Für Jenny und Achim Thiesen ist in Artà ein Kapitel zu Ende gegangen: Ihre Boutique ist abgegeben, das Lokal seit etwa zwei Wochen geschlossen. In die Räume soll ein mallorquinischer Bekleidungsladen einziehen. Ob dort bereits geöffnet ist, weiß Achim Thiesen nach eigenen Angaben nicht.

Ende April hatte das Paar nach einem Nachpächter gesucht. Mehrere Interessenten meldeten sich, erzählt Thiesen, doch manche seien letztlich nur zum Reden gekommen. Anderen war das Geschäft zu klein oder zu eng. Die neuen Nachpächter hätten schließlich Vorstellungen gehabt, die passten.

Weniger Lokale, weniger Druck

Der Schritt hat vor allem mit der Belastung durch drei Betriebe zu tun: zwei Boutiquen und dem Restaurant „Happy Schnitzel“. Die Thiesens wollen sich künftig stärker auf ihre Geschäfte in Cala Millor konzentrieren und eine Überlastung vermeiden. Für Achim Thiesen fühlt sich der Alltag dadurch bereits leichter an. Nach langen Restaurantabenden müssen sie morgens nicht mehr so früh nach Artà fahren.

Jenny Thiesen verabschiedete sich in einem Video vom leeren Laden. Das Geschäft werde wieder als Modegeschäft genutzt und in gute Hände übergeben, erklärte sie. Die Boutique in Artà hatten die beiden erst im Juni 2023 eröffnet. Seit dieser Zeit betrieben sie dort ein gemeinsames Geschäft mit Artikeln aus der Bekleidungsboutique und dem Schuhgeschäft.

Ganz ist die Saison damit aber noch nicht vorbei. Am 21. November veranstalten die Thiesens ein Wine-Tasting. Am 28. November gehen ihre beiden verbliebenen Lokale in die Winterpause. Für die Boutique in Cala Millor sollen sich die Öffnungszeiten ab dem 15. November verschieben: Dann ist sie am Abend von 16 bis 20 Uhr geöffnet.

Winterpause mit Hamburg-Besuch

Am 2. Februar 2027 wollen die Thiesens in Cala Millor in die neue Saison starten. Renovierungsarbeiten sind diesmal nicht geplant. Während der Winterpause geht es für die Familie nach Hamburg, wo sie Weihnachtsfeiern ihrer Betriebe besuchen und Bekannte treffen möchte. Ansonsten wollen Jenny und Achim zu Hause bleiben.

Mit dem Restaurant sind sie nach eigenen Angaben zufrieden. Cala Millor sei überwiegend gut besucht, auch wenn es einzelne ruhige Tage gebe. Eine Veränderung spürt Achim Thiesen trotzdem: Gäste bestellen seltener Vorspeisen und Desserts, was sich auf den Umsatz auswirkt. Die Bilanz fällt für das Paar dennoch positiv aus.

Das „Happy Schnitzel“ in Cala Millor hatten die Thiesens im Oktober 2023 eröffnet. Zuletzt boten sie dort ebenfalls Wine-Tastings an. Anfang Februar 2026 waren ihre drei Geschäfte nach der Winterpause wieder geöffnet. Im Oktober 2025 starb eine Mitarbeiterin des Paares.

Von Cala Millor nach Artà – und zurück

Jennifer Thiesen, früher Jennifer Matthias, kam 2010 mit ihrem wenige Monate alten Sohn Leon und ihrem damaligen Partner nach Mallorca. Kurz nach ihrer Ankunft eröffnete sie in Cala Millor eine Boutique, die weiterhin erfolgreich ist. Wiederholt trat sie im Vox-Format „Goodbye Deutschland“ auf.

2022 heiratete sie Achim Thiesen standesamtlich in Deutschland. Ende desselben Jahres folgte eine freie Trauung auf Mallorca, die von Vox dokumentiert wurde. Die Familie lebt mit Jennys Sohn Leon in Artà.

Der Rückzug aus der Boutique passt damit in ein Muster, das man bei Mallorca-Auswanderern öfter sieht: Betriebe wachsen, Termine stapeln sich, und irgendwann wird der Weg zwischen Laden, Restaurant und Wohnung schlicht zu lang. Auch andere bekannte Gesichter aus „Goodbye Deutschland“ setzen auf neue Geschäftsideen. Marco und Tamara Gülpen eröffneten in ihrem Hostal Playa de Palma das „Little Brunch“.

Das Lokal startete am vergangenen Samstag als Franchise-Konzept im Shop-in-Shop-Modell, das bereits an mehreren Standorten auf Mallorca vertreten ist. Zwischen 11 und 16 Uhr wird dafür die im Erdgeschoss gelegene Cocktailbar „Despacito“ als Brunch-Lokal genutzt. Auf der Karte stehen unter anderem Pancakes, Rührei, frische Müslis mit Obst, Kaffee sowie Rührei mit Lachs und Vollkornbrot.

Der Start verlief allerdings holprig: Am Eröffnungstag musste Marco Gülpen die Organisation allein übernehmen, weil Tamara wegen eines schweren Migräneanfalls ausfiel. Laut Marco waren medizinische Hilfe und ein Krankenhausaufenthalt notwendig. Emily Gierten, die Ehefrau von Ballermann-Sänger Lorenz Büffel, half beim Transport ins Krankenhaus. Bei der Attacke kam es laut Marco zu Verkrampfungen, die mehrere Tage anhielten. Tamara wurde zwei Tage stationär behandelt und befindet sich inzwischen auf dem Weg der Besserung.

Ähnliche schwere Migräneanfälle habe sie bereits zuvor erlebt, unter anderem bei einer Familienfeier wenige Wochen vorher. Auch eine Infusion brachte damals zunächst keine sofortige Linderung. Trotzdem läuft das „Little Brunch“ laut Marco gut an. Die Betreiber hoffen, dass es sich ähnlich wie das „Despacito“ zu einem Treffpunkt der deutschen Community auf Mallorca entwickelt.

Das „Despacito“ wurde 2021 eröffnet und ist ein Projekt von Tamara Gülpen. Nachmittags bis Mitternacht werden dort verschiedene Cocktails serviert. Der Hauscocktail trägt den Namen der Bar und wird mit frischer Ananas, Bacardi-Rum, Bananenlikör und Cointreau gemischt. Bestellen ihn zwei Personen, kommt er als Gimmick in einer ausgehöhlten Ananasschale auf den Tisch. In Cala Millor wird derweil am 2. Februar 2027 wieder aufgesperrt – diesmal ohne die zusätzliche Fahrt nach Artà.