Fort Trump in Bolesławiec: Polens Militärbauprojekt verbindet US-Stützpunkt und Flughafendrehscheibe
In Polen nimmt ein großes Militärbauprojekt Gestalt an: Das Land steht laut Außenminister Radosław Sikorski kurz vor dem Abschluss einer Vereinbarung mit den USA über einen permanenten US-Militärstützpunkt. Präsident Karol Nawrocki hat für den geplanten Komplex bereits einen Namen parat: „Fort Trump“.
Bis zu 4,4 Milliarden US-Dollar könnte der Bau kosten. Geht es nach den bisherigen Planungen, könnte der Stützpunkt schon 2029 in Betrieb gehen. Vorgesehen ist eine dauerhafte Stationierung von etwa 5.000 US-Soldaten. Sikorski hatte zuvor sogar eine Kapazität von rund 10.000 Soldaten genannt.
Ein Verbund bei Bolesławiec
Als genauer Standort gilt der niederschlesische Ort Bolesławiec. Fort Trump soll dort mehrere bestehende Stützpunkte umfassen. Der Name geht auf den früheren polnischen Präsidenten Andrzej Duda zurück und soll offenbar auch Donald Trump ansprechen. Noch ist das Vorhaben allerdings ein politisches Projekt: Zeitpunkt des Baubeginns, Umfang des Ausbaus und die Zahl der künftig stationierten US-Soldaten sind nicht endgültig geklärt.
Ursprünglich wurden auch Regionen nahe Breslau, Posen und Stettin im Westen Polens als mögliche Standorte genannt. Der endgültige Platz soll von den in Polen stationierten US-Einheiten abhängen. Zum Vorhaben gehört außerdem der nahegelegene Flughafen Breslau. Polen und die USA wollen ihn gemeinsam ausbauen – geplant ist die größte Drehscheibe der US-Army in Europa.
Polen will rund 500 Millionen Euro in das Projekt investieren. Auch die Stadt Bolesławiec beteiligt sich finanziell. Der Ort hat etwa 40.000 Einwohner und ist für sein Keramikgeschirr bekannt. Seit rund zehn Jahren gibt es in der Nähe die kleinere US-Basis „Camp Boles“.
Mehr Soldaten, mehr Geschäft
Die Bewohner begrüßen den geplanten Ausbau, viele verbinden damit mehr Sicherheit. Bürgermeister Piotr Roman berichtet zudem von einem ganz praktischen Effekt der amerikanischen Präsenz: Die Zahl der Restaurants in der Innenstadt sei von drei auf etwa 20 gestiegen. Die US-Soldaten hätten das örtliche Geschäft belebt. Wo früher am Abend vielleicht noch ein Lokal offen hatte, stehen heute offenbar deutlich mehr Tische bereit.
Roman begründet die Unterstützung der Stadt auch mit der historischen und sicherheitspolitischen Rolle der USA für Polen. Verteidigungsminister Władysław Kosiniak-Kamysz bezeichnete die Vereinigten Staaten als Sicherheitsgaranten und Polen als vorbildlichen Verbündeten.
Derzeit sind fast 10.000 US-Soldaten und -Soldatinnen in Polen stationiert. Nach anderen Angaben befinden sich etwa 7.000 US-Soldaten im Rahmen einer Rotation im Land. Polen übernimmt bereits einen großen Teil der Kosten: Pro US-Soldat zahlt das Land etwa 13.000 Euro jährlich. Für die US-Army ist die Stationierung in Polen dadurch günstiger als etwa in Deutschland. Der Politologe Tomasz Pawłuszko sieht darin einen möglichen Anreiz für US-Präsident Donald Trump, US-Truppen in Europa und insbesondere in Polen zu halten.
Zwischen Loyalität und wachsendem Misstrauen
Ganz reibungslos ist das Verhältnis trotzdem nicht. Der polnische Parlamentspräsident unterstützt Trumps Nobelpreisnominierung nicht, Ministerpräsident Donald Tusk lehnte Trumps Friedensrat ab. Tusk sagte außerdem, Polen werde im Bündnis mit den USA loyal, aber niemals ein „Vasall“ sein.
Traditionell bleiben die USA Polens wichtigster Partner; Antiamerikanismus ist im Land vergleichsweise wenig verbreitet. Das Vertrauen der polnischen Bevölkerung in die Vereinigten Staaten ist laut einer neuen Umfrage jedoch auf knapp die Hälfte gesunken – ein Negativrekord. Viele halten aus pragmatischen Gründen an einer sicherheitspolitischen Orientierung an den USA fest und sehen Washington gegenüber China als bevorzugte Alternative. Das klingt weniger nach Begeisterung als nach nüchterner Rechnung.
Der Streit über die künftige amerikanische Rolle in Europa läuft derweil weiter. Donald Trump fordert die europäischen Verbündeten auf, mehr Verantwortung für ihre eigene Sicherheit zu übernehmen. US-Verteidigungsminister Pete Hegseth überprüft die im Atlantik stationierten US-Streitkräfte. Genau vor diesem Hintergrund wächst in Europa die Sorge vor einer möglichen Verringerung der US-Militärpräsenz.
Washington hält die Tür vorerst offen
Der US-Senat billigte mit 77 zu 20 Stimmen einen Verteidigungshaushalt von 901 Milliarden US-Dollar, umgerechnet 767 Milliarden Euro. Das Repräsentantenhaus hatte dem Haushalt bereits zugestimmt. Das Gesetz legt die Militärausgaben für das kommende Jahr fest und verpflichtet die US-Regierung zugleich, ihr militärisches Engagement in Europa ungefähr auf dem bisherigen Niveau zu halten.
Das Verteidigungsministerium darf die Zahl der US-Soldaten in Europa nicht länger als 45 Tage auf unter 76.000 senken. Zuletzt waren nach Angaben des Verteidigungsministeriums etwa 100.000 US-Soldaten in Europa stationiert, darunter rund 65.000 dauerhaft; die übrigen kamen im Rotationsverfahren. Üblicherweise liegt die Zahl der US-Truppen in Europa zwischen 80.000 und 100.000.
Auch der Befehlshaber der US-Truppen in Europa darf seinen Posten als Nato-Oberbefehlshaber auf dem Kontinent nicht aufgeben. Diese Vorgaben stehen allerdings im Gegensatz zur neuen Nationalen Sicherheitsstrategie der USA. Washington will sich langfristig aus seiner Führungsrolle in der Nato zurückziehen und von den europäischen Nato-Mitgliedern mehr Verantwortung für deren Verteidigungsfähigkeit verlangen.
Nach Berichten unter Berufung auf Quellen im US-Verteidigungsministerium soll Europa bereits bis 2027 einen Großteil der konventionellen Nato-Fähigkeiten stellen. Andernfalls wollen sich die USA aus bestimmten Kooperationsbereichen zurückziehen. Viele europäische Staaten streben zwar mehr Eigenständigkeit an, halten dieses Ziel für 2027 aber für unrealistisch.
Der von Trump gewünschte Name „Kriegsministerium“ ist nicht Bestandteil des Gesetzes. Eine Umbenennung des Verteidigungsministeriums wurde zwar angekündigt und wird unter anderem von Minister Pete Hegseth verwendet, formal handelt es sich aber nur um einen Namenszusatz. Eine tatsächliche Umbenennung müsste der Kongress genehmigen.
Der National Defense Authorization Act, kurz NDAA, wird jährlich verabschiedet und legt Richtlinien für das Verteidigungsministerium fest. Er genehmigt die vorgesehenen Ausgaben, stellt die Mittel aber nicht selbst bereit; dafür sind separate Haushaltsgesetze erforderlich. Das Gesetz schließt außerdem trans Frauen von Sportveranstaltungen für Frauen an US-Militärakademien aus. Programme des Verteidigungsministeriums für geschlechtergerechte medizinische Behandlung bleiben bestehen.
Ob aus dem Namen „Fort Trump“ tatsächlich ein dauerhaftes militärisches Zentrum wird, hängt damit nicht nur von den Bauplänen in Bolesławiec ab. Auch die strategische Richtung Washingtons, die Kostenverteilung und die europäische Bereitschaft zu mehr eigener Verteidigung spielen hinein. Bis dahin bleibt Polen ein Standort, an dem Beton, Keramik und große Bündnispolitik ziemlich dicht beieinanderliegen.
