Am Berliner Südkreuz entsteht ein klimafokussierter Holz-Hybrid-Campus für BSR und Berlinovo
Am Berliner Südkreuz entsteht auf dem Gelände eines ehemaligen BSR-Recyclinghofs der „S!nn Campus“. Die landeseigenen Unternehmen BSR und Berlinovo investieren dafür gemeinsam rund 345 Mio. Euro. Der offizielle Spatenstich fand am 13. April 2026 im Beisein von Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey und Finanzsenator Stefan Evers statt.
Das Bauvorhaben kommt in einer Zeit, in der der Gebäudesektor besonders unter Druck steht: Rund 30 Prozent der deutschen CO₂-Emissionen entstehen durch Bau und Betrieb von Gebäuden, 2025 stiegen die Emissionen des Sektors wieder. Berlin will seine CO₂-Emissionen bis 2040 um 90 Prozent reduzieren und bis 2045 klimaneutral werden. Am Südkreuz soll nun gezeigt werden, wie sich dieser Anspruch in einem großen innerstädtischen Ensemble niederschlagen kann.
Zwei Bauteile, viele Nutzungen
Bauteil A wird die neue BSR-Unternehmenszentrale mit rund 27.700 m² Bruttogeschossfläche. Eine öffentlich zugängliche Townhall gehört ebenfalls dazu. Rund 1.000 Beschäftigte sollen dort künftig Platz finden. Ein erheblicher Teil der Arbeitsplätze an der Ringbahnstraße befindet sich derzeit in angemieteten Flächen gegenüber dem BSR-eigenen Standort. Diese Mietflächen werden nach dem Umzug ans Südkreuz aufgegeben.
Der Standort an der Ringbahnstraße verschwindet damit aber nicht von der Berliner Landkarte. Er bleibt ein wichtiger operativer BSR-Standort: Dort befinden sich die Hauptwerkstatt für BSR-Betriebsfahrzeuge und ein bedeutender Reinigungsstandort. Wegen des Wachstums Berlins und der damit zunehmenden Aufgaben steht bei der Nachnutzung zunächst die Weiterentwicklung des Kerngeschäfts im Mittelpunkt. Auch eine zukunftsorientierte Ausbildung für gewerblich-technische Berufe könnte wegen der Nähe zur Hauptwerkstatt möglich werden.
Bauteil B ist ein 17-geschossiges Multi-Tenant-Hochhaus von Berlinovo. Es umfasst rund 39.900 m² Gesamtfläche, darunter etwa 25.000 m² flexible Mietfläche. Damit schafft Berlinovo ein Immobilienangebot, das Unternehmen verschiedener Größen und Branchen nutzen können. Parallel zum Baubeginn startete die Vermarktung der Mietflächen.
Holz, Geothermie und digitale Planung
Der Entwurf stammt von den Wiener Architekturbüros Franz & Sue sowie Schenker Salvi Weber. Die ZECH Bau SE erhielt im Baupartnerverfahren den Zuschlag für Ausführungsplanung und Bauleistungen. Gebaut wird in Holzhybridbauweise: Auf rund 3.500 m² kommt Holz für Hybridverbunddecken, Stützen und Lamellendecken zum Einsatz.
Die Energieversorgung soll über Geothermie, Wärmepumpen und Photovoltaikanlagen auf allen Dachflächen erfolgen. Hinzu kommt ein nachhaltiges Regenwassermanagement. Für das Ensemble wird eine DGNB-Gold-Zertifizierung angestrebt, die Vorzertifizierung wurde bereits erteilt. Für beide Gebäude sind außerdem Smart-Score-Gold- und WiredScore-Gold-Zertifizierungen vorgesehen.
WiredScore bewertet digitale Konnektivität, Glasfaser, Mobilfunkversorgung und Ausfallsicherheit. Smart Score richtet den Blick auf die technischen und funktionalen Grundlagen intelligenter Gebäude. Beim Berlinovo-Gebäude kommt zusätzlich eine WELL-Zertifizierung in Betracht, die Gesundheit, Wohlbefinden und Aufenthaltsqualität berücksichtigt.
Die Planung erfolgt nach einem verbindlichen BIM-Abwicklungsplan. Über BIM werden Planungs-, Bau- und Betriebsprozesse in einem zentralen digitalen Gebäudemodell verknüpft. Drees & Sommer ist bereits seit 2021 mit der Projektsteuerung sowie dem Nutzerprojektmanagement für die BSR-Zentrale beauftragt. Das Unternehmen übernimmt außerdem Nutzerprojekt-, Prozess- und BIM-Management sowie Sicherheitsberatung und begleitet das Projekt auch während der Realisierungsphase.
Was aus dem alten Standort wird
Der bisherige Unternehmenszentralen-Standort ist derzeit als Gewerbestandort ausgewiesen; Wohnbebauung ist dort noch nicht zugelassen. Teilbereiche könnten grundsätzlich für künftiges Wohnen geeignet sein. Angesichts der angespannten Wohnsituation in Berlin prüft die BSR deshalb auch Wohnmöglichkeiten, insbesondere für eigene Beschäftigte und Auszubildende.
Ganz so schnell geht es allerdings nicht. Die unterschiedlichen Anforderungen sollen zunächst sorgfältig geprüft, konkretisiert und aufeinander abgestimmt werden. Nach der im Dezember 2025 getroffenen Entscheidung für die neue BSR-Zentrale wird ein integriertes Standortkonzept für die Nachnutzung erarbeitet. Die Ergebnisse sollen voraussichtlich bis Ende 2026 vorliegen. Danach beraten die BSR-Unternehmensgremien, bevor die Öffentlichkeit informiert wird.
Fertigstellung 2029
Beide Gebäude sollen 2029 fertiggestellt werden. Bis dahin müssen die technische Planung, die Holz-Hybridkonstruktion, die Energie- und Digitaltechnik sowie die unterschiedlichen Nutzeranforderungen ineinandergreifen. Am Südkreuz entsteht also nicht bloß zusätzlicher Büroraum, sondern ein neuer Unternehmensstandort mit Townhall, flexiblen Mietflächen und einem ziemlich eng geschnürten Paket aus Klimazielen, Zertifizierungen und digitaler Bewirtschaftung.
