Can Marquès in Palma: Stadtpalast wird wieder zur privaten Residenz
Der historische Stadtpalast Can Marquès in Palmas Altstadt soll wieder ein Wohnhaus werden. Die Altstadtkommission genehmigte am Dienstag, 29. September, den Innenumbau und die Nutzungsänderung des Gebäudes im Carrer de Can Anglada. Bis vor wenigen Monaten war der Palast für Besucher als Museum geöffnet.
Geplant ist eine großzügige Residenz mit fünf Schlafzimmern, mehreren Bädern, Salons und Esszimmer, Arbeitszimmer, Küche und Ankleideräumen. Betroffen sind rund 724 Quadratmeter in der Beletage und in Teilen des Erdgeschosses. Die größten Eingriffe finden im bisherigen Bibliotheks- und Bürobereich statt.
Historische Räume bleiben erhalten
Die historische Substanz des denkmalgeschützten Gebäudes soll weitgehend bewahrt werden. Fassade und Gebäudestruktur bleiben laut Projekt unverändert, ebenso die Eingangshalle, die repräsentativen Salons und die Kapelle. Steinböden, hydraulische Fliesen, Holzarbeiten, Kassettendecken und Tapeten sollen ebenfalls erhalten bleiben.
Can Marquès war über Jahrhunderte ein Wohnhaus. Seinen heutigen Namen trägt das Gebäude seit 1906, als Martí Marquès Marquès das Anwesen kaufte. Ein Jahr später gestaltete der Architekt Francesc Roca Simó das Haus zu einer Mehrgenerationenresidenz um. Die Genehmigung zur Nutzung als Museum wurde 2000 erteilt. Mit dem jetzt genehmigten Projekt kehrt der Stadtpalast wieder zu seiner ursprünglichen Funktion zurück.
Can Marquès liegt im Altstadtviertel La Lonja, auch La Llotja genannt, im historischen Zentrum von Palma. Das Gebäude entstand in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts als privater Wohnsitz. Die genaue heutige Beschreibung ist allerdings etwas komplizierter: Als Palacio Can Marqués beherbergt es derzeit ein Hotel mit 13 individuell gestalteten Suiten – und ist kein klassisches Museum mit festem Rundgang.
Palast zwischen Hotelbetrieb und Familiengeschichte
Der Palast liegt in der Carrer dels Apuntadors. Errichtet wurde er für Antonio Massa, der in überlieferten Darstellungen sowohl als Freibeuterkapitän als auch als Priester erscheint. Später ging das Haus an Antonio Marqués, der als erster Bürgermeister Palmas bezeichnet wird. Sein Name blieb mit dem Gebäude verbunden und prägt bis heute die Bezeichnung Can Marquès.
Zu den weiteren Eigentümern gehörte die europäische Händlerfamilie Schindelhauer, die enge Verbindungen zur Seefahrt gehabt haben soll. Insgesamt soll der Palast im Lauf seiner Geschichte drei bedeutenden Familien gehört haben. Nach einer Renovierung wurde das frühere Wohnhaus in ein Hotel umgewandelt. Historische Bauteile wurden dabei mit zeitgenössischem Design, Kunst und modernem Komfort verbunden.
Hinter der Lobby liegt ein überdeckter Patio mit 140 Quadratmetern Fläche und elf Metern Höhe. Gotische Säulen aus Alabaster geben dem Raum sein Gepräge; zugleich verbindet er Eingang, Treppe und angrenzende Bereiche. Vom Patio führt eine sogenannte umgekehrte kaiserliche Treppe nach oben. Sie besteht aus Marmor und diente neben der Erschließung auch der repräsentativen Inszenierung des Hauses.
Ein 200 Quadratmeter großer Innengarten mit Palmen, Kirschbäumen und Feigenbäumen bringt Grün in den dicht bebauten Altstadtkern. Von der Dachterrasse reicht der Blick über die Dächer Palmas bis zur Kathedrale. Garten und Dachterrasse gehören jedoch zum Hotelbetrieb und sind nicht grundsätzlich öffentlich zugänglich. Auch die 13 Suiten sind individuell eingerichtet und verbinden erhaltene historische Elemente mit moderner Gestaltung. Vollständig original eingerichtete historische Schauräume gibt es nicht.
Besuch nur nach vorheriger Klärung
Wer den Palast besichtigen möchte, sollte den Zugang vorab klären. Einen allgemein verfügbaren Museumsrundgang mit festen Öffnungszeiten gibt es nicht; aktuelle Öffnungszeiten für externe Besucher und ein eigener Eintrittspreis sind nicht erfasst. Hotelbetrieb, Veranstaltungen, gastronomische Abläufe, Auslastung und die Privatsphäre der Gäste können den Zutritt einschränken.
Für eine Außenbesichtigung reicht ein kurzer Halt. Ein abgestimmter Zugang zu Patio oder Gastronomie kann deutlich länger dauern, während Hotelgäste Garten, Terrassen und Innenräume umfassender nutzen können. Eine allgemein beste Besuchszeit lässt sich wegen des Hotelbetriebs nicht angeben. Beim Fotografieren im Inneren sollte vorher um Erlaubnis gefragt werden; andere Gäste, Mitarbeitende und private Bereiche dürfen nicht ungefragt fotografiert werden.
Die Anreise vom Flughafen Palma führt zunächst über die Ma-19. Bis Palma werden etwa elf Straßenkilometer und rund 20 Minuten Fahrzeit angegeben – wohlgemerkt nicht bis unmittelbar zum Palast. Das letzte Stück führt durch den Stadtverkehr und die engen Gassen von La Lonja. Als Orientierung dienen La Lonja und das Umfeld der Kathedrale.
Wegen des engen Gassennetzes empfiehlt es sich, außerhalb der schmalsten Altstadtgassen in einem regulären Parkhaus zu parken. Geeignete Bereiche liegen an größeren Straßen, an der Hafenfront oder am Rand des historischen Zentrums. Wer mit dem Bus kommt, kann an der Plaça de la Reina bei der Kathedrale oder am Parc de la Mar aussteigen und von dort durch das historische Zentrum zur Carrer dels Apuntadors gehen. Genannt werden unter anderem die Linien 35, 3, 25 und 20. Die Fahrplandaten stammen aus offiziellen GTFS-Daten, können an Wochenenden und Feiertagen abweichen und sollten vor der Fahrt beim Betreiber geprüft werden.
La Lonja, Kathedrale und ein Spaziergang am Meer
Das Viertel rund um Can Marquès ist geprägt von engen Gassen, Stadtpalästen, Geschäften, Restaurants und kleinen Plätzen. In der Nähe liegen die Kathedrale von Palma, der Parc de la Mar, die Hafenfront und zentrale Einkaufsstraßen. Ein möglicher Rundgang führt vom Parc de la Mar über die Kathedrale hinein in die Gassen von La Lonja. Den Palast kann man dabei auch ohne Innenbesichtigung als Teil eines Spaziergangs durch Palmas Altstadt sehen.
La Lonja de Palma selbst ist ein gotisches Gebäude aus dem 15. Jahrhundert. Sie wurde als Handelsbörse erbaut und erinnert an Mallorcas Zeit als bedeutendes Handelszentrum im Mittelmeer. Entworfen wurde sie vom mallorquinischen Architekten Guillem Sagrera. Elegante Türme, kunstvolle Steinmetzarbeiten, eine markante festungsähnliche Erscheinung und die detailreiche gotische Fassade machen das Gebäude zu einem Meisterwerk der mediterranen Gotik.
La Lonja zählt zu den wichtigsten historischen Gebäuden Palmas und wird im Vergleich zur belebten Kathedrale als ruhiger kultureller Ort beschrieben. Tagsüber ist sie ein geeigneter Fotospot, abends liegt sie in einem der lebhaftesten Viertel Palmas für das Nachtleben. Dazwischen: Kopfsteinpflaster, Stimmen aus den Lokalen, warme Fassaden – und ein Stadtpalast, dessen Räume nun wieder für eine private Wohnnutzung umgebaut werden sollen.
