In Hanoi ist am 15.10.2026 ein neues Bauprojekt gestartet, das ziemlich genau zeigt, wohin sich Vietnams Technologiewirtschaft gerade bewegt: Die FPT Corporation (ISIN: VN000000FPT1, Ticker: FPT) legte den Grundstein für das „Digital Technology Building No. 01“. Mehr als 1,311 Billionen VND fließen in das Vorhaben im geplanten FPT Digital Technology Park Urban Area in den Stadtbezirken Phu Dien und Tay Tuu.

Sieben oberirdische Geschosse, ein Untergeschoss und eine technische Dachgeschoss-Ebene sind vorgesehen. Die Bruttogeschossfläche soll rund 69.831,5 Quadratmeter betragen; in den Angaben zum Projekt werden rund 69.830 Quadratmeter Gesamtfläche genannt. Auf dem 17.217 Quadratmeter großen Grundstück entsteht ein Bürogebäude der Klasse I mit einer geplanten Lebensdauer von mindestens 50 Jahren. Die Bauzeit ist mit zwölf Monaten angegeben.

Arbeitsplatz für 6.000 Fachkräfte

Rund 6.000 Fachkräfte und unterstützende Mitarbeiter soll das Gebäude aufnehmen. Gedacht ist es als gemeinsamer Arbeits- und Forschungsstandort für Ingenieure, Experten, Studierende und Wissenschaftler, aber auch für Unternehmen und Forschungseinrichtungen. Wissen austauschen, experimentieren, Lösungen für praktische Technologieprobleme entwickeln – das klingt zunächst nach viel Programm für ein einzelnes Haus. Genau das ist aber der Plan.

FPT will damit die Ausbildung qualifizierter Technologiekräfte sowie die Forschungs- und Entwicklungskapazitäten in strategischen Technologien stärken. Hanoi soll nationale und internationale Ressourcen vernetzen und einen Beitrag zu den Innovationsökosystemen der Stadt und Vietnams leisten. Anfang 2026 hatten Hanoi und FPT das Gesamtprojekt gestartet. Das Gebäude markiert nun den Übergang eines Projektteils aus Planung und Investitionsvorbereitung in die Bauphase.

Der stellvertretende Vorsitzende des Volkskomitees von Hanoi, Truong Viet Dung, bezeichnete die Grundsteinlegung als wichtigen Meilenstein der Zusammenarbeit zwischen Stadtverwaltung und Unternehmen. Die Stadt erwartet nicht nur, dass Bauzeit und Qualitätsvorgaben eingehalten werden. Möglichst rasch soll ein wettbewerbsfähiges Technologiezentrum entstehen, das Talente, Technologieunternehmen, Forschungsinstitute, Universitäten und internationale Partner anzieht – mit konkreter Forschung, Produkten, Märkten und wirtschaftlichem Mehrwert.

FPT soll dafür technologische Fähigkeiten, ein globales Netzwerk, Ingenieurwissen und Erfahrung in der Fachkräfteentwicklung einbringen. Hanoi bekräftigte seine Unterstützung für eine enge Zusammenarbeit und für eine möglichst schnelle Umsetzung. Die Stadtführung hofft, dass sich das Gebiet zu einem technologieorientierten Stadtbezirk entwickelt.

Vom Bürogebäude zur „lebenden Ausstellung“

FPT-CEO Nguyen Van Khoa verwies auf Hanois Bedeutung als Zentrum für Wissen, Wissenschaft und hochqualifizierte Fachkräfte. Den Behörden und lokalen Verwaltungen dankte er für die Unterstützung bei der Vorbereitung des Projekts. Das Gelände soll künftig Menschen, Technologie, Wissen und neue Ressourcen für die sozioökonomische Entwicklung Hanois zusammenbringen.

Geplant ist ein offener Standort, an dem Technologie der Bevölkerung nähergebracht wird. Schritt für Schritt soll der Digital Technology Park zu einer „lebenden Ausstellung“ strategischer Technologien werden: Studierende können Technologien besichtigen und praktisch kennenlernen, Wissenschaftler, Ingenieure und Unternehmen sollen gemeinsam arbeiten, Einwohner Einblick in die Erforschung und Anwendung neuer Technologien bekommen.

Als Schwerpunkte nennt FPT künstliche Intelligenz, Halbleiter, Quantentechnologie, unbemannte Luftfahrzeuge (UAVs) und weitere strategische Zukunftstechnologien. Präsentiert werden sollen sie nicht bloß hinter Glas. Sie sollen erforscht, entwickelt, getestet und angewendet werden.

Der Digital Technology Park soll als offenes Ökosystem für Regierung, Forschung und Unternehmen funktionieren. Vorgesehen sind Verbindungen zu globalen Technologiekonzernen wie NVIDIA, Samsung und Microsoft, außerdem zu Universitäten, Forschungsinstituten, großen Technologieunternehmen, Start-ups sowie vietnamesischen Wissenschaftlern und Experten im In- und Ausland. Das Projekt soll die Ziele der Resolution 57-NQ/TW zur Entwicklung von Wissenschaft und Technologie, Innovation und digitaler Transformation unterstützen.

FPT will hochqualifizierte Technologiekräfte nach Hanoi holen, Forschungseinrichtungen, Bildungsorganisationen und Unternehmen stärker vernetzen, neue Technologieprodukte entwickeln und die Beherrschung strategischer Technologien ausbauen. Das Gesamtprojekt umfasst rund 194,3 Hektar, in den ursprünglichen Projektangaben rund 194 Hektar. Etwa 58,5 Hektar sind für den zentralisierten Digital Technology Park vorgesehen.

Nach vollständiger Inbetriebnahme soll das Gesamtprojekt rund 75.000 Beschäftigte aufnehmen, darunter Technologie-Fachkräfte und unterstützendes Personal. Der zentrale Technologiepark soll Forschung, Bildung, Entwicklung, Produktion, Geschäftstätigkeiten und digitale Technologiedienstleistungen ermöglichen. Dazu kommen Flächen für Produktausstellungen, Technologiedemonstrationen und die Vernetzung des Ökosystems. FPT erwartet, dass Tay Tuu–Phu Dien zu einem Technologiezentrum für Fachkräfte, Bildung, Forschung, Partnerschaften und neue Technologieprodukte wird.

Solarstrom, Regenwasser und ein langer Atem

Architektonisch soll sich das Gebäude in die Landschaft einfügen und eine offene Arbeitsumgebung schaffen. Austausch, Vernetzung und Innovation stehen dabei im Mittelpunkt. Ergänzende Solarstromerzeugung ist vorgesehen, ebenso Ladestationen für Elektrofahrzeuge. Regenwasser soll zur Bewässerung und Straßenreinigung gesammelt werden; Abwasser wird vor der Einleitung in das gemeinsame Abwassersystem behandelt.

Der Kapazitätsausbau fällt in eine Phase steigender internationaler Nachfrage. In den ersten acht Monaten 2026 erzielte FPT einen Umsatz von 35.408 Milliarden VND, 13,50 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Der Vorsteuergewinn stieg um 17,50 Prozent auf 7.648 Milliarden VND. Internationale Neuverträge erreichten 33.285 Milliarden VND – ein Plus von 28,00 Prozent.

Am 13.10.2026 eröffnete FPT außerdem ein Büro in Ägypten. FPT Egypt nahm laut dem Artikel bereits im Januar 2026 den Betrieb auf. Der nächste Ergebnisbericht ist für den 02.12.2026 angekündigt.

An der Ho-Chi-Minh-Börse schloss die FPT-Aktie am 15.10.2026 bei 58.000 VND. Die Marktkapitalisierung wurde am 16.10.2026 mit 122,0 Billionen VND angegeben. Unternehmen: FPT Corporation. Heimatbörse: Ho-Chi-Minh-Börse. Branche: Technologie. Nächstes Earnings-Datum: 02.12.2026.

Halbleiter als nächster Prüfstein

Der Halbleiterteil des Projekts kommt nicht zufällig. Vietnam erlebt eine neue Investitionswelle in Chipdesign, Assembly, Testing und Packaging (ATP) sowie bei Halbleitermaterialien und -substraten. Ausländische Unternehmen prägen die Branche: NVIDIA, Marvell und Infineon sind im Chipdesign aktiv, Intel und Amkor gehören zu den wichtigsten Unternehmen im Backend-Bereich.

Intel betreibt in Ho-Chi-Minh-Stadt weltweit sein größtes Packaging- und Testwerk. Eine Produktionslinie für Rechenzentrum-Chips wird von Costa Rica nach Vietnam verlagert; der Ausbau läuft seit Mitte 2026. Weitere internationale Investitionen im ATP-Bereich stammen unter anderem von Amkor, Hana Micron und Samsung.

Marvell eröffnete 2025 drei neue Standorte in Vietnam. Dadurch ist Vietnam Marvells weltweit drittgrößtes Entwicklungszentrum für KI-Chips. Mehr als 60 Chipdesign-Unternehmen mit rund 7.000 Ingenieuren sind nach Branchenangaben im Land tätig.

Parallel entsteht ein Cluster für Halbleiterausrüstung und Präzisionstechnik. Coherent und VDL haben ihre Aktivitäten ausgeweitet und beliefern von Vietnam aus unter anderem ASML. Vietnamesische Unternehmen bauen ebenfalls eigene Kapazitäten auf: FPT Semiconductor entwickelt Chips und plant den Einstieg ins Chiptesten, die CT Group errichtet die erste vietnamesisch kontrollierte Packaging-Anlage, und Viettel baut im Technologiepark Hoa Lac bei Hanoi eine kleine Chipfabrik. Die Mini-Fab soll die Versorgung mit einfacheren Chips verbessern und die Prototypenfertigung im Land ermöglichen. Fabriken für die Waferfertigung sind in Vietnam bislang kaum vorhanden.

Die Größenordnung der laufenden Vorhaben ist beträchtlich: Amkor investiert 1,6 Milliarden US-Dollar in Advanced Packaging in Bac Ninh, der Ausbau läuft seit 2023 in mehreren Phasen. Samsung kündigte im Mai 2026 eine Halbleiter-Testfabrik in Thai Nguyen für 1,5 Milliarden US-Dollar an. LG Innotek plant eine Fabrik für Halbleitersubstrate in Hai Phong mit 1 Milliarde US-Dollar; der Baubeginn ist für das dritte Quartal 2026 geplant.

Meiko Electronics will im Juni 2026 mit dem Bau einer Fabrik für Halbleitersubstrate in Phu Tho beginnen, Investitionssumme: 500 Millionen US-Dollar. Viettel startete im Januar 2026 den Bau seiner Mini-Fab in Hoa Lac bei Hanoi für 220 Millionen US-Dollar. Coherent erweitert für 83 Millionen US-Dollar die Halbleitermaterialproduktion; das Vorhaben ist in Umsetzung. FPT Semiconductor baut in Bac Ninh für 30 Millionen US-Dollar ein ATP-Werk auf.

Die vietnamesische Regierung hat die Halbleiterindustrie zu einem Schlüsselsektor ihrer Industriepolitik erklärt. Neben Steuervergünstigungen sind direkte Zuschüsse für Ausbildung, Landerschließung und Kreditzinsen möglich. Die Maßnahmen sollen die Ziele der nationalen Halbleiterstrategie von 2024 unterstützen. Eine harte Nuss bleibt das Ziel, bis 2030 insgesamt 50.000 Halbleiteringenieure auszubilden. Spitzenuniversitäten haben deshalb kurzfristig Halbleiterprogramme eingeführt.

Für ein vollständiges Halbleiterökosystem fehlen vielerorts noch Zulieferindustrien für Materialien, Chemikalien, Anlagen und Forschung. Auch die Stromversorgung bleibt ein kritischer Faktor; die Regierung hat zuletzt den rechtlichen Rahmen für den Ausbau von Stromnetzen und Kapazitäten geschaffen. Große kommerzielle Fabs sind zudem mit hohen finanziellen und regulatorischen Hürden verbunden. Moderne Anlagen erfordern Investitionen im zweistelligen Milliardenbereich, westliche Dual-Use-Exportkontrollen erschweren den Zugang zu kritischen Maschinen, und Vietnam konkurriert mit anderen ASEAN-Standorten, die ebenfalls umfangreiche Förderprogramme anbieten.

Vietnam profitiert dabei von der Verlagerung von Lieferketten nach dem Prinzip „China plus One“. Etablierte ATP-Standorte wie Malaysia, Taiwan und Südkorea stoßen zunehmend an Kapazitäts- und Kostengrenzen. Unternehmen richten ihre Lieferketten laut Branchenangaben immer öfter nach dem Muster aus: „In China für China, für den Rest der Welt ohne China.“ Das fördert neue Kapazitäten in Vietnam, unter anderem bei Halbleitersubstraten.

Im Rahmen des US-amerikanischen „Chips and Science Act“ gilt Vietnam als vertrauenswürdiger Investitionsstandort für westliche Technologiekonzerne. Exportkontrollen beschränken vor allem den Zugang zur modernsten Chipfertigung mit EUV-Lithografie. Ältere DUV-Lithografiesysteme können unter strengen Compliance-Auflagen geliefert werden.

Für deutsche Unternehmen ergeben sich kurzfristig Chancen bei Ausrüstung, Infrastruktur, Ingenieursdienstleistungen, Maschinenwartung und technischem Service. Mit dem Ausbau der Packaging-Kapazitäten steigt die Nachfrage nach deutschen Maschinen- und Ausrüstungsanbietern. Lokale Service-Niederlassungen werden wichtiger, weil das regelmäßige Einfliegen von Wartungsingenieuren langfristig unwirtschaftlich ist. Mehr Designzentren sowie Packaging- und Testwerke erhöhen den Bedarf an lokalen Supportstrukturen.

Das Ziel von 50.000 Ingenieuren bis 2030 eröffnet Kooperationsmöglichkeiten für deutsche Unternehmen, Hochschulen und Forschungseinrichtungen. Infineon arbeitet bereits mit der Hanoi University of Science and Technology zusammen. Siemens, Synopsys und Cadence stellen häufig Lizenzen für Electronic-Design-Automation-Software bereit. Ausbildungs- und Forschungszentren können Fachkräfte qualifizieren und sie frühzeitig mit deutschen Technologien und Ausrüstungslösungen vertraut machen.

Als Anlaufstellen für deutsche Unternehmen gelten die AHK Vietnam, das National Innovation Center als staatliche Einrichtung für Innovations- und Halbleiterförderung sowie SEMI Southeast Asia als Branchenorganisation für die Halbleiterindustrie in Südostasien. Die SEMIExpo Vietnam findet vom 3. bis 4. Dezember 2026 in Ho-Chi-Minh-Stadt statt. Die SEMICON Southeast Asia ist vom 25. bis 27. Mai 2027 in Kuala Lumpur, Malaysia, angesetzt.