Tirana modernisiert 19 Studentenwohnheime mit deutscher und europäischer Finanzierung
In Tirana sollen öffentliche Studentenwohnheime umfassend erneuert werden. Der Vorsitzende der Fraktion der Sozialistischen Partei, Taulant Balla, berichtete im Ausschuss für Europa und auswärtige Angelegenheiten über Vereinbarungen mit Deutschland, die energetische Sanierung bestehender Wohnheime und den Bau neuer Unterkünfte vorsehen. Für Studierende geht es dabei um mehr als frisch gestrichene Wände: Ziel sind bessere Unterbringungsbedingungen und ein höherer Lebensstandard.
Das Investitionsprogramm umfasst die energetische Sanierung von 19 bestehenden Studentenwohnheimen sowie den Bau von mindestens drei neuen Studentenwohnheimen. Einige Häuser, insbesondere im Studentenzentrum Nr. 1, erreichen laut Balla bereits einen guten Standard. Dieses Niveau soll auf alle Studentenwohnheime ausgeweitet werden – ein Vorhaben, das im Alltag der Bewohnerinnen und Bewohner wohl schnell spürbar wäre.
Ein Programm mit deutschem Rückhalt
Initiiert wurde die Vereinbarung im Rahmen des „Paktes für die Universität“. Balla betonte, die Regierung halte an den eingegangenen Verpflichtungen fest. Weil die Abkommen internationalen Charakter haben, ist auch das Parlament über die vorgesehenen Ratifizierungsverfahren beteiligt.
Deutschland unterstützt die Investitionen über die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) und weitere Finanzinstitute. In der ersten und dritten Programmphase wurden bereits fünf Studentenwohnheime saniert. Das geplante FZ-Vorhaben „Programm zur energieeffizienten Rehabilitierung von Wohnheimen Universität Tirana“ konzentriert sich auf Wohnheimgebäude auf dem Campus der Universität Tirana.
Im Mittelpunkt stehen eine bessere Energieeffizienz in ausgewählten öffentlichen Gebäuden und eine stärkere soziale Infrastruktur für benachteiligte Studierende. Darüber hinaus soll das Vorhaben zum globalen Klimaschutz und zu einer nachhaltigen Entwicklung beitragen, qualifizierte Arbeitsplätze in Albanien schaffen und erhalten sowie den Migrationsdruck mindern.
Fünf Häuser sind bereits fertig
Wie sich das praktisch anfühlen kann, zeigte sich am 30. Oktober 2024: In Tirana wurden fünf renovierte Studentenwohnheime der „Student City I“ eingeweiht. An der Zeremonie nahmen unter anderem Thilo Schroeter, Geschäftsträger der deutschen Botschaft, Silvio Gonzato, EU-Botschafter in Albanien, Stephan Opitz, Mitglied des Managementkomitees der KfW-Entwicklungsbank, und Erion Veliaj, Bürgermeister von Tirana, teil.
Die Gebäude wurden energieeffizient saniert und entsprechen EU-Standards. Die erste fertiggestellte Gebäudegruppe bietet rund 650 Studierenden modernisierte Unterkünfte. Mindestens 70 Prozent der Plätze in den renovierten Wohnheimen sind für Studierende mit geringem Einkommen vorgesehen – ein Detail, das bei steigenden Lebenshaltungskosten nicht nebensächlich ist.
Das Projekt „Energy-Efficient Rehabilitation of Student Dormitories of Public Universities in Albania“ umfasst insgesamt 19 Studentenwohnheime auf dem Campus Student City I in Tirana. Mehr als 2.600 albanische Studierende sollen von den Maßnahmen profitieren. Die Sanierung der verbleibenden Gebäudegruppen soll 2025 beginnen.
Weniger Energie, weniger Emissionen
Im Vergleich zum bisherigen Stand soll der Energieverbrauch durch die Sanierungen durchschnittlich um 40 Prozent sinken. Erwartet werden jährliche Einsparungen von 5.869 MWh Energie und 3.031 Tonnen CO₂-Emissionen. Das klingt nach großen Zahlen, zeigt aber ziemlich konkret, warum bei den Wohnheimen nicht nur über Komfort, sondern auch über Klimaschutz gesprochen wird.
Die KfW stellt im Auftrag der deutschen Bundesregierung mehr als 30 Millionen Euro in Form von Darlehen und Zuschüssen bereit. Zusätzlich gewährt die Europäische Union über das Western Balkans Investment Framework, kurz WBIF, rund 4,78 Millionen Euro als Zuschuss.
Die KfW führt in Albanien die deutsche finanzielle Zusammenarbeit durch. Dazu gehören Zuschüsse, vergünstigte Darlehen und projektbezogene Beratungsleistungen. Die deutsche Entwicklungszusammenarbeit mit Albanien besteht seit 1988; seither wurden mehr als eine Milliarde Euro für Entwicklungsprojekte und -programme zugesagt. Der Energiesektor ist dabei ein Schwerpunkt. Das aktive Portfolio der deutschen finanziellen Zusammenarbeit umfasst in diesem Bereich mehr als 457 Millionen Euro.
Ein europäischer Finanzierungsrahmen
Die WBIF wurde im Dezember 2009 von der Europäischen Kommission, der Entwicklungsbank des Europarats, der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBRD), der Europäischen Investitionsbank (EIB), bilateralen Gebern und den westlichen Balkanländern gegründet. Ziel der Plattform ist die Finanzierung strategischer Investitionen sowie technischer Unterstützung.
Später traten die KfW und die Weltbank der Plattform bei; die französische Entwicklungsagentur AFD ist seit Dezember 2018 beteiligt. Für die Wohnheime in Tirana greifen damit mehrere Ebenen ineinander: lokale Universitätsinfrastruktur, albanische Politik, deutsche Entwicklungsfinanzierung und europäische Förderung. Für die Studierenden bleibt am Ende vor allem entscheidend, ob das Zimmer warm genug ist, die Rechnung sinkt und der Platz leistbar bleibt.
