter oberirdisch; bei der Bürofläche war zeitweise von rund 77.000 beziehungsweise 90.400 Quadratmetern die Rede. Im Zusammenhang mit dem Naturkundemuseum wurden später eine Reduzierung der Nutzfläche von 190.000 auf 100.000 Quadratmeter sowie die neue Turmhöhe von 199 Metern genannt.