Deutsche Bahn plant 2027 massive Baustellen zwischen Köln, Frankfurt und dem Ruhrgebiet
Für Bahnreisende in Köln und Nordrhein-Westfalen wird 2027 ein Jahr mit vielen Baustellen, Umleitungen und geänderten Fahrplänen. Die Deutsche Bahn kündigt umfangreiche Arbeiten an, die Nah- und Fernverkehr betreffen – besonders die Ruhrgebietsachse Duisburg–Dortmund und die Schnellfahrstrecke Köln–Rhein/Main.
Am stärksten spürbar wird die Sperrung der Schnellfahrstrecke zwischen Frankfurt am Main und Köln Messe/Deutz vom 15. Mai bis 9. Juli 2027. Fernverkehrszüge werden in dieser Zeit umgeleitet. ICE-Züge zwischen Köln und Frankfurt Hauptbahnhof fahren über das Mittelrheintal, brauchen rund 75 Minuten länger und halten nicht an den Bahnhöfen entlang der Schnellfahrstrecke. Der Takt bleibt bei einmal pro Stunde – je nach bisheriger Verbindung bedeutet das also weniger Auswahl als üblich.
Umleitungen über das Mittelrheintal
Für entfallende Halte, darunter Siegburg/Bonn, ist ein Ersatzbusverkehr nach Köln beziehungsweise zum Frankfurter Flughafen vorgesehen. Wegen der Verkehrslage können sich die Busfahrzeiten deutlich verlängern. Wer schon einmal im Berufsverkehr rund um Köln oder Frankfurt im Stau gestanden hat, weiß: Auf dem Papier klingt „Ersatzbus“ oft entspannter als es sich auf der Straße anfühlt.
ICE-Züge aus München oder der Schweiz über Köln nach Hamburg fahren während der Sperrung nicht wie üblich über den Frankfurter Flughafen, sondern werden über Bonn umgeleitet. Dafür müssen Reisende rund 60 Minuten mehr einplanen. Betroffen sind ebenfalls Verbindungen aus der Schweiz und Süddeutschland. Andere ICE-Linien entfallen.
Die stündlichen ICE zwischen Köln Messe/Deutz und Frankfurt Hauptbahnhof bleiben also grundsätzlich bestehen, nehmen aber den Umweg durchs Mittelrheintal. Vor der Abfahrt lohnt deshalb ein Blick auf das tatsächliche Zugziel, die Halte und mögliche Umstiege – nicht nur auf die große Überschrift „Köln–Frankfurt“.
Baustellen im Ruhrgebiet und Richtung Hamburg
Bereits vom 6. Februar bis 14. Mai 2027 laufen Bauarbeiten zwischen Recklinghausen und Münster. Die ICE-Sprinter zwischen Köln und Hamburg entfallen. Der reguläre ICE-Stundentakt über Dortmund bleibt bestehen, während IC-Züge nach Ostfriesland über Dortmund umgeleitet werden. Nicht angefahren werden Oberhausen, Gelsenkirchen, Wanne-Eickel und Recklinghausen.
Laut DB-Projektseite beginnt die Sperrung zwischen Wanne-Eickel und Münster bereits am 5. Februar. Für Reisende macht das praktisch einen Unterschied, auch wenn der größere genannte Bauzeitraum am 6. Februar startet.
Vom 10. Juli bis 15. Oktober 2027 folgt die Sperrung der Strecke Duisburg–Essen–Bochum–Dortmund. Fernzüge werden dann über Gelsenkirchen, Hamm oder Hagen geführt. Weil die Ausweichstrecken nur begrenzte Kapazitäten haben, entfallen einzelne Fahrten oder enden vorzeitig. Je nach Reisezeit ändern sich Halte, Anschlüsse und Fahrtdauer – manchmal merkt man das erst, wenn der vertraute Zug plötzlich eine andere Endstation hat.
Zusätzlich sind weitere Bauarbeiten zwischen Krefeld und Duisburg geplant. Im Herbst fallen einzelne ICE-Verbindungen nach Berlin aus, unter anderem ab Aachen, Düren, Mönchengladbach oder Krefeld. Die Sprinter zwischen Bonn, Köln und Berlin fahren weiterhin nicht. Einzelne Verbindungen ab Münster enden in Hannover oder Wolfsburg.
Ostfriesland-Verbindung fällt komplett aus
Vom 16. Oktober bis 11. Dezember 2027 wird die Strecke zwischen Münster und Rheine vollständig gesperrt. Die IC-Verbindung zwischen Ostfriesland und Köln beziehungsweise Bonn entfällt in diesem Zeitraum komplett. Die IC-Züge werden nicht umgeleitet, sondern gestrichen.
Betroffen ist damit die Linie Ostfriesland–Münster–Gelsenkirchen–Köln beziehungsweise Bonn. Für diese Verbindung gibt es also nicht einfach einen längeren Fahrweg, sondern keinen Zug. Das kann bei Besuchen, Wochenendfahrten oder Anschlüssen Richtung Rheinland schnell die ganze Planung durcheinanderbringen.
Auch Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen betroffen
Der Fahrplanwechsel der Deutschen Bahn erfolgt am 13. Dezember 2026 und bringt für 2027 vor allem baustellenbedingte Änderungen in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen. Teilweise verlängern sich Fahrzeiten oder Halte entfallen, zugleich gibt es vorübergehend zusätzliche Direktverbindungen. Die Fahrkarten für Reisen nach dem Fahrplanwechsel sind ab Mittwoch buchbar; die Preise im Fernverkehr bleiben unverändert.
Auf der Strecke Erfurt–Frankfurt wird vom 6. Februar bis 14. Mai sowie ab dem 14. August 2027 gebaut. ICE-Züge benötigen dann etwa 45 Minuten länger. Das betrifft auch Verbindungen von Leipzig und Dresden nach Frankfurt. Die Auswirkungen der größten geplanten Baustellen sind bereits in der Fahrplanauskunft berücksichtigt.
In Riesa halten während der Bauzeiträume tagsüber wieder alle zwei Stunden ICE-Züge. Außerhalb dieser Zeit bleibt das weiterhin nur vereinzelt in Randzeiten möglich. Hintergrund ist die zu kurze Wendezeit der Züge in Dresden für einen stabilen und pünktlichen Betrieb.
Stendal wird wegen der Sanierung der Schnellfahrstrecke Berlin–Wolfsburg 2027 voraussichtlich ohne ICE-Halt auskommen müssen. Über IC-Verbindungen bleibt die Stadt aber an das Fernverkehrsnetz angebunden.
Komischerweise entstehen trotz der vielen Sperrungen auch neue direkte Möglichkeiten: Die ICE-Linie Berlin–Schweiz wird wegen baubedingter Sperrungen über Halle und Erfurt umgeleitet. Dadurch gibt es 2027 ganzjährig zweistündliche Direktverbindungen von Halle und Erfurt unter anderem nach Zürich, Chur und Interlaken. Auch Karlsruhe, Baden-Baden und Freiburg sind ohne Umstieg erreichbar.
Nach Wien kehren die seit dem 7. Februar ausgefallenen zwei täglichen Direktverbindungen von Leipzig und Erfurt zurück. Grund für den Ausfall war die Sanierung der Strecke Nürnberg–Regensburg–Passau. Ab dem 19. Dezember geht es wieder direkt nach Wien.
Buchen, prüfen, noch einmal prüfen
Der neue Fahrplan gilt ab dem 13. Dezember 2027. Tickets sind ab dem 14. Oktober 2026 buchbar. Die Bahn hat die größten baubedingten Änderungen zum Buchungsstart berücksichtigt. Trotzdem sollen Reisende vor der Buchung Fahrzeit, Halte, tatsächliches Zugziel und Umstiege prüfen. Vor der Abfahrt wird eine erneute Kontrolle im DB Navigator oder auf bahn.de empfohlen – gerade bei einer Reise durch mehrere Baustellenkorridore kann sich noch etwas verschieben.
Für Familien gibt es außerdem ein dauerhaft eingeführtes Ticket, das im Sommer getestet wurde: Zwei Erwachsene und bis zu drei Kinder können Hin- und Rückfahrt inklusive Sitzplatzreservierungen für 99 Euro buchen. Buchbar ist es ab 26. Oktober, erster Reisetag ist der 1. November.
Monatskarten und Schülermonatskarten im Fernverkehr werden ab dem 21. Oktober um 25 Prozent günstiger. Die Deutsche Bahn teilte zudem mit, die Preise weiterhin stabil zu halten. Wer am 14. Oktober 2026 seine Reise plant, sollte bei aller Vorfreude auf günstige Angebote trotzdem den Fahrplan bis zum letzten Klick ansehen – sonst steht man womöglich mit Koffer, Kaffee und falschem Zugziel am Bahnsteig.
