Grafings Bürgermeister Christian Bauer stirbt nach Zusammenbruch während Bauausschusssitzung
Christian Bauer, Erster Bürgermeister von Grafing, ist am Dienstagabend im Rathaus plötzlich zusammengebrochen und später im Klinikum Ebersberg München Ost gestorben. Der CSU-Politiker wurde 57 Jahre alt. Der Vorfall ereignete sich während einer Sitzung des Bauausschusses, die Bauer selbst eröffnet hatte.
Anwesende Ausschussmitglieder leisteten sofort Erste Hilfe, kurz darauf trafen die Rettungskräfte ein. Feuerwehr und Rettungsdienst brachten Bauer mithilfe einer Drehleiter durch ein großes Rathausfenster aus dem Gebäude. Während des Transports zum Rettungswagen wurden die Wiederbelebungsmaßnahmen fortgesetzt. Für die Durchfahrt des Rettungswagens wurde der Grafinger Marktplatz gesperrt.
Plötzlicher Tod im Rathaus
Der Zusammenbruch ereignete sich am Abend des 29. September 2026 während einer Sitzung des Bau-, Umwelt- und Werkausschusses. Trotz der sofortigen Hilfe und weiterer Reanimationsmaßnahmen konnte Bauers Leben nicht gerettet werden. Weitere Einzelheiten zu seinem Tod sind bislang nicht bekannt.
Laut Medienberichten hatte sich der Bürgermeister kurz zuvor von einer Lungenentzündung erholt. Ein Zusammenhang zwischen dieser Erkrankung und seinem Tod ist bisher nicht bekannt. Da sein Stellvertreter ebenfalls erkrankt war, leitete Bauer die Sitzung selbst.
Das Rathaus blieb am Mittwoch, 30. September, vorübergehend geschlossen. Die Stadt Grafing erklärte, Bauers plötzlicher Tod erfülle sie mit großer Trauer. Sie würdigte ihn als engagierten Bürgermeister und prägende Persönlichkeit.
Mehr als drei Jahrzehnte in der Stadtpolitik
Bauer stand seit 2020 an der Spitze der oberbayerischen Stadt im Landkreis Ebersberg. Bei der Kommunalwahl im März 2026 wurde er im ersten Wahlgang mit 60,8 Prozent der Stimmen für eine weitere Amtszeit bestätigt. Zuvor war er 22 Jahre lang Kämmerer, also Stadtkämmerer, von Grafing gewesen.
Grafing hat knapp 14.000 Einwohner und liegt etwa 30 Kilometer südöstlich von München. Als direkt von den Bürgerinnen und Bürgern gewählter Erster Bürgermeister leitete Bauer die Stadtverwaltung, bereitete Gemeinderatsbeschlüsse vor und setzte sie um. Zu seinen Aufgaben gehörten außerdem die Vertretung der Gemeinde nach außen, die Aufsicht über kommunale Beschäftigte sowie Entscheidungen in dringlichen, nicht aufschiebbaren Angelegenheiten.
Bauer hinterlässt seine Ehefrau Andrea und drei erwachsene Kinder – zwei Töchter und einen Sohn. Mit seiner Frau war er seit mehr als 30 Jahren verheiratet.
Stellvertreter übernehmen vorerst
Bis auf Weiteres übernehmen der Zweite Bürgermeister Christian Einhellig und der Dritte Bürgermeister Josef Biesenberger die anstehenden Aufgaben und damit zunächst die Amtsgeschäfte. Wie die Stadt künftig an ihrer Spitze geführt wird, soll in den kommenden Tagen geklärt werden. Nach den bayerischen Regelungen muss innerhalb weniger Wochen eine vorgezogene Neuwahl für das Amt des Ersten Bürgermeisters angesetzt werden.
Bis dahin muss die Verwaltung weiterarbeiten: Haushaltsplanung, laufende Entscheidungen und die Außenvertretung der Stadt bleiben auf dem Tisch. Viel Zeit zum Innehalten gibt es in einem Rathaus selten.
Große Anteilnahme in Grafing und im Landkreis
Im Landkreis Ebersberg löste die Nachricht große Betroffenheit aus. Landrat Robert Niedergesäß (CSU) bekundete seine Bestürzung und sprach Bauers Familie sein Mitgefühl aus. Eine Sitzung der Kreistagsfraktionen ließ er vorzeitig beenden.
Der Landtagsabgeordnete Thomas Huber bezeichnete Bauers Tod als großen Verlust und erklärte, einen guten Freund verloren zu haben. Der CSU-Ortsverband Grafing-Ebersberg würdigte Bauer als langjährigen engagierten Bürgermeister, Weggefährten und Freund. Auch die Feuerwehr bekundete ihre Anteilnahme.
Der Fall erinnert an einen ähnlichen Vorfall aus dem Jahr 2018 in Lauingen: Dort starb der Erste Bürgermeister Wolfgang Schenk mit 59 Jahren, nachdem er während einer Stadtratssitzung zusammengebrochen war. Schenk war seit 2004 im Amt und zweimal wiedergewählt worden.
