Aachen–Köln wird 2029 zur Großbaustelle: Bahn bündelt Generalsanierung der wichtigen Verkehrsachse
Die Deutsche Bahn hält an der Generalsanierung der Strecke Aachen–Köln im Jahr 2029 fest. Das geht aus dem neuen Konzept von Bahn und Bundesverkehrsministerium für die bundesweiten Korridorsanierungen hervor. Für die Region ist das keine Nebensache: Rund 260 Züge rollen täglich durch den Bereich Aachen – Regional-, Fern- und Güterzüge gleichermaßen.
Außerdem gehört die Verbindung zur internationalen Hochgeschwindigkeitsstrecke London–Paris–Brüssel–Köln. Entsprechend viel hängt an einer funktionierenden Infrastruktur. Wenn auf dieser Achse gebaut wird, merken das nicht nur Pendler und Anwohner, sondern auch der Fern- und Güterverkehr weit über Aachen hinaus.
Viele Arbeiten gebündelt in einem Bauabschnitt
Geplant ist ein umfangreicher Eingriff: Gleise und Weichen sollen erneuert, mehrere Bahnhöfe entlang der Strecke modernisiert und die Stellwerke auf den neuesten Stand gebracht werden. Auch die spätere Einführung einer digitalen Zugsteuerung wird vorbereitet. Zusätzlich sollen mehr Möglichkeiten zum Überholen entstehen.
Die DB InfraGO bündelt bei solchen Korridorsanierungen die erforderlichen Arbeiten an Strecke und Bahnhöfen innerhalb weniger Monate. Die verschiedenen Gewerke werden aufeinander abgestimmt, damit sich Bauarbeiten nicht gegenseitig im Weg stehen und Verbesserungen schneller umgesetzt werden können. Für Reisende und Güterzüge soll das weniger Einschränkungen bedeuten, als wenn jahrelang bei laufendem Betrieb an einzelnen Stellen herumgebaut wird.
Vorbild ist das Pilotprojekt an der Riedbahn zwischen Frankfurt am Main und Mannheim. Dort wurden zahlreiche Arbeiten innerhalb von fünf Monaten zusammengezogen; seit Mitte Dezember des Vorjahres ist die Strecke wieder planmäßig in Betrieb. Seit 2025 laufen außerdem umfassende Erneuerungen und Modernisierungen auf den Strecken Hamburg–Berlin und Emmerich–Oberhausen.
Weniger Korridore, mehr Abstimmung
Bund und Bahn haben ihre ursprüngliche Sanierungsstrategie verändert. Zwischen 2027 und 2031 sind nun 13 statt der zunächst vorgesehenen 21 Korridorsanierungen geplant. Weitere Vorhaben werden auf spätere Jahre verschoben. Dahinter steckt der Versuch, Baustellen besser zu koordinieren und Umleitungsstrecken verlässlicher nutzbar zu machen – eine eher trockene Formulierung für eine Sache, die im Alltag schnell ziemlich lästig werden kann.
Das Bundesministerium für Verkehr hat dem überarbeiteten Zeitplan der DB InfraGO AG zugestimmt. Er wurde gemeinsam mit Eisenbahnverkehrsunternehmen, Verbänden und Bundesländern angepasst und an die Laufzeit des Sondervermögens Infrastruktur und Klimaneutralität angeglichen. Eingeflossen sind Rückmeldungen aus der Branche, etwa zur Stabilität von Umleitungsverkehren, die verfügbaren Kapazitäten der Bahn- und Bauindustrie sowie die Erfahrungen aus dem Riedbahn-Pilotprojekt.
Auch Wechselwirkungen mit anderen Bauvorhaben und Abstimmungen mit Partnerbahnen wurden berücksichtigt. Die Umleitungskonzepte sind mit Eisenbahnverkehrsunternehmen und Aufgabenträgern des Nahverkehrs erörtert worden; die Fahrpläne für die Umleitungen werden derzeit im Detail ausgearbeitet. Unternehmen für den Schienenersatzverkehr in den Jahren 2026 und 2027 sind bereits vertraglich gebunden.
Der Sanierungsfahrplan bis 2036
Für 2026 sind Generalsanierungen auf den Korridoren Hagen–Wuppertal–Köln, Nürnberg–Regensburg, Obertraubling–Passau sowie Troisdorf–Unkel/Unkel–Wiesbaden vorgesehen. Die Bauleistungen für diese Projekte sind bereits vergeben.
2027 folgen Rosenheim–Salzburg, Lehrte–Berlin, Bremerhaven–Bremen und Fulda–Hanau. Für die Folgejahre nennt der neue Zeitplan diese Vorhaben:
- 2028: Köln–Koblenz/Koblenz–Mainz, München–Rosenheim, Hagen–Unna–Hamm und Lübeck–Hamburg
- 2029: Hamburg–Hannover, Würzburg–Ansbach–Treuchtlingen, Forbach–Ludwigshafen und Aachen–Köln
- 2030: Stuttgart–Ulm, Stendal–Magdeburg, Uelzen–Stendal und Frankfurt–Heidelberg
- 2031: Mannheim–Karlsruhe, Lehrte–Groß Gleidingen, Bremen–Hamburg und Würzburg–Nürnberg
- 2032: Bebra–Erfurt, Bebra–Fulda, Münster–Recklinghausen und Weddel–Magdeburg
- 2033: Bremen–Osnabrück, Osnabrück–Münster und Hamm–Düsseldorf–Köln
- 2034: Bremen/Rotenburg–Wunstorf, Kassel–Friedberg und Ulm–Augsburg
- 2035: Minden–Wunstorf und Nordstemmen–Göttingen
- 2036: Flensburg–Hamburg
Umleitungen sollen nicht teurer werden
Für Eisenbahnverkehrsunternehmen sind ab 2026 Entlastungen bei den Trassenpreisen vorgesehen, wenn Züge wegen einer Korridorsanierung längere Umleitungsstrecken nehmen müssen. Die Umleitungsverkehre sollen nicht mehr kosten als die regulär genutzten Strecken. Für jede Umleitungsstrecke ist ein festgelegter prozentualer Entgeltnachlass vorgesehen, der in den Infrastrukturnutzungsbedingungen der DB InfraGO veröffentlicht werden soll.
Dafür braucht es noch die Zustimmung der Bundesnetzagentur. Eine Entscheidung wird frühestens im November erwartet. Bis dahin bleibt bei den betroffenen Unternehmen also ein Fragezeichen stehen – nicht gerade die angenehmste Fahrplanposition.
Nach der Sanierung soll der Zugverkehr schrittweise zurückkehren. Zuerst sollen Güterzüge die erneuerte Infrastruktur nutzen, danach die Personenzüge. Die Bahn strebt an, die Zahl der infrastrukturbedingten Störungen nach einer Korridorsanierung um 80 Prozent zu verringern. Dieses Ziel soll spätestens 100 Tage nach der Wiederinbetriebnahme erreicht werden.
Für Aachen und Köln bedeutet der Plan damit einen langen Vorlauf, aber auch einen klar benannten Bauzeitraum: Die wichtige Strecke soll 2029 umfassend erneuert werden. Bis dahin bleibt viel zu planen – von den Bauabläufen über die Umleitungen bis zum Schienenersatzverkehr. Und irgendwo wird dann vermutlich schon der erste gelbe Baustellenhinweis an einem Bahnsteig hängen.
