Macrons Staatsbesuch in Spanien: Zeremonie, Europa und ein Vertrag mit Fragezeichen
Madrid empfing Frankreichs Präsidenten Emmanuel Macron am Dienstag, 29. September, mit großem Zeremoniell: König Felipe VI. und Königin Letizia begrüßten ihn zum Beginn seines zweitägigen Staatsbesuchs mit militärischen Ehren. Macron wurde von seiner Frau Brigitte begleitet. Für einen französischen Präsidenten ist es der erste Staatsbesuch in Spanien seit Nicolas Sarkozys Reise im Jahr 2009 – und damit ein Termin, bei dem die Symbolik ordentlich mit am Tisch sitzt.
Nach der Zeremonie im Palacio Real empfingen die spanischen Royals das französische Paar zum Mittagessen im Zarzuela-Palast nordwestlich von Madrid. Am Nachmittag war ein Gespräch zwischen Macron und Felipe VI. geplant. Außerdem sollte Macron mit Studierenden der Complutense-Universität über Demokratie, Jugend und soziale Netzwerke sprechen. Am Abend gaben die Könige zu Ehren der Gäste ein Galadiner im Königspalast.
Wirtschaft, Europa und ein Vertrag mit Fragezeichen
Am Mittwoch, 30. September, wird der Besuch politisch und wirtschaftlich fortgesetzt. Macron und Felipe VI. nehmen an einem spanisch-französischen Handels- und Investitionsforum teil beziehungsweise eröffnen ein französisch-spanisches Wirtschaftsforum mit führenden Wirtschaftsvertretern. Danach ist ein Treffen Macrons mit Spaniens Ministerpräsident Pedro Sánchez im Moncloa-Palast vorgesehen, anschließend eine gemeinsame Pressekonferenz. Erwartet werden Gespräche über den Krieg in der Ukraine und die Lage im Nahen Osten.
Weitere Programmpunkte sind ein Besuch des Satellitenzentrums der Europäischen Union, SatCen, sowie der französischen Forschungseinrichtung Casa de Velázquez. Der Élysée-Palast will vor allem die Gemeinsamkeiten beider Länder hervorheben, insbesondere bei europäischen Fragen. Am Nachmittag soll Macron mit Studierenden über Demokratie, Jugend und soziale Medien sprechen – ein Thema, das selten ohne erhobene Augenbrauen und viele Handys im Raum auskommt.
Überschattet wird der Staatsbesuch vom Freundschafts- und Kooperationsabkommen zwischen Frankreich und Spanien. Macron und Sánchez unterzeichneten den Vertrag bereits im Januar 2023 in Barcelona, ratifiziert ist er in Spanien aber noch nicht. Die konservative Volkspartei PP stimmte im Abgeordnetenhaus dagegen. Umstritten ist unter anderem eine Regelung, nach der französische Minister an Sitzungen der spanischen Regierung teilnehmen könnten. Die PP rief deshalb den spanischen Verfassungsgerichtshof an. Das Gericht bestätigte vergangene Woche einstimmig, dass der Vertrag mit der spanischen Verfassung vereinbar ist.
Nun berät der spanische Senat über die Ratifizierung. Wie die PP dort abstimmen wird, ist offen. Das Besuchsprogramm soll die bilateralen Gespräche fortsetzen, ohne möglichen Ergebnissen oder Ankündigungen am Ende der Gespräche vorzugreifen. Der Charakter bleibt stark zeremoniell, auch wenn Macron nicht zum ersten Mal in Spanien ist.
Rückblick auf den deutschen Staatsbesuch
Wie eng solche Staatsbesuche mit Europas größeren Fragen verbunden sind, zeigte bereits die Reise von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und Elke Büdenbender vom 26. bis 28. November 2025. König Felipe VI. und Königin Letizia begrüßten das deutsche Paar in Madrid mit militärischen Ehren vor dem Königspalast. Steinmeier würdigte im Gespräch mit dem König die engen deutsch-spanischen Beziehungen und die Zusammenarbeit in der Europäischen Union.
Steinmeier war der erste deutsche Bundespräsident, der vor dem spanischen Abgeordnetenhaus in Madrid sprach. Er rief dazu auf, Europa mit Mut zur Veränderung zu schützen und zu bewahren. Deutschland und Spanien wollten zu einem starken, demokratischen und friedlichen Europa beitragen. Beim Staatsbankett erklärte er, tiefgreifende Veränderungen stellten Europa vor eine Bewährungsprobe; die Europäer müssten zusammenstehen und sich auf gemeinsame Grundlagen besinnen.
Beide Länder verbinde die Erfahrung, dass sich ihre Demokratien erst in einem friedlichen, geeinten Europa festigen konnten. Am zweiten Besuchstag sprach Steinmeier mit Pedro Sánchez über gemeinsame Werte und die weitere Vertiefung der deutsch-spanischen Beziehungen. Gemeinsam mit Felipe VI. eröffnete er das Deutsch-Spanische Forum, in dem Vertreter aus Industrie und Wirtschaft beider Länder regelmäßig über eine wettbewerbsfähigere und widerstandsfähigere europäische Wirtschaft beraten. Fairness, offener Wettbewerb, Zuverlässigkeit und Vertrauen nannte Steinmeier als europäische Grundsätze, die Frieden und Wohlstand ermöglicht hätten.
Auf dem Programm standen außerdem der Austausch mit Wirtschaftsvertretern, die Kranzniederlegung am Grab des Unbekannten Soldaten, ein Gespräch und Mittagessen mit Sánchez sowie ein Empfang. In einer biotechnologischen Produktionsstätte des deutschen Unternehmens Merck bei Madrid besichtigten Steinmeier und Büdenbender Labore. Merck stellt unter anderem Medikamente, Software, Chemikalien für die Forschung, Laborbedarf und Elektronik her. Der Standort ist weltweit der wichtigste Merck-Standort für Wirkstoffe zur Fruchtbarkeitsbehandlung und Wachstumshormontherapie. Steinmeier sah sich Labore für Wachstumshormone und Hormone der Reproduktionsmedizin an.
Zwischendurch ging es ins Stadion Bernabéu. Dort traf der Bundespräsident Real-Madrid-Cheftrainer Xabi Alonso und Spieler des Vereins. Real Madrid gilt mit 15 Champions-League-Titeln als erfolgreichster Klub Europas. Dem früheren Real-Spieler und Weltmeister Toni Kroos verlieh Steinmeier das Verdienstkreuz am Bande für dessen gesellschaftliches Engagement.
Guernica, Erinnerung und ein Blick auf Kunst
Am ersten Besuchstag hatten Steinmeier und Büdenbender im Museo Nacional Centro de Arte Reina Sofía Pablo Picassos „Guernica“ besichtigt. Das Gemälde entstand 1937 als Reaktion auf die Zerstörung der baskischen Stadt. Am dritten Besuchstag flog Steinmeier nach Vitoria-Gasteiz, sprach mit dem Ministerpräsidenten des Baskenlands und reiste weiter nach Guernica.
Dort erinnerte er an das deutsche Bombardement von 1937, bezeichnete den Angriff als schweres Verbrechen an der Zivilbevölkerung und bekannte sich zur historischen Verantwortung Deutschlands. Nach einer Kranzniederlegung gedachte er der Opfer und bekundete sein Mitgefühl mit Überlebenden und deren Familien. Gespräche mit Überlebenden zeigten, dass die Erinnerungen an die Zerstörung bis heute lebendig sind.
Steinmeier leitete daraus die Verantwortung ab, Nationalismus, Hass und Gewalt entgegenzutreten sowie Frieden, Freiheit und Demokratie zu verteidigen. Das gemeinsame Gedenken mit Felipe VI. bezeichnete er als Zeichen der Versöhnung und als Bekenntnis zu einem friedlichen Europa. Steinmeier war das erste deutsche Staatsoberhaupt, das Guernica besuchte. Im Friedensmuseum informierte er sich über den Luftangriff und den Versöhnungsprozess.
Zum Abschluss der Reise stand in Bilbao das Guggenheim-Museum auf dem Programm. Steinmeier informierte sich dort über dessen kulturelle Vielfalt und internationale Bedeutung, bevor der Rückflug nach Berlin anstand. Der deutsche Staatsbesuch sollte die bilateralen Beziehungen zwischen Deutschland und Spanien sowie die Zusammenarbeit in der EU würdigen und weiter ausbauen.
