Emden oder Bremerhaven: Wo der neue Marinehafen an der Nordseeküste entstehen könnte
Für die deutsche Marine soll an der Nordseeküste ein neuer Marinestützpunkt entstehen. Am Montag um 11:30 Uhr wollen Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius und Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies in Emden weitere Details zum möglichen Standort und zum weiteren Vorgehen erläutern. Der Termin ist für den 5. Oktober angekündigt.
Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur soll Emden als Standort vorgesehen sein, offiziell entschieden ist das bislang jedoch nicht. Auch NDR Niedersachsen berichtete, Emden sei offenbar der Favorit. Die Stadt Emden und das Bundesverteidigungsministerium äußerten sich auf NDR-Anfrage nicht dazu. Ein bisschen Spannung bleibt also – trotz des öffentlichen Termins.
Rysumer Nacken bietet Platz
Als mögliche Standorte gelten Emden und Bremerhaven. Am Rysumer Nacken bei Emden wäre ausreichend Platz für einen entsprechenden Stützpunkt. Die Marine bevorzugt Emden offenbar wegen seiner strategisch günstigen Lage. Zudem hält die niedersächsische Staatskanzlei den Hafen für geeignet und verweist auf die große Bedeutung Niedersachsens als Bundeswehrstandort.
Mögliche Flächen für einen Militärhafen sind vorhanden. Nach Angaben der landeseigenen Hafeninfrastrukturgesellschaft NPorts verfügt der Emder Hafen unter den niedersächsischen Häfen über das größte ungenutzte Flächenpotenzial. Die Industrie- und Handelskammer für Ostfriesland und Papenburg sprach sich in der vergangenen Woche für Emden aus. Nach Einschätzung der IHK wäre der Marinehafen eine Investition in Milliardenhöhe und würde dauerhaft rund 1.500 Soldaten und zivile Beschäftigte in die Stadt bringen.
Geplant ist außerdem, den Hafen zum Standort für fünf Fregatten zu machen. Die IHK erwartet dadurch erhebliche wirtschaftliche Auswirkungen für die Region. Pistorius hatte im vergangenen Monat eine Entscheidung über den Standort noch für dieses Jahr angekündigt.
Warum der zusätzliche Hafen gebraucht wird
Die Bundeswehr plant den Ausbau der Marine und den Bau eines neuen Militärhafens an der Nordseeküste. Bislang verfügt die Marine dort nur in Wilhelmshaven über einen eigenen Hafen, den Marinestützpunkt Heppenser Groden. In Emden und Bremerhaven werden bereits militärische Güter umgeschlagen, unter anderem für Truppentransporte und Verlegeübungen.
Das Bundesverteidigungsministerium begründet den zusätzlichen Bedarf mit dem geplanten Aufwuchs der Streitkräfte. Daraus ergeben sich neue Anforderungen an Infrastruktur, Standorte und Liegenschaften. Marine und Ministerium untersuchen deshalb verschiedene maritime Standorte und Häfen darauf, ob sie den Bedarf rechtzeitig decken können.
Angaben zum Auswahlverfahren, zu den Kriterien und zu den geprüften Kandidaten wurden bislang nicht veröffentlicht. Marine und Bundesverteidigungsministerium bestätigten zwar die Überlegungen, nannten aber keine konkreten Details. Zeitpunkt des Baus und genauer Standort sind ebenso offen wie der Abschluss der Prüfungen und Entscheidungsprozesse.
Bremerhaven setzt auf vorhandene Planung
Auch Bremerhaven bleibt im Rennen. Der Bremer Senat wirbt für den eigenen Hafen; die Bremer Regierung hält einen Marinehafen dort für schnell errichtbar. Als möglicher Standort gilt der Bereich des Fischereihafens. Voruntersuchungen, Planungsunterlagen und rechtskräftige Bebauungspläne liegen bereits vor.
Ganz reibungslos wäre die Sache trotzdem nicht. Für das Gebiet ist eigentlich ein Industrie- und Hafengebiet für die Energiewende, der sogenannte „Energy Port“, geplant. Diese Planung stockt seit Jahren und könnte durch einen Marinehafen in den Hintergrund treten. Eine klassische Hafenfrage also: viel Fläche, mehrere Interessen – und kein Platz für endlose Leerlaufzeiten.
Beide Häfen haben damit Argumente auf ihrer Seite. Während Bremerhaven auf vorbereitete Planungen und ein mögliches schnelleres Verfahren verweist, betont Niedersachsen die verfügbaren Flächen und die strategische Lage Emdens. Der genaue Standort steht weiterhin nicht fest.
