Heute, am 3. Oktober 2026, öffnen bundesweit mehr als 700 Moscheen ihre Türen: Der Tag der offenen Moschee (TOM) findet zum 30. Mal statt. Das diesjährige Motto lautet „Moscheen als Träger gesellschaftlicher Verfasstheit“. Muslimische Gemeinden laden zu Führungen, Gesprächen und Diskussionen ein – nicht nur Fachleute, sondern Nachbarn, Neugierige und Menschen, die vielleicht zum ersten Mal eine Moschee betreten.

Der Aktionstag fällt mit dem Tag der Deutschen Einheit zusammen und nimmt außerdem das 77-jährige Bestehen des Grundgesetzes in den Blick. Im Hochbau, aber auch weit darüber hinaus, geht es dabei um Räume: um Orte des Gebets und der Spiritualität, zugleich um Bildung, Beratung, Jugendarbeit, Nachbarschaft und gesellschaftlichen Dialog.

Offene Türen, viele Fragen

Der TOM wurde 1997 auf Initiative des Zentralrats der Muslime in Deutschland (ZMD) in Köln gegründet. Anlass waren unter anderem das Europäische Jahr gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit sowie die Interkulturelle Woche 1997. Beim ersten Tag der offenen Moschee am 3. und 4. Oktober 1997 beteiligten sich bundesweit rund 600 Moscheen.

Seitdem findet die Veranstaltung jedes Jahr am 3. Oktober statt. Die Terminwahl soll die Zugehörigkeit der Muslime zu Deutschland, ihre Verbundenheit mit nichtmuslimischen Einwohnern sowie die interreligiöse und interkulturelle Verständigung betonen. DİTİB-Sprecherin Ayşe Aydin begründete den Termin damit, dass die Deutsche Einheit das Zusammenfinden verschiedener Gruppen symbolisiere. Ganz unumstritten war das nicht: Der hessische CDU-Fraktionsvorsitzende Christean Wagner bezeichnete die Wahl 2007 als „unsensibel“ und „nicht sehr geschickt“.

Wer heute kommt, kann an Moscheeführungen teilnehmen, Podiumsdiskussionen besuchen oder Buch- und Kunstausstellungen ansehen. Tee, Kaffee und Gebäck gehören vielerorts ebenfalls dazu; dazu kommen Einblicke in Traditionen und reichlich Gelegenheit, miteinander ins Gespräch zu kommen. Genau diese Begegnungen sollen Vorbehalte und Ängste abbauen. Manchmal reicht dafür schon ein Gespräch am Tisch, während nebenan Tassen klappern und jemand noch ein Stück Gebäck nachlegt.

Gemeinden als Teil des Alltags

Seit 2007 organisiert der Koordinationsrat der Muslime (KRM) den Aktionstag. Dem KRM gehören DİTİB, der Islamrat für die Bundesrepublik Deutschland, der Verband der Islamischen Kulturzentren (VIKZ) und der Zentralrat der Muslime in Deutschland an. Gegründet wurde der KRM 2007 während der Deutschen Islamkonferenz.

Nach Angaben des Artikels beteiligen sich jährlich etwa 1.000 Moscheen verschiedener Islamverbände und empfangen insgesamt rund 100.000 Besucher. Der TOM wird als eines der ältesten öffentlichen muslimischen Angebote in Deutschland bezeichnet. 2021 wurde sein 25-jähriges Bestehen während der Corona-Pandemie begangen.

Die Aufgaben der Gemeinden reichen längst über den Gebetsraum hinaus. Sie bieten Bildung und Beratung, Jugendarbeit, Nachbarschaftsarbeit und soziale Unterstützung an. Seit mehr als sechs Jahrzehnten sind Moscheen laut der Initiative Bestandteil des gesellschaftlichen Lebens in Deutschland. In ihnen werden Begegnungen ermöglicht, Brücken gebaut sowie Respekt, Gerechtigkeit und Verantwortung praktisch vermittelt.

Im Mittelpunkt stehen gemeinsame Werte: Freiheit, Menschenwürde, Gleichberechtigung, Verantwortung und Solidarität. Eine freiheitliche und plurale Gesellschaft entsteht demnach nicht allein durch Gesetze, sondern auch durch engagierte Menschen, soziale Räume und Institutionen, die Verantwortung übernehmen. Der TOM will zeigen, wie Moscheen durch Dialog, Bildung, soziale Arbeit und Gemeinschaft zur offenen und demokratischen Gesellschaft beitragen.

Gebet, Verantwortung und Menschenwürde

Als religiöse Grundlage für Verantwortung führt die Initiative einen Hadith des Propheten Muhammad an: Jeder Mensch sei für das verantwortlich, was ihm anvertraut wurde. Ein weiterer Hadith bezeichnet denjenigen als den besten Menschen, der anderen am meisten nützt.

Auch islamische Ethik wird dabei als praktische Verantwortung beschrieben. Zakat, die Pflichtabgabe, und Sadaqa, die freiwillige Spende, verbinden Solidarität mit konkreter Hilfe. Das Gebet gibt dem Leben Struktur, das Fasten soll Mitgefühl stärken. Genannt werden außerdem Niyya, also die Absicht, mit der eine Handlung den Menschen dienen und nicht dem eigenen Ansehen gelten soll, Selbstbeherrschung – Stärke zeigt sich darin, auch im Zorn gerecht zu bleiben – und Raḥma, Barmherzigkeit, bei der Hilfe die Würde des Menschen schützen soll.

Die Menschenwürde steht in diesem Zusammenhang im Zentrum. Im Islam gilt sie als von Gott verliehen und unabhängig von Herkunft, Religion oder sozialem Status. Das Grundgesetz stellt die Menschenwürde an seinen Anfang und bezeichnet sie als unantastbar. Daraus leitet die Initiative eine gemeinsame Grundlage ab: Jeder Mensch soll geachtet, geschützt und in seiner Würde respektiert werden. Als islamische Grundlage für Gerechtigkeit, Güte und das Verbot von Gewalt wird Sure 16:90 zitiert. Die islamische Tradition betont zudem den Schutz der Menschenwürde, Verantwortung für Anvertrautes und verbindliche Regeln für ein friedliches Zusammenleben.

Unter dem zusätzlichen Motto „Glaube als Kompass der Menschlichkeit“ wird gelebter Glaube als verbindend und als Grundlage für Begegnung, Verständnis und Vertrauen beschrieben. Der ZMD weist zugleich darauf hin, dass der TOM allein für den Kontakt mit Nachbarn und Interessierten nicht ausreicht. Er trage aber zu Offenheit, Friedfertigkeit und Solidarität mit der deutschen Gesellschaft bei.

Ein Motto mit langer Geschichte

Die Themen des Aktionstags haben sich im Lauf der Jahre verändert. 2007 lautete das Motto „Moscheen – Brücken für eine gemeinsame Zukunft“, 2008 „Moscheen – Orte der Besinnung und des Feierns“. Es folgten 2009 „Moscheen – Ein fester Teil der Gesellschaft / 60 Jahre Bundesrepublik und ihre Muslime“, 2010 „Der Koran – 1400 Jahre, aktuell und mitten im Leben“ und 2011 „Muhammad – Prophet der Barmherzigkeit“.

2012 ging es um „Islamische Kunst und Kultur“, 2013 um „Umweltschutz – Moscheen setzen sich ein“, 2014 um „Soziale Verantwortung – Muslime für die Gesellschaft“. 2015 standen „Junge Muslime in Deutschland – Motiviert, Engagiert, Aktiv“ im Mittelpunkt, 2016 „Hidschra – Migration als Herausforderung und Chance“ und 2017 „Gute Nachbarschaft – Bessere Gesellschaft“.

2018 hieß es „Religiosität – individuell, natürlich, normal“, 2019 „Menschen machen Heimat/en“, 2020 „Glaube in außergewöhnlichen Zeiten“. Das Jubiläumsmotto 2021 lautete „25 Jahre TOM – Moscheen gestern und heute“, 2022 „Knappe Ressourcen – große Verantwortung“, 2023 „Das Gebet – besinnt, belebt, verbindet“ und 2024 „Life Matters – Jedes Leben zählt!“. 2025 folgte „Religion und Ethik: Glaube als Kompass der Menschlichkeit“. 2026 lautet das Motto nun „Das Gebet: besinnt, belebt, verbindet“ – neben dem offiziellen Jahresthema „Moscheen als Träger der gesellschaftlichen Verfasstheit“.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier bezeichnete Begegnungstage wie den TOM als wichtig für das Zusammenleben und forderte, die Beiträge muslimischer Gemeinden zur Gesellschaft anzuerkennen. Ein Beispiel für politischen Besuch gab es bereits am 3. Oktober 2018: Konrad Wolf, rheinland-pfälzischer Minister für Wissenschaft, Weiterbildung und Kultur, besuchte die Ulu-Camii-Moschee des Verbands der Islamischen Kulturzentren (VIKZ) in Mainz-Gonsenheim.

Vom deutschen Aktionstag zum internationalen Format

Seit 2007 gibt es auch in der Schweiz Veranstaltungen zum Tag der offenen Moschee, unter anderem durch islamische Dachverbände in Zürich sowie in der Ostschweiz und Liechtenstein. Erstmals wurde die Veranstaltung dort im November 2007 in die „Woche der Religionen“ integriert; auch 2025 fand sie in diesem Rahmen statt.

In Südkalifornien wird seit 2000 ein „Annual Open Mosque Day“ veranstaltet. Der US Council of Muslim Organizations organisierte erstmals im Oktober 2016 einen landesweiten „National Open Mosque Day“. In Massachusetts gab es 2017 und 2018 regionale Open-Mosque-Days, während der Islamic Council of New England seit 2019 jährlich im Mai oder Juni einen Open Mosque Day organisiert. 2018 beteiligten sich in Zentral-