Deutschlands Wohnungsbau steht vor einer Aufgabe, die sich nicht länger an den Rand schieben lässt: Der GdW beziffert den Fehlbedarf auf bis zu 2,5 Millionen barrierefreie Wohnungen. Etwa jede siebte Person in Deutschland ist dauerhaft mobilitätseingeschränkt, und mit dem demografischen Wandel dürfte dieser Anteil weiter steigen. Für Familien mit Kindern sind schwellenarme Wohnungen, größere Bewegungsflächen und gut erreichbare Räume ebenfalls eine spürbare Erleichterung.

Der Förderdruck wächst. Verbände fordern mehr barrierefreien Wohnraum, verlässliche Fördermittel ab 2027 und steuerliche Erleichterungen für altersgerechte Umbauten. Das KfW-Programm 455-B war 2026 mit einem Fördervolumen von 50 Millionen Euro laut Verbänden bereits Ende Juli ausgeschöpft; sieben Verbände verlangten deshalb einen Neustart.

Umbauen, bevor die Stufe zum Hindernis wird

Eine 2020 beauftragte Evaluation kam zu einem ernüchternden Ergebnis: Nur rund 1,5 Prozent der Wohnungen sind barrierearm. Für Menschen mit Mobilitätseinschränkungen besteht eine Versorgungslücke von mehr als 2 Millionen Wohnungen, in denen Barrieren noch reduziert werden müssen.

Treppenstufen und Schwellen, zu geringe Bewegungsflächen, enge Türen oder ein Badezimmer, in dem man sich kaum drehen kann: Solche Details bremsen die selbstständige Lebensführung, begünstigen Unfälle und Stürze und machen häusliche Pflege durch Angehörige oder Pflegekräfte schwieriger. Manchmal hilft schon ein leicht bedienbares Element, ein passender Waschtisch, eine höhenverstellbare Toilette oder ein Haltegriff. Größere Eingriffe reichen von bodengleichen, rutschfesten Duschen über einen neuen Wohnungsgrundriss bis zum Aufzug.

Im Neubau wird Barrierefreiheit zunehmend zum Standard. Im Bestand lässt sie sich baulich häufig nicht vollständig herstellen, eine Reduzierung der Barrieren ist aber meist möglich. Dafür gelten im KfW-Programm einheitliche technische Mindestanforderungen. Sie wurden mit Fachleuten für Bestandsgebäude entwickelt und orientieren sich an DIN 18040 Teil 2 für barrierefreies Bauen im Neubau. Zugleich berücksichtigen sie die baulichen Eigenheiten älterer Häuser und lassen Spielraum für unterschiedliche Gebäude sowie Eigentümer- und Nutzerbedürfnisse.

Das KfW-Zuschussprogramm „Altersgerecht Umbauen“ wurde 2014 für den Abbau von Barrieren in Bestandsimmobilien eingeführt. Im Programm 455-B wurden von 2014 bis zum 30. Juni 2026 knapp 467,1 Millionen Euro Zuschüsse an rund 244.500 Antragstellende ausgezahlt. Für rund 45.000 weitere Umbaumaßnahmen wurden 99,4 Millionen Euro zugesagt. Damit wurden Barrierereduzierungen in 285.336 Wohneinheiten gefördert und für weitere 59.246 Wohneinheiten zugesagt.

Private Eigentümer und Mieter können unabhängig von Einkommen und Alter Zuschüsse beantragen. Besonders selbstnutzende Eigentümer profitieren, wenn sie altersbedingt kein Darlehen mehr erhalten oder keine zusätzlichen Schulden aufnehmen möchten. Das Programm richtet sich neben älteren, behinderten und mobilitätseingeschränkten Menschen ausdrücklich auch an Familien mit Kindern. Eine Antragstellung soll ab Frühjahr 2026 wieder möglich sein; weitere Informationen bietet die KfW zum Programm „Altersgerecht Umbauen-Investitionszuschuss“.

Für Wohnungsunternehmen, Genossenschaften und Kleinvermieter gibt es das KfW-Eigenmittelprogramm „Altersgerecht Umbauen-Kredit“ mit zinsgünstigen Krediten. Das Programm Nr. 159 bietet Privatpersonen, Wohnungsbaugesellschaften und Wohnungsgenossenschaften zinsverbilligte Kredite. Auch der Abbau von Barrieren im öffentlichen Raum wird über das KfW-Eigenmittelprogramm Nr. 208 gefördert.

Das frühere KfW-Programm „Barrierearme Stadt“ ist in den „Investitionskredit Kommunen“ integriert worden; die Fördertatbestände blieben unverändert. Kommunen, kommunale Unternehmen und soziale Organisationen können damit zinsverbilligte Darlehen für Barriereabbau im öffentlichen Raum, in kommunalen Verkehrsanlagen, Sportstätten sowie Gebäuden der kommunalen und sozialen Infrastruktur erhalten. Für Förderungen von Ländern und Gemeinden lohnt ein Blick in die Förderdatenbank des Bundes und der Länder; bei kommunalen Projekten empfiehlt sich die Kontaktaufnahme mit der zuständigen Gemeinde.

Forschung zwischen Holzdecke und 3D-Druck

Am 25. September 2026 startete die Forschungsplattform NextBauBW erste Projekte. Sie bündelt die Kompetenzen von rund 40 Forschungseinrichtungen in Baden-Württemberg. An der Universität Stuttgart und am KIT sollen Experimentalplattformen Sanierungs- und Umnutzungsverfahren für ungenutzte Bestandsgebäude erproben – genau dort, wo vielerorts Platz wäre, aber noch keine gute Idee.

Die Universität Stuttgart testete 2026 die Holz-Beton-Verbunddecke „UniversalTimberSlab“. Sie ist 36 Zentimeter hoch, trägt 20 Tonnen und verformt sich maximal um 12 Millimeter. Gegenüber herkömmlichen Decken kommt sie mit rund zwei Dritteln weniger Stahlbeton aus und kann die Konstruktionshöhe um bis zu 70 Zentimeter verringern. Ein Pilotprojekt mit 1.400 Quadratmetern Fläche ist in Oberkochen in Vorbereitung.

Etwas weiter südlich, in der Emilia-Romagna, schloss das Unternehmen WASP 2026 das 3D-gedruckte „Haus Itaca“ ab. Das Gebäude verwendet biobasierte Baustoffe und soll europäische Bauvorschriften sowie Erdbebensicherheitsstandards erfüllen. Das klingt nach Zukunftsmusik, steht aber bereits – mit Wänden, Dach und vermutlich jeder Menge Staub in den Schuhen.

Bei den Iconic Awards 2026 wurden unter anderem das Dorfgemeinschaftshaus Flörsbachtal und der Schiebetürenpavillon in Nuglar-St. Pantaleon ausgezeichnet. In der Stadtplanung rücken Klimaschutz und Aufenthaltsqualität enger zusammen. Der Architekt Gustav Düsing entwarf eine Vision für 2036: Leerstehende Innenstadtgebäude werden durch öffentliche Dachparks und klimatische Zwischenzonen, sogenannte „Middoors“, zu Orten der Begegnung.

Kaltluft, Grün und weniger Autos

In Köln-Neubrück plant die GAG rund 750 Wohnungen. Der Siegerentwurf sieht eine „Adelheid-Fuge“ vor, die Kaltluft von Grünflächen in das Quartier leiten soll. In Salzburg-Maxglan begann der Bau des Quartiers „4Klang“. Die Fertigstellung ist bis März 2028 vorgesehen; geplant sind autofreie Oberflächen und intensive Begrünung.

Auch in Schwarzenberg geht es um die laufenden Kosten. Die Wohnungsgenossenschaft plante für den 30. September 2026 die Grundsteinlegung für drei vollelektrische Mehrfamilienhäuser. Rund 60 Prozent ihres Energiebedarfs sollen Photovoltaikanlagen an Dächern und Fassaden decken. Ein Pauschalmietmodell soll zunächst fünf Jahre lang kalkulierbare Energiekosten von etwa 0,95 Euro pro Quadratmeter ermöglichen.

Die Bundesregierung verfolgt neben der Bestandsförderung das Ziel, über das Qualitätssiegel Nachhaltiges Gebäude, kurz QNG, nachhaltig und im Neubau barrierefrei zu bauen. Barriereabbau in Wohnungen, Wohngebäuden und Wohnumfeldern soll den Bedürfnissen älterer und mobilitätseingeschränkter Menschen entsprechen und Familien frühzeitig Vorsorge für das Alter ermöglichen. Investitionsanreize sollen dazu beitragen, dass ältere Menschen möglichst lange in ihrer vertrauten Wohnung und Umgebung leben können.

Sicherheit gehört zur Wohnqualität

Zur Wohnqualität gehört allerdings nicht nur, ob man ohne Stufe ins Bad kommt. Die Zahl der Wohnungseinbrüche sinkt seit einigen Jahren, dennoch ist nur etwa ein Viertel des deutschen Wohnungsbestands ausreichend gegen Einbruch geschützt. Mit Unterstützung der KfW-Förderung wurden innerhalb von drei Jahren 166.000 Bestandswohnungen wirksam gesichert.

Eine aktuelle Evaluationsstudie beziffert die dadurch verhinderten wirtschaftlichen Schäden auf 30 bis 40 Millionen Euro. Noch wichtiger ist der psychische Effekt: Viele Einbruchsopfer leiden unter Angstzuständen oder Depressionen. Die Corona-Krise dürfte das Sicherheitsbedürfnis und damit die Nachfrage nach baulich-technischem Einbruchschutz erhöht haben; gleichzeitig könnten Einkommensverluste Investitionen in solche Maßnahmen erschweren.

Über zirkuläres Bauen und die Anpassung urbaner Räume an den demografischen Wandel wird weiter gesprochen und geplant: bei den Internationalen Fachtagen für ökologische Pflege am 18. und 19. November 2026 in St. Pölten ebenso wie beim Kongress „KONT