Am Donnerstag, 24. September 2026, hat sich die Stadt Essen an einer landesweiten Kontrollaktion des NRW-Ministeriums für Heimat, Kommunales, Bau und Digitalisierung gegen sogenannte Problem- oder Schrottimmobilien beteiligt. In den Morgenstunden wurden drei Objekte im Nord- und Ostviertel überprüft. Viel Papier, viele Türen, viele Befunde: 18 Mitarbeitende verschiedener Behörden kontrollierten dabei 21 Wohneinheiten.

Mit dabei waren die Meldebehörde, die Wohnungsaufsicht, die Finanzbuchhaltung, das JobCenter Essen, das Ordnungsamt und die Polizei Essen. Landesweit liefen die Kontrollen parallel in Duisburg, Gelsenkirchen, Hagen, Krefeld und Velbert. Mehr als 100 Mitarbeitende von Kommunen und Behörden waren an der Aktion beteiligt. NRW-Kommunalministerin Ina Scharrenbach und Duisburgs Oberbürgermeister Sören Link begleiteten den Einsatz vor Ort.

Viele Mängel, offene Haftbefehle und ausstehende Zahlungen

In Essen stellte die Meldebehörde von Amts wegen 17 Meldeverstöße fest. Die Wohnungsaufsicht dokumentierte mehrere bauliche und wohnrechtliche Mängel: defekte Haustüren und Fenster, mangelhafte Elektroinstallationen, Brandlasten und Vermüllung. Das sind keine Kleinigkeiten, wenn Bewohner durch ein kaputtes Fenster, lose Leitungen oder zugestellte Fluchtwege müssen.

Das JobCenter Essen wird voraussichtlich in neun Fällen Leistungen einstellen. Zwei Fahrzeuge wurden gepfändet, außerdem wurden drei Zahlungen in Höhe von insgesamt 442,70 Euro geleistet. Die Polizei vollstreckte drei offene Haftbefehle.

Im Mittelpunkt der landesweiten Aktion standen bauliche und wohnrechtliche Missstände sowie Hinweise auf städteübergreifende Strukturen des Sozialleistungsmissbrauchs. Das Ministerium verbindet dafür Datenanalysen mit Kontrollen vor Ort. Erstmals begleiteten Datenanalyse-Expertinnen und -Experten der Bundesagentur für Arbeit aus Nürnberg eine landesweite Kontrollaktion direkt vor Ort.

Wenn Daten auf eine Adresse zeigen

Das Team der Bundesagentur wertet unter anderem Daten zu Minijobs, Leistungsbezügen und auffälligen Adresshäufungen aus. Verdächtig kann es werden, wenn ungewöhnlich viele Leistungsbeziehende an einer Adresse gemeldet sind oder Mietzahlungen nicht plausibel erscheinen. Solche Hinweise sollen anschließend bei Kontrollen überprüft werden. Ziel ist, auffällige Immobilien und Strukturen anhand verschiedener Datenhinweise gezielter zu identifizieren und die Erkenntnisse für behördliche Kontrollen zu nutzen.

Nach Angaben des WDR werden Schrottimmobilien häufig an Zugewanderte vermietet, die Sozialleistungen beziehen und überhöhte Mieten zahlen. Teilweise sollen Vermieter zusätzlich schlecht bezahlte, nicht angemeldete Beschäftigungen anbieten. Ein Teil der über Jobcenter gezahlten Mieten fließt demnach an organisierte Gruppen.

Wie kompliziert die Lage sein kann, zeigte sich in Duisburg: In einer Immobilie wurde eine gemeldete achtköpfige Familie nicht angetroffen, die Wohnung wirkte verlassen. Ob das Gebäude wegen baulicher Mängel geschlossen werden muss, sollen Feuerwehr und TÜV prüfen. Besteht Gefahr für Leib und Leben, kann die Stadt eine sofortige Nutzungsuntersagung anordnen. Dann müsste das Gebäude geräumt werden; Duisburg wäre in diesem Fall für die Unterbringung der Bewohner zuständig.

Forderungen nach besseren Regeln und mehr Austausch

Ina Scharrenbach verwies auf ein grundlegendes Problem: Der fehlende Datenaustausch zwischen Einwohnermeldeämtern, Sozialämtern und Städten erschwert die Aufklärung. Es sei schwer festzustellen, ob Wohnungen tatsächlich bewohnt werden. Ebenso lasse sich nur schwer prüfen, ob Personen in mehreren Städten Sozialleistungen beziehen. Ein zentrales Register mit diesen Daten gibt es in Deutschland nicht.

Die Ministerin fordert deshalb, die rechtlichen Regelungen zu überprüfen. Derzeit können geringfügig Beschäftigte in Deutschland Sozialleistungen beanspruchen; außerdem kann ein schulpflichtiges Kind das Aufenthaltsrecht der gesamten Familie begründen. Nach Scharrenbachs Auffassung sollten Sozialleistungen zurückgehalten werden können, wenn diese Regelungen ausgenutzt werden.

Sören Link fordert, dass Meldebehörden untereinander kommunizieren dürfen, um mögliche doppelte Leistungszahlungen aufzudecken. Die Landesregierung plant zusätzliche Instrumente für Kommunen: strengere Auflagen, ein Gütesiegel für faire Unterkünfte und als äußerstes Mittel die Enteignung besonders problematischer Immobilien. Auch die Bundesregierung plant einen Aktionsplan gegen Sozialleistungsmissbrauch und setzt dabei auf besseren Datenaustausch.

Für Essen bleibt der Blick zunächst auf die drei kontrollierten Objekte im Nord- und Ostviertel gerichtet. Zwischen defekten Fenstern, überfüllten Räumen und Akten mit auffälligen Adressen zeigt sich, wie eng Bauzustand, Wohnsituation und Sozialleistungsprüfung inzwischen miteinander verbunden sind.