125 Jahre Brohltalbahn: Drei Dampfloks erobern das Brohltal
Heute, am 3. Oktober 2026, dampft es im Brohltal gewaltig: Die Brohltalbahn feiert an diesem Samstag und am Sonntag, 3. und 4. Oktober 2026, ihr 125-jähriges Bestehen. Das Jubiläums-Bahnfest hat bereits am Freitag, 2. Oktober, begonnen. Auf der meterspurigen, heute 17,75 Kilometer langen Reststrecke zwischen Brohl und Engeln sind drei Dampflokomotiven im Einsatz – die Brohltalbahn-Lok 11sm, eine rund 100 Jahre alte Zahnradlok der Schweizer Brünig Dampfbahn und eine 1909 gebaute Lok der französischen Chemin de fer de la Baie de Somme.
Zuletzt, so die Veranstalter, waren Anfang der 1960er-Jahre drei Dampfloks gleichzeitig bei der Brohltalbahn unterwegs. Jetzt ziehen sie wieder durch das Tal, begleitet vom kräftigen Auspuffschlag, dem Geruch von Kohle und dem typischen metallischen Ruck beim Anfahren. Der „Vulkan-Express“ erschließt das Brohltal zwischen Brohl, Niederzissen und Engeln und ist heute ein bedeutendes touristisches Angebot in der Vulkanregion Laacher See.
Parade, Dampfzüge und viel Betrieb
Am Freitag rollten ab 16 Uhr Lokomotiven und Gastfahrzeuge bei einer kommentierten Fahrzeugparade durch die Brohler Rheinanlagen. Waggons und Fahrzeuge zeigten dabei die Entwicklung der Bahn von ihren Anfängen bis zum heutigen „Vulkan-Express“. Der Besuch war kostenlos. Nach Voranmeldung wurde außerdem eine „After Work Steam“-Fahrt nach Burgbrohl mit Dampfzug und Burger-Essen angeboten.
Am Samstag und Sonntag fahren historische Züge im Stundentakt zwischen Brohl und Oberzissen, alle zwei Stunden geht es weiter bis Engeln auf den Eifelhöhen. Historische Diesellokomotiven bedienen unter anderem die Steilstrecke zwischen Oberzissen und Engeln sowie die Brohler Hafenbahn. Dort führt die 1,95 Kilometer lange Strecke durch die Rheinanlagen, überquert technisch gesichert die B9 und erreicht den Rheinhafen. Historische Omnibusse ergänzen den Fahrplan und ermöglichen Verbindungen zwischen den Stationen.
Wer unterwegs aussteigt, muss nicht nervös auf das Ticket schauen: Die Fahrkarte bleibt gültig, die Weiterfahrt ist mit dem nächsten Zug möglich. Auf dem Betriebsgelände in Brohl werden schmal- und normalspurige Lokomotiven und weitere Fahrzeuge ausgestellt. Dazu kommen Draisinen- und Lokomotivfahrten, eine Mitfahrt im Führerstand einer Diesellok, Führungen durch die 100 Jahre alte Werkstatt, stündliche Fahrten auf der Hafenbahn und ein Fahrsimulator für Lokführerschulungen. Alle Ausstellungen können kostenlos besucht werden.
Entlang der Strecke ist ebenfalls einiges los. In Schweppenburg öffnet die Mosenmühle mit Führungen, Ausstellungen, Musik und gastronomischem Angebot. In Bad Tönisstein gibt es Einblicke in das Bücher-Refugium der Schmökermühle. Burgbrohl zeigt Traktoren und Landwirtschaftsgeräte, eine nachgestellte Bahnpost-Verladung, Modellbahnanlagen und historische Blechspielzeugeisenbahnen in der Kaiserhalle.
In Niederzissen wartet die „Schmalspur-Expo“ der Arge Schmalspur in der Bausenberghalle; außerdem sind Feuerwehrfahrzeuge, die ehemalige Synagoge, Bilderausstellungen und weitere Aktionen zu sehen. Oberzissen verbindet das Bahnfest mit einem Weinfest an der alten Schule und einem Besuch im Heimatmuseum. In Engeln führen Wanderungen über die ehemalige Bahntrasse zum früheren Endbahnhof Kempenich.
Ein Buch, sechs Stempel und eine alte Strecke
Am Samstag um 11:15 Uhr wird am Bahnhof Burgbrohl ein neues Buch zur 125-jährigen Geschichte der Brohltalbahn vorgestellt. Das Hardcover im Format 17 × 24 Zentimeter umfasst 192 Seiten und kostet 24,90 Euro. Michael Hergarten, Stephan Pauly und Volkhard Stern haben es verfasst. Enthalten sind rund 200 Fotos, darunter bislang unveröffentlichte Aufnahmen, historische Gleispläne und eine detaillierte Streckenkarte. Die Themen reichen von der Geschichte und den Fahrzeugen bis zur touristischen Bedeutung der Bahn.
Das Buch erscheint im SBB-Verlag und ist ab dem Bahnfest am Fahrkartenschalter Brohl BE, im Brohler Lokschuppen und am mobilen Postschalter im Bahnhof Burgbrohl erhältlich. Ab Mitte Oktober 2026 soll es auch über den Buchhandel bestellbar sein.
Für Familien gibt es eine Stempel-Schnitzeljagd entlang der Strecke. Bis zu sechs Stempel können gesammelt werden; ab vier Stempeln wartet in Brohl eine Überraschung. Fahrkarten für Züge und historische Busse gibt es in Brohl, am mobilen Postschalter in Burgbrohl und bei den Schaffnern. Fahrplan, Preise und das vollständige Programm stehen unter vulkan-express.de.
Die Bahn erschließt heute Brohl, Niederzissen und Engeln. Von 1902 bis 1974 führte sie weiter bis Kempenich. Ursprünglich transportierte sie vor allem Vulkangestein; an die Güterzüge waren Personenwagen angehängt. Das erklärt auch, warum der Güterverkehr in der Geschichte lange wichtiger war als der Personenverkehr.
Vom Trasszug zur Museumsbahn
Die Westdeutsche Eisenbahn-Gesellschaft aus Köln erhielt am 19. August 1895 die Konzession für eine meterspurige Bahn von Brohl am Rhein über Oberzissen nach Kempenich. Für Bau und Betrieb gründete sie am 22. Januar 1896 die Brohlthal-Eisenbahn-Gesellschaft, zunächst vollständig im Besitz der WEG. Nach der Bestätigung der Konzession begann 1898 der Bau der 23,83 Kilometer langen Strecke.
Der erste Abschnitt von Brohl BE über Burgbrohl und Oberzissen nach Engeln, 17,5 Kilometer lang, wurde am 14. Januar 1901 eröffnet. Der Abschnitt Engeln–Weibern ging bereits am 1. Mai 1901 in Betrieb, die Gesamtstrecke bis Kempenich am 2. Januar 1902. Die 5,5 Kilometer lange Steilstrecke Oberzissen–Engeln war zunächst als Zahnstangenbahn nach dem System Abt mit einer Steigung von 1:20 ausgeführt.
Schon am 12. November 1897 war die Genehmigung für die 1,95 Kilometer lange Verbindung zum Winter- beziehungsweise Rheinhafen Brohl erteilt worden. Die Hafenbahn wurde 1904 fertiggestellt. Steinprodukte konnten dort per Kran und Sturzbühne direkt auf Binnenschiffe verladen werden. Hauptgüter waren Trass aus den Brohltaler Gruben, behauene Tuffsteine, Phonolith vom Schellkopf bei Brenk, Lava beziehungsweise Bimsstein, Basaltschotter, landwirtschaftliche Erzeugnisse, Kohle für die Industrie und Dünger für die Landwirtschaft.
Die Strecke führt vom Kopfbahnhof Brohl BE am Hang des Dicktberges zunächst an den Werkstattanlagen vorbei und in einer scharfen Linkskurve ins Brohltal. Danach geht es kurvenreich in Hanglage durch das enge, felsige Tal. Hinter dem Haltepunkt Bad Tönisstein überquert die Bahn auf dem 120 Meter langen Tönissteiner Viadukt die Talseite und durchfährt einen 95 Meter langen Tunnel. Burgbrohl, der größte Ort des Tals, wird erreicht; hinter dem Ort steigt die Strecke über Siedlungs- und Freiflächen nach Oberzissen. Nach dem 40 Meter langen Oberzissener Viadukt beginnt die Steilstrecke hinauf zu den Höhen der Vulkaneifel.
Am 31. Oktober 1907 entgleiste ein talwärts fahrender Güterzug mit Personenbeförderung auf dem Viadukt bei Oberzissen. Fünf Reisende starben, sechs Menschen wurden schwer und weitere leicht verletzt. Ein dunkler Einschnitt in die ansonsten oft romantisch erzählte Eisenbahngeschichte.
1921 trennte sich die WEG vollständig von der BEG. Neue Hauptaktionäre wurden die Landkreise Ahrweiler, Mayen und Adenau mit zusammen 55 Prozent; die übrigen Anteile hielten Industrieunternehmen aus dem Einzugsgebiet. Ab 1927 baute die Bahn ein umfangreiches Busnetz als Zubringer und Ergänzung zum Zugverkehr auf. Ab 1928 wurden normalspurige Güterwagen statt mit Rollböcken nur noch mit Rollwagen befördert. 1933 wurde die Hafenstrecke zwischen Brohl Umladebahnhof und Brohl Hafen als Dreischienengleis für Meter- und Normalspur ausgebaut.
Technische Verbesserungen machten die Zahnstange 1934 überfl
