Auf der Lahn-Kinzig-Bahn wird weiter gebaut – und der Zugverkehr kehrt trotzdem stückweise zurück. Ab dem 13. Dezember 2026 sollen wieder Züge zwischen Gießen und Hungen fahren. Wer weiter bis Nidda möchte, braucht noch Geduld: Die vollständige Inbetriebnahme des Abschnitts zwischen Hungen und Nidda ist für das erste Quartal 2027, voraussichtlich im Frühjahr, vorgesehen.

Hinter der Verzögerung stehen Lieferprobleme bei Komponenten, Baustoffen und Materialien sowie begrenzte Fachkräftekapa­zitäten. Die Deutsche Bahn beziehungsweise DB InfraGO passt deshalb das Inbetriebnahme-Konzept für die elektronischen Stellwerke zwischen Gießen und Nidda an. Bis zum Abschluss der Bauarbeiten und zur Inbetriebnahme des zweiten Abschnitts bleibt ein Bus-Ersatzverkehr bestehen, den die Hessische Landesbahn AG beauftragt hat.

Fünf neue Stellwerke entlang der Strecke

Seit März 2026 wird die Lahn-Kinzig-Bahn umfassend modernisiert. Zwischen Gießen und Nidda entstehen fünf elektronische Stellwerke. Sie sollen den Zugverkehr künftig stabiler und zuverlässiger steuern. Dafür laufen Arbeiten an der Leit- und Sicherungstechnik, an Bahnübergängen und an den Stationen.

Zahlreiche Bahnübergänge werden erneuert. Die Bahnhöfe Lich und Ober-Widdersheim erhalten einen barrierefreien Ausbau. Weitere Bahnsteigarbeiten laufen oder sind vorgesehen in Gießen-Erdkauterweg, Watzenborn-Steinberg, Langsdorf (Oberhessen), Garbenteich und Trais-Horloff.

Ein gutes Stück ist bereits geschafft: Kabeltiefbauarbeiten wurden umgesetzt, ältere Stellwerkstechnik zurückgebaut und Anlagen für die neuen Stellwerke aufgebaut. Auch an zahlreichen Bahnübergängen sowie an Entwässerungsanlagen wurde gearbeitet. In Lich und Ober-Widdersheim sind Entwässerungs- und Bahnsteigarbeiten bereits erfolgt.

Barrierefreie Bahnsteige gibt es schon in Lich-Langsdorf und Watzenborn-Steinberg. Bei Watzenborn-Steinberg ist das also keine Zukunftsmusik mehr, sondern etwas, das Reisende bereits nutzen können.

Neue Fahrpläne werden noch erstellt

Mit dem Fahrplanwechsel am 13. Dezember 2026 ist der Zugverkehr zwischen Gießen und Hungen vorgesehen. Die neuen Fahrpläne für dieses Betriebskonzept werden derzeit fertiggestellt. Anschließend sollen sie in den elektronischen Fahrplanauskünften veröffentlicht werden. Bis dahin bleibt für Fahrgäste ein Blick in die digitalen Auskunftsmedien unvermeidlich – ein bisschen Warten gehört bei diesem Bauvorhaben offenbar weiterhin dazu.

Bahnhöfe als „Zukunftsbahnhöfe“

Die Arbeiten an der Lahn-Kinzig-Bahn stehen auch in einem größeren Zusammenhang: DB InfraGO entwickelt sogenannte „Zukunftsbahnhöfe“ als leistungsstarke und attraktive Zugänge zum Schienensystem weiter. Im Mittelpunkt steht eine ganzheitliche Modernisierung, die sowohl die Attraktivität als auch die Leistungsfähigkeit der Bahnhöfe erhöhen soll.

Gemeinsam mit dem Bundesministerium für Verkehr (BMV) und dem Eisenbahn-Bundesamt (EBA) hat DB InfraGO dafür ein abgestimmtes Zielbild entwickelt. Die Modernisierung soll im gesamten Netz nach einheitlichen Standards erfolgen. Festgehalten ist dieses Zielbild im „Handbuch Zukunftsbahnhöfe“; die zugehörige Ausführungsvorschrift des EBA trat am 28. November 2024 in Kraft.

Berücksichtigt werden dabei nicht nur die Bahnhofs-Infrastruktur, sondern auch die Erreichbarkeit und das Bahnhofsumfeld. Die Bau- und Ausstattungsstandards richten sich nach den jeweiligen Bahnhofskategorien beziehungsweise Produktlinien. Dahinter stehen eine höhere Kundenzufriedenheit und eine bessere barrierefreie Zugänglichkeit für alle Reisenden – auf der Lahn-Kinzig-Bahn sichtbar an den bereits nutzbaren Bahnsteigen und an den weiteren Stationen, an denen noch gearbeitet wird.