Die Stimmung in Deutschlands Unternehmen hat sich im September 2026 aufgehellt. Der ifo Geschäftsklimaindex stieg von 88,8 Punkten im August auf 89,9 Punkte. Sowohl die aktuelle Geschäftslage als auch die Erwartungen wurden positiver bewertet. Für die Bauwirtschaft ist das allerdings kein großer Sprung nach vorn: Im Bauhauptgewerbe blieb der Index nahezu unverändert.

Die Lagebeurteilung legte um 1,0 Punkte auf 89,5 zu, die Erwartungen verbesserten sich um 1,4 Punkte auf 90,4. Zwischen beiden Komponenten liegen damit 0,9 Punkte. Das ifo Institut sieht darin eine Fortsetzung des Erholungskurses der deutschen Wirtschaft. Der Blick auf die Monatswerte zeigt tatsächlich eine vorsichtige Bewegung nach oben: Nach dem Tiefpunkt von 84,5 Punkten im April 2026 folgten 85,0, 85,6, 86,7, 88,8 und nun 89,9 Punkte. Der Index liegt damit über dem Vorjahresniveau und auf dem höchsten Stand seit mehr als einem Jahr.

Bau bleibt ein zähes Pflaster

Im Bauhauptgewerbe stand der Index bei minus 17,0 Punkten, nach minus 16,9 im August. Die Unternehmen waren mit den laufenden Geschäften etwas zufriedener, zugleich verschlechterten sich ihre Erwartungen geringfügig. Viel Bewegung ist das nicht – eher ein vorsichtiges Schulterzucken. Der Tiefbau entwickelt sich weiterhin besser als der Hochbau.

Ermittelt wird das Geschäftsklima monatlich anhand der Antworten von rund 9.000 Unternehmen aus Industrie, Dienstleistungen, Handel und Bau. Gefragt wird nach der aktuellen Lage und nach den Erwartungen für die kommenden sechs Monate. Der Geschäftsklimaindex ist ein transformierter Mittelwert beider Salden, normiert auf den Jahresdurchschnitt 2015.

Für das Baugewerbe heißt das: Die Gegenwart wird ein wenig freundlicher gesehen, die Aussichten aber nicht. Gerade im Hochbau bleibt die Zurückhaltung spürbar. Auf Baustellen sind solche Stimmungswechsel ohnehin selten laut – meistens zeigen sie sich zuerst in verschobenen Entscheidungen, vorsichtigeren Kalkulationen und längeren Gesprächen am Telefon.

Industrie mit besseren Hoffnungen, aber vollen Sorgen

Im Verarbeitenden Gewerbe verbesserte sich der Index auf minus 2,8. Der Anstieg ging ausschließlich auf die Erwartungen zurück, die sich deutlich aufhellten – besonders in der Elektrobranche. Die aktuelle Lage wurde dagegen etwas schlechter bewertet. Unternehmen bleiben mit ihren Auftragsbeständen unzufrieden; die Automobilbranche steckt weiterhin in einer schwierigen Lage.

Ein ähnliches Bild hatte bereits der September-Bericht des ifo Instituts gezeichnet: Mehr Zuversicht für die kommenden Monate, aber kein entspannter Blick auf das, was jetzt auf den Werksflächen und in den Auftragsbüchern liegt. Hoffnung ist da. Arbeit genug offenbar nicht überall.

Dienstleister und Händler ziehen an

Im Dienstleistungssektor kehrte das Geschäftsklima erstmals seit Februar wieder in den positiven Bereich zurück. Der Saldo stieg um 2,8 Punkte auf plus 0,7. Unternehmen beurteilten vor allem die laufenden Geschäfte besser, außerdem korrigierten sie ihre Erwartungen nach oben. Dort scheint also wieder etwas mehr Luft im Kessel zu sein.

Auch im Handel ging es aufwärts – sogar am stärksten von allen Bereichen. Der Index stieg um 3,3 Punkte auf minus 17,2. Händler bewerteten sowohl ihre aktuelle Lage als auch ihre Erwartungen besser. Trotzdem bleibt der Handel Schlusslicht. Einzelhändler halten sich angesichts der steigenden Inflation weiterhin zurück; an der Kasse wird gerechnet, bevor der Einkauf gemacht wird.

Aufschwung mit Gegenwind

Führende deutsche Wirtschaftsforschungsinstitute erwarten für 2026 ein Wachstum des Bruttoinlandsprodukts von 1,3 Prozent. Im Frühjahr waren noch 0,6 Prozent prognostiziert worden. Exporte und Wertschöpfung im Verarbeitenden Gewerbe stiegen überraschend stark. Rückenwind kamen von der robusten Weltkonjunktur und vom weltweiten Boom bei Künstlicher Intelligenz. Gleichzeitig hatten Wettbewerber aus der Golfregion wegen des Iran-Kriegs erhebliche Produktionsprobleme.

Der durch den Krieg ausgelöste Energiepreisschock bremste die deutsche Wirtschaft dennoch. Höhere Preise für Kraftstoffe und Heizöl schlugen sich laut den Instituten bislang kaum auf die übrigen Verbraucherpreise durch. Die Erholung bleibt aus ihrer Sicht schwach: Hohe Energiepreise und strukturelle Probleme belasten, Niedrigwasser bremst die wirtschaftliche Aktivität im laufenden Quartal vorübergehend.

Für 2027 wurde die Wachstumsprognose von 0,9 auf 1,1 Prozent angehoben. 2028 erwarten die Institute allerdings nur noch 0,4 Prozent BIP-Wachstum; die Expansion verliert dann an Tempo. Dazu kommt politische Unsicherheit. Nach jüngsten Wahlen und Regierungsbildungen ist offen, was daraus für die wirtschaftspolitische Reformagenda folgt. Bei den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern wurde die AfD stärkste Kraft, CDU und SPD, die auf Bundesebene regieren, verloren deutlich. Innerhalb der SPD wird der Reformkurs der Bundesregierung zunehmend infrage gestellt.

Die Forscher warnen zudem vor einer stärker populistisch geprägten Politik. Sie könne Deutschlands Attraktivität für qualifizierte Beschäftigte beeinträchtigen und den Arbeitskräftemangel verschärfen. Trotz der erwarteten Konjunkturerholung dürfte die Zahl der Erwerbstätigen 2026 um rund 210.000 und 2027 um weitere 140.000 Personen sinken. Hauptgrund sind der demografische Wandel und die Alterung der Gesellschaft.

Laut IAB wird 2026 voraussichtlich das erste Jahr seit der Weltfinanzkrise 2009 sein, in dem die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung nicht wächst. Ihre Zahl soll um 70.000 auf 34,89 Millionen sinken, für 2027 wird ein weiterer Rückgang um 40.000 erwartet. Die Zahl der Arbeitslosen dürfte zunächst weiter steigen: 2026 um etwa 50.000, 2027 um weitere 20.000.

Für den Hochbau bleibt damit ein widersprüchliches Bild: Der ifo-Index steht insgesamt so hoch wie seit mehr als einem Jahr nicht mehr, im Bauhauptgewerbe rührt er sich kaum. Der Tiefbau hält sich besser, während im Hochbau Geduld gefragt bleibt – und wahrscheinlich noch ein paar ziemlich lange Sitzungen mit Taschenrechner, Bauzeitenplan und kaltem Kaffee.