Baustrom im Wandel: Wie Wind und Sonne den Hochbau bis 2030 herausfordern
Heute ist der 2.10.2026. Auf deutschen Baustellen geht es längst nicht mehr nur um Beton, Stahl und Dämmung. Die Frage, woher der Strom für Kräne, Werkzeuge, Pumpen und später für die Gebäude selbst kommt, wird immer wichtiger. Bis 2030 sollen 80 Prozent des in Deutschland produzierten Stroms aus erneuerbaren Energien stammen. Der Weg dorthin ist allerdings noch nicht fertig asphaltiert.
2025 war zunächst ein Rekordjahr: Erneuerbare Energien erzeugten gut 278 Terawattstunden, ihr Anteil an der deutschen Stromerzeugung lag bei knapp 62 Prozent. Solarenergie lieferte dabei erstmals mehr Strom als Braunkohle. Für die Planung im Hochbau klingt das nach Rückenwind – doch der Strommix bleibt ein bewegliches Ding, abhängig von Wetter, Tageszeit und Jahreszeit.
Wind im Winter, Sonne im Sommer
An langen Sommertagen produziert Solarenergie deutlich mehr als im Winter. Bei der Windkraft läuft es umgekehrt: Im Winter entsteht deutlich mehr Strom als im Sommer. An manchen Tagen stammt mehr als die Hälfte der gesamten Stromproduktion aus Windenergie. Wer morgens auf der Baustelle den Kran einschaltet, bekommt also nicht automatisch denselben Strommix wie am Nachmittag oder in einer windstillen Nacht.
Windkraft ist inzwischen die wichtigste Stromquelle und hat Kohle abgelöst. Seit dem Ausstieg aus der Atomkraft stammt zudem kein in Deutschland produzierter Strom mehr aus Kernenergie. Seit 2002 ist der Anteil fossiler Energieträger an der deutschen Stromproduktion insgesamt gesunken. 2020 lag er bei rund 35 Prozent und damit auf einem bisherigen Tiefstand, danach stieg er in den Folgejahren wieder leicht an. 2023 setzte sich der Rückgang fossiler Stromerzeugung fort.
Importe trotz eigener Kraftwerke
Deutschland importiert zunehmend Strom, obwohl die vorhandenen Kraftwerke den inländischen Bedarf vollständig decken könnten. Für Stromanbieter ist der Import teilweise günstiger, als deutsche Gas- und Kohlekraftwerke zu betreiben. Das wirkt auf den ersten Blick widersprüchlich, ist aber im Alltag des Stromhandels schlicht eine Kostenfrage.
Um die Herkunft des importierten Stroms zu schätzen, wurde die importierte Menge mit dem jeweiligen monatlichen Strommix des Herkunftslandes verrechnet. Genau ist diese Zuordnung nicht: Exportierter Strom muss nicht dem durchschnittlichen Strommix des Landes entsprechen. Außerdem wurde nicht berücksichtigt, dass Strom aus manchen Ländern zuvor aus einem anderen Land importiert worden sein könnte. Der Weg eines Elektrons ist eben kein sauber beschrifteter Lieferschein.
Mehr Tempo beim Ausbau nötig
Der Ausbau erneuerbarer Energien verläuft weiterhin langsamer, als es für die Klimaziele erforderlich wäre. Besonders bei der Windenergie ist das spürbar. 2017 wurden 6,1 Gigawatt neue Windleistung errichtet. Danach ging der Ausbau deutlich zurück; als Grund werden die damals eingeführten komplizierteren Genehmigungsverfahren genannt.
2025 kamen etwa fünf Gigawatt hinzu. Das gesetzliche Ziel von mehr als acht Gigawatt wurde damit verfehlt. Windenergieanlagen brauchen außerdem längeren Vorlauf, weil die Bauzeiten länger sind. Ein kleiner Lichtblick: 2024 wurden so viele Windenergieanlagen genehmigt wie nie zuvor. Auf den Baustellen selbst wird sich das aber erst bemerkbar machen, wenn aus Genehmigungen tatsächlich Fundamente, Türme und Rotoren werden.
Auch bei der Solarenergie blieb das Ergebnis 2025 hinter dem Ziel zurück. Geplant waren 18 Gigawatt zusätzliche Leistung, errichtet wurden 16,9 Gigawatt. Gegenüber 2022, als 7,2 Gigawatt dazukamen, hat sich das Ausbautempo dennoch mehr als verdoppelt. Ab 2026 sollen jährlich 22 Gigawatt Solarleistung hinzukommen – eine Ansage, bei der selbst volle Dächer und freie Hallenflächen knapp werden dürften.
Was das für den Hochbau bedeutet
Für den Hochbau zählt nicht nur die Jahreszahl auf einer Statistik, sondern der Strom, der im konkreten Moment verfügbar und bezahlbar ist. Solaranlagen liefern im Sommer tagsüber viel Energie, Windparks bringen vor allem im Winter Leistung. Baustellen, Gewerbebauten und Wohnhäuser müssen deshalb mit einem Stromsystem klarkommen, das stärker schwankt als früher.
Der steigende Anteil erneuerbarer Energien eröffnet Chancen, macht Planung aber nicht automatisch einfacher. Netze, Speicher, Genehmigungen und der zeitliche Ablauf von Bauprojekten hängen enger zusammen. Und während auf einer Baustelle der Beton trocknet, wird anderswo noch über Leitungen, Kraftwerksbetrieb und den nächsten Genehmigungsbescheid geredet. Das klingt trocken – bis plötzlich der Strompreis oder der Netzanschluss zum entscheidenden Posten im Bauablauf wird.
Quelle: NDR: Strommix in Deutschland – Wie ist der Anteil erneuerbarer Energien?
