Vier Gleise für die Marschbahn: S-Bahn-Ausbau zwischen Pinneberg und Elmshorn geplant
Zwischen Pinneberg und Elmshorn ist Geduld gefragt. Mehr als 34.000 Menschen sind täglich auf der Bahnstrecke unterwegs, gleichzeitig gehören Verspätungen, Zugausfälle und Schienenersatzverkehr auf dem Abschnitt seit Jahren zum bekannten Ärgernis. Gerade wenn irgendwo eine Weiche streikt oder ein Zug liegen bleibt, wird es schnell eng.
Denn derzeit teilen sich Güterverkehr, Regionalzüge und Fernzüge nur zwei Gleise. Je Richtung gibt es also jeweils ein Gleis. Bei Störungen kann dadurch der gesamte Zugverkehr zwischen Hamburg und Skandinavien beeinträchtigt werden. Auch Verbindungen nach Kiel, Flensburg und Sylt bekommen die Probleme auf diesem Abschnitt häufig zu spüren.
Vier Gleise, aber welche Züge?
Über ein drittes und viertes Gleis wird seit Jahren, eigentlich seit Jahrzehnten, gesprochen. Der Ausbau soll die Strecke weniger störanfällig machen, zusätzliche Ausweichmöglichkeiten schaffen und den Verkehr zwischen Hamburg und Dänemark entlasten. Beim aktuellen Planungsstand konzentriert sich das Verkehrsministerium allerdings auf eine S-Bahn-Lösung.
Ein Gutachten kommt zu dem Schluss: Wirtschaftlich wird der Ausbau nur, wenn auf den zusätzlichen Gleisen eine S-Bahn im Zehn-Minuten-Takt fährt. Ein positives Kosten-Nutzen-Verhältnis gilt als Voraussetzung dafür, dass der Bund das Vorhaben finanziell unterstützt. Verkehrsstaatssekretärin Susanne Henckel stellte die Analyse am Dienstagabend in Tornesch vor.
Die geplante S-Bahn soll Elmshorn über mehrere Stationen umsteigefrei mit Eidelstedt, Altona, Reeperbahn, Landungsbrücken, Jungfernstieg und dem Hamburger Hauptbahnhof verbinden. Vorgesehen sind außerdem die neuen Haltestellen Elmshorn-Süd und Pinneberg-Nord. Elmshorn, Tornesch und Prisdorf wären damit direkt an das Hamburger Netz angebunden; der Zehn-Minuten-Takt würde die Wartezeiten verkürzen.
Bei einer S-Bahn-Lösung sollen die Regionalbahnen zwischen Elmshorn und Hamburg Hauptbahnhof im 30-Minuten-Takt bestehen bleiben. Auch die Regionalexpress-Linien nach Flensburg, Kiel und Westerland sollen weiterfahren. In den Hauptreisezeiten könnten die Sitzplatzkapazitäten nach Angaben der Landesregierung um 60 Prozent steigen. Eine Regionalbahn-Variante würde dem Gutachten zufolge lediglich 18 Prozent zusätzliche Sitzplätze ermöglichen.
Zwanzig Minuten oder 45?
Auf dem Papier klingt das ordentlich. Vor Ort ist die Stimmung deutlich gemischter. Pinnebergs Bürgermeister Thomas Voerste begrüßt vor allem den geplanten zusätzlichen S-Bahn-Halt im Norden der Stadt. Torneschs Bürgermeister Christopher Radon ist dagegen enttäuscht: Er hatte eine Variante mit mehr Regionalzügen favorisiert.
Auch die Bürgerinitiative „Starke Schiene“ aus Tornesch lehnt die S-Bahn-Variante ab. Die Initiative setzt sich seit mehr als zehn Jahren für den Ausbau ein. Sprecherin Gisela Hüllmann verweist auf den Zeitunterschied: Die S-Bahn würde zwar alle zehn Minuten fahren, für die Strecke nach Hamburg aber etwa 45 Minuten benötigen. Die Regionalbahn brauche rund 20 Minuten.
Hüllmann und Radon befürchten deshalb, dass die bisherigen Regionalbahn-Halte in Tornesch entfallen könnten. Radon kündigte an, dem Land erneut die Bedeutung der schnellen Regionalverbindungen für Tornesch darzulegen. Die Regionalbahn-Variante gilt vorerst als nicht weiterverfolgt.
Eine Milliarde Euro und viele offene Fragen
Die Deutsche Bahn schätzt die Ausbaukosten derzeit auf rund eine Milliarde Euro. Einen offiziellen Zeitplan gibt es bislang nicht. Die Vorplanungen sollen nun beginnen; im günstigsten Fall könnte die S-Bahn ab Mitte der 2030er-Jahre verkehren. Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur rechnen Fachkreise damit, dass S-Bahnen frühestens in zehn Jahren auf der Strecke fahren könnten. Viel Geduld wird also weiterhin gebraucht.
Bereits heute nutzen laut Landesregierung mehr Fahrgäste aus Pinneberg die S-Bahn als die Regionalbahn. Der DB-Konzernbevollmächtigte Martin Walden bezeichnete die Strecke als wichtigen Bestandteil des schleswig-holsteinischen Nahverkehrs und als zentrale Verbindung nach Hamburg.
Die neuen Gleise könnten im Störungsfall zudem mehr als nur S-Bahnen aufnehmen: Fern- und Güterzüge könnten punktuell auf die Nahverkehrsgleise ausweichen. Damit ließe sich der Betrieb auf der wichtigen Verbindung stabilisieren, wenn auf der bestehenden Hauptstrecke wieder einmal nichts geht. Der aktuelle Planungsstand wurde in einem Artikel vom 29. Dezember 2025 beschrieben; entschieden ist der Bau damit noch lange nicht.
