Dortmunds Wirtschaft zwischen Hochspannung, Baustoffhandel und Gründergeist
Dortmund zeigt sich 2026 als Wirtschaftsstandort mit vielen Gesichtern: 603.462 Einwohner lebten 2025 in der Stadt, die damit die neuntgrößte Deutschlands war. Dazu kamen 266.398 sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze. Acht Hochschulen, darunter die Technische Universität Dortmund, liefern Fachkräfte und Forschung – mitten in einer Stadt, in der Dienstleistungen, Handel, Logistik und Technik eng nebeneinanderliegen.
Im deutschen Standortranking erreicht Dortmund 255,5 Punkte und Rang 17. Gegenüber der Vorversion hat sich daran nichts geändert. Die öffentliche Standortbewertung liegt bei der Durchschnittsnote 2,94. Das Ranking veröffentlicht „Die Deutsche Wirtschaft“ seit 2020 gemeinsam mit der Deutsche Exzellenzprüfung GmbH zweimal jährlich. Grundlage sind die Zahl der Top-Unternehmen und eine öffentliche Bewertung anhand von sieben Standortfaktoren.
Viele große Namen, viel Mittelstand
119 deutsche Top-Unternehmen haben ihren Standort in Dortmund – Rang 14 im Unternehmensranking. Auf 100.000 Einwohner kommen 19,72 Top-Unternehmen; deutschlandweit bedeutet das Rang 3213. Die gelisteten Unternehmen erwirtschaften zusammen 26,592 Milliarden Euro und beschäftigen weltweit 63.796 Menschen. Die Wertschöpfung liegt bei 416.830 Euro je Arbeitnehmer, das Verhältnis von Arbeitsplätzen zur Einwohnerzahl bei 0,44, bundesweit Rang 1058.
Der größte Arbeitgeber ist Wilo SE mit 9.000 Beschäftigten. Im Durchschnitt wurden die Top-Unternehmen 1958 gegründet. Das älteste ist die Dula-Werke Dustmann & Co. GmbH, deren Ursprung auf 1853 zurückgeht. Das jüngste Unternehmen in der Liste ist die Evidia GmbH, gegründet 2022.
Auch beim Mittelstand ist Dortmund weit vorn: 47 der 10.000 wichtigsten deutschen Mittelständler sitzen hier, bundesweit Rang 14. Neun deutsche Weltmarktführer kommen hinzu, darunter die Miebach Firmengruppe, Weltmarktführer für Laserschweißmaschinen für die Stahlindustrie. 39 Unternehmen befinden sich in ausländischem Besitz, womit Dortmund bundesweit Rang 20 erreicht. Dazu gehört die BAUKING GmbH, deren Eigentümer Blackstone aus den USA ist.
Sieben der 2.500 wichtigsten DACH-Investoren sind in Dortmund gelistet – Rang 22 in Deutschland. Genannt wird die Geldwerk1 GmbH mit ihrem Schwerpunkt Crowdfunding. 20 Unternehmen gehören zu den von DDW ermittelten Trend- und Zukunftsmärkten; der Verlag Lensing-Wolff GmbH & Co. KG steht dabei für den Bereich Kooperationen. Neun Dortmunder Unternehmen gelten als Hidden Champions.
Vom Stromnetz bis zur Radiologie
Die zehn größten Dortmunder Unternehmen ergeben ein buntes Bild. Die Reihenfolge der folgenden Liste richtet sich nach den veröffentlichten Unternehmensdaten und nicht durchgehend nach der Mitarbeiterzahl:
- Amprion GmbH: 13.268,8 Mio. Euro Umsatz im Jahr 2024 und 3.400 Mitarbeiter. Das Unternehmen betreibt ein mehr als 11.000 Kilometer langes deutsches Hochspannungsnetz und versorgt über 27 Millionen Menschen.
- Wilo SE: 1.895,3 Mio. Euro Umsatz 2024, 9.000 Mitarbeiter. Produziert werden Pumpen und Pumpensysteme für Heizungs-, Kälte- und Klimatechnik, Wasserversorgung sowie Abwasserbehandlung.
- BAUKING GmbH: 1.230 Mio. Euro Umsatz 2023 und 3.771 Mitarbeiter. Das Unternehmen ist im Baustoff- und Holzhandel tätig.
- adesso SE: 1.135,9 Mio. Euro Umsatz 2023, 5.800 Mitarbeiter. Der IT-Dienstleister bietet Beratung und individuelle Softwareentwicklung.
- Materna Information & Communications SE: 793 Mio. Euro Umsatz 2025 und 4.500 Mitarbeiter. Zum Angebot gehören IT-Beratung, die Implementierung und der Betrieb von Lösungen.
- Hülpert Mobility Holding GmbH & Co. KG: 710 Mio. Euro Umsatz 2025, 900 Mitarbeiter. Jährlich wurden über 17.000 Fahrzeuge verkauft. Das Unternehmen unterhält 13 Betriebsstätten in Dortmund, Unna, Soest, Bergkamen und Recklinghausen.
- Hellweg Die Profi-Baumärkte GmbH & Co. KG: 663 Mio. Euro Umsatz 2024 und 2.900 Mitarbeiter. Das Familienunternehmen betreibt Bau- und Gartenmärkte sowie Onlineshops.
- Verlag Lensing-Wolff GmbH & Co. KG: geschätzter Umsatz von 505 Mio. Euro und 3.000 Mitarbeiter. Das Medienhaus zählt zu den größten Zeitungsunternehmen Nordrhein-Westfalens.
- TRANSGAS Flüssiggas Transport und Logistik GmbH & Co. KG: geschätzter Umsatz von 450 Mio. Euro, 300 Mitarbeiter. Der Schwerpunkt liegt auf dem Transport von Flüssiggas.
- Evidia GmbH: 449 Mio. Euro Umsatz 2024 und 2.000 Mitarbeiter. Die Unternehmensgruppe ist in Radiologie, Nuklearmedizin und Strahlentherapie tätig.
Die Branchenverteilung erklärt, warum Dortmund für Arbeitssuchende ein breites Angebot bereithält. Dienstleistungen prägen die Wirtschaft, viele der größten Arbeitgeber gehören zu diesem Bereich. Gleichzeitig betreiben Unternehmen Logistikzentren mit europäischer Reichweite; Dortmund entwickelt sich dadurch zu einem bedeutenden Logistikstandort in Deutschland. Auch große Unternehmen aus der Finanz- und Versicherungswirtschaft sind ansässig. Der Industriesektor konzentriert sich vor allem auf Anlagen- und Maschinenbau, während der Einzelhandel ebenfalls zahlreiche Arbeitsplätze bietet.
Gründen, ausprobieren, Leerstände füllen
Mit dem kostenlosen, bundesweit offenen Gründungswettbewerb „GESCHMACKSTALENTE“ will die Wirtschaftsförderung Dortmund innovative Gastronomiekonzepte in die Stadt holen. Der zweistufige Wettbewerb besteht aus einer Auftaktveranstaltung, zwei Trainings, fünf Workshops und individuellen Beratungen. In der Vorrunde reichen die Teilnehmer ein Ideenpapier ein; die zehn besten Teams kommen weiter.
In der zweiten Phase bewertet eine Jury den Businessplan und den Pitch. Sie setzt sich aus Vertretern der Wirtschaftsförderung sowie Experten aus Gastronomie, Finanzwesen und Wirtschaft zusammen. Zu gewinnen sind bis zu 15.000 Euro Preisgeld und Sachpreise, etwa Beratungsleistungen oder ein Kalkulationstool.
Ausgezahlt wird der Gewinn allerdings nur, wenn ein Miet-, Pacht- oder Kaufvertrag für einen gastronomischen Betrieb in Dortmund vorliegt. Auch nach dem Wettbewerb hilft die Wirtschaftsförderung weiter, unter anderem bei Finanzierungsfragen und bei der Suche nach Räumlichkeiten. Das Ziel: Leerstände reduzieren und die gastronomische Vielfalt sowie die Attraktivität Dortmunds erhöhen.
Westfälisches Ruhrgebiet im Blick
Die IHK zu Dortmund vertritt die Interessen der gewerblichen Wirtschaft in Dortmund, Hamm und im Kreis Unna. Sie betreut insgesamt mehr als 60.000 Unternehmen aus Industrie, Handel und Dienstleistungen. Die Wirtschaftsregion ist vielfältig und mittelständisch geprägt; Informations- und Kommunikationstechnologie, Handel und Logistik, Mikrosystemtechnik, Produktionstechnologie und Energietechnologie gehören zu ihren bedeutenden Bereichen.
Großunternehmen, insbesondere aus der Versicherungs- und Entsorgungswirtschaft, ergänzen diese Struktur. Die Unternehmen prägen die Wirtschaftsregion Westfälisches Ruhrgebiet, in der rund 1,2 Millionen Menschen auf einer Fläche von 1.049 Quadratkilometern leben. Beim Rundgang durch Dortmund liegen dann eben Hochspannungsleitungen, Logistikflächen, Baumärkte, Labore und der nächste leerstehende Laden nicht weit auseinander – manchmal sogar näher, als man denkt.
