Wer am Freitagabend mit dem Zug von Rostock Richtung Berlin unterwegs sein will, sollte genauer hinschauen. Die Deutsche Bahn kündigt mehrere Sperrungen auf der Strecke an – und die erste beginnt bereits am Freitag, 16. Oktober 2026, um 21 Uhr. Zwischen Waren (Müritz) und Neustrelitz fahren dann keine Züge mehr.

Der Regionalexpress RE 5 wird auf diesem Abschnitt bis zum 12. Dezember durch Busse ersetzt. Grund dafür sind Bauarbeiten an zwei Brücken über den Bahngleisen an der Bundesstraße 192 in Waren. Für Fahrgäste bedeutet das vor allem: mehr Zeit einplanen, Gepäck nicht zu knapp kalkulieren und am besten vorher die Verbindung prüfen.

Brücke wird am 1. November gesprengt

Die zweite der noch abzureißenden Brücken soll am 1. November gesprengt werden. Dafür werden zunächst die Gleise demontiert. Danach müssen Schutt und Baureste beseitigt werden, bevor die Gleise wieder aufgebaut werden können. Das ist kein Eingriff, der sich mal eben zwischen zwei Regionalzügen erledigen lässt.

Der Ersatzverkehr zwischen Waren und Neustrelitz dauert laut Bahnauskunft etwa 1 Stunde und 15 Minuten. Normalerweise braucht der Zug für die Strecke 22 Minuten. Aus einer kurzen Bahnfahrt wird damit ein gutes Stück Busfahrt – inklusive möglicher Verzögerungen auf der Straße.

Weitere Sperrung bis Berlin-Südkreuz

Zusätzlich wird die Strecke vom 30. Oktober, etwa 21 Uhr, bis 6. November, etwa 21 Uhr, zwischen Löwenberg (Mark) und Berlin-Südkreuz gesperrt. Betroffen sind der RE 5 von und nach Rostock sowie Verbindungen von und nach Stralsund und Neubrandenburg.

Zwischen Löwenberg und Oranienburg richtet die Bahn einen Ersatzverkehr mit Bussen ein. Für die Weiterfahrt zwischen Oranienburg und Berlin sollen Fahrgäste die S-Bahn nutzen. Doch auch dort ist in diesem Zeitraum nicht durchgehend Verlass auf die Schiene: Am 7. und 8. November fährt die S-Bahn auf diesem Abschnitt ebenfalls nicht. Dann wird auch zwischen Oranienburg und Berlin ein Ersatzverkehr angeboten.

Auf der Verbindung Richtung Ostsee kommt damit einiges zusammen: Brückenarbeiten in Waren, die Sprengung am 1. November und später die zusätzliche Sperrung vor Berlin. Wer umsteigen muss, sollte also lieber nicht auf die letzte Minute planen. Ein Bussteig ist schließlich kein Bahnhofscafé, in dem man gemütlich noch eine halbe Stunde vertrödelt.

2026 wird zum Baustellenjahr auf der Schiene

Die Einschränkungen im Nordosten stehen nicht für sich allein. Die Deutsche Bahn modernisiert bundesweit ihr Schienennetz. Reisende müssen mit Großbaustellen, Streckensperrungen und Fahrplanänderungen rechnen. Bis voraussichtlich 2036 sollen mehr als 40 wichtige Teilstrecken für mehrere Monate gesperrt und grundlegend saniert werden. Die Generalsanierung dauert mindestens fünf Jahre länger als ursprünglich geplant; weitere Verzögerungen sind möglich.

Allein 2026 ist der Kalender dicht: In Dresden läuft vom 9. Februar bis 6. November der Bau eines neuen Kreuzungsbauwerks am Hauptbahnhof. IC-Züge von und nach Chemnitz werden zwischen Dresden-Neustadt und Freiberg umgeleitet, der Halt Dresden Hbf entfällt.

In Berlin dauern die Arbeiten vom 14. Juni bis 12. Dezember und sind in zwei Phasen aufgeteilt: vom 14. Juni bis 1. Oktober sowie vom 2. Oktober bis 12. Dezember. Fernzüge halten am Berliner Hauptbahnhof nur im unterirdischen Teil, einige ICE-Verbindungen fallen aus. In der ersten Phase fahren mindestens stündliche ICE-Züge zwischen Berlin und NRW, allerdings ohne Halt am Ostbahnhof. Die Verbindung Berlin–Frankfurt über Kassel bleibt stündlich bestehen, ebenfalls ohne Ostbahnhof. Züge nach Polen fahren zweistündlich und halten weder am Hauptbahnhof noch am Ostbahnhof; Ersatzhalt ist Berlin-Gesundbrunnen.

In der zweiten Phase werden ICE-Züge zwischen Berlin und NRW wegen Bauarbeiten über Braunschweig umgeleitet. Die Fahrzeit verlängert sich um 60–80 Minuten, Berlin-Spandau und Ostbahnhof entfallen. Direkte Züge Berlin–Frankfurt über Kassel gibt es dann nicht; stattdessen fahren mindestens stündlich ICE-Züge über Erfurt.

Auch die Strecke Regensburg–Passau–Wels ist vom 14. Juni bis 13. Dezember betroffen. Wegen einer Generalsanierung verkehren dort monatelang keine Fernverkehrszüge. Die Fernverkehrshalte Passau, Plattling und Straubing entfallen, in Regensburg bleibt nur ein eingeschränktes Angebot. Umleitungen führen über Salzburg, Simbach am Inn und Mühldorf. Zahlreiche Züge zwischen Nürnberg beziehungsweise Regensburg und Wien fallen aus, direkte Verbindungen über Passau entfallen. Reservierungspflichtige Ersatzbusse fahren bis 31. Juli zwischen Passau und Nürnberg, ab 1. August zwischen Passau und Regensburg. Das Zugangebot zwischen München und Wien über Salzburg und Simbach wird ausgeweitet; ICE/RJ/EC-Züge zwischen München und Nürnberg beziehungsweise Wien benötigen bis zu 15 Minuten länger.

Zwischen Köln und Wiesbaden wird vom 10. Juli bis 12. Dezember gearbeitet. Zwischen Troisdorf und Wiesbaden werden Gleise, Weichen, Oberleitungen, Brücken und mehrere Bahnhöfe erneuert. Wegen umgeleiteter Güterzüge entfällt ein Teil des Personenfernverkehrs. Zwischen Köln, Bonn, Koblenz und Mainz fährt nur noch ein ICE je Richtung und Stunde, einige Fernzüge fallen aus. Remagen und Andernach werden nur noch vereinzelt bedient.

Am Knoten Erfurt laufen die Brückenarbeiten vom 31. Juli bis 30. September. Der Fernverkehr zwischen Berlin, Erfurt, Nürnberg, Augsburg und München wird reduziert. Auf der Strecke Berlin–Erfurt–Nürnberg–München verkehren etwa drei Viertel der regulären Züge; je Richtung fahren drei Züge innerhalb von zwei Stunden. Die ICE-Linie 18 fährt nur zwischen Hamburg-Altona und Berlin. Büchen, Ludwigslust und Wittenberge werden ersatzweise alle zwei Stunden von anderen Fernzügen bedient. Zwischen Nürnberg und München fahren Ersatzzüge mit Halten in Donauwörth, Augsburg und München-Pasing. Für Berlin-Reisende kann ein zusätzlicher Umstieg in Nürnberg erforderlich sein.

Vom 4. bis 30. September sorgen Arbeiten an der Leit- und Sicherungstechnik zwischen Magdeburg und Berlin für Umleitungen und Teilausfälle. Bei mehreren ICE- und IC-Verbindungen entfallen Halte in Brandenburg, Potsdam und Berlin-Wannsee, teilweise auch in Magdeburg, Braunschweig oder Berlin-Charlottenburg. IC-Züge von und nach Norddeich Mole werden zunächst über Stendal und Berlin-Spandau umgeleitet; die Fahrzeit verlängert sich um etwa 25 Minuten. Ab 19. beziehungsweise 20. September beginnen oder enden einzelne IC-Züge bereits in Magdeburg. Das ICE-Zugpaar Berlin–Köln wird überwiegend zwischen Potsdam und Braunschweig umgeleitet.

Auf der Strecke Hannover–Göttingen fallen vom 7. bis 26. September wegen Arbeiten an Weichen und Oberleitungen mehrere Fernverkehrsverbindungen aus. Die ICE-Linien 3 und 4 entfallen auf dem gesamten Laufweg. Zwischen Hamburg beziehungsweise Hannover und Frankfurt oder München bestehen weiterhin mindestens stündliche Verbindungen. Auf der Main-Weser-Bahn zwischen Kassel, Gießen und Frankfurt fahren nur einzelne Fernzüge. Die ICE-Linie 26 fährt nur zwischen Bremen und Hannover; dadurch entfallen unter anderem Göttingen, Kassel-Wilhelmshöhe, Marburg, Gießen, Frankfurt, Darmstadt, Heidelberg und Karlsruhe.

Auch die Verbindung Stralsund–Berlin ist vom 11. September bis 2. Oktober betroffen. Wegen Gleis- und Brückenarbeiten werden ICE-Züge der Linie 15 vom 14. bis 19. September zwischen Stralsund und Berlin umgeleitet. Die Halte Eberswalde, Prenzlau, Anklam, Züssow und Greifswald entfallen; Ersatzhalt ist Neustrelitz. Auch am 11. September sowie vom 20. September bis 2. Oktober werden einzelne ICE-Züge umgeleitet. In Greifswald gilt insgesamt ein reduziertes Zugangebot.

Vom 21. September bis 12. Dezember entfallen wegen Bahnsteigarbeiten die IC-Züge der Linie 51 auf dem gesamten Laufweg Köln–Paderborn–Kassel–Erfurt–Gera. Die ICE-Züge der Linie 51 zwischen Köln, Erfurt und Leipzig verkehren ohne Einschränkungen.

Zwischen Hannover und Berlin wird vom 2. Oktober bis 12. Dezember an Gleisen, Oberleitungen sowie Leit- und Sicherungstechnik gearbeitet. In Wolfsburg entfallen sämtliche Fernverkehrshalte. Auch in Stendal, Helmstedt, Hildesheim, Köthen, Bremen und Berlin Ostbahnhof wird das Angebot reduziert. Zwischen NRW, Hannover und Berlin fahren mindestens stündliche ICE-Züge, allerdings mit 60–80 Minuten längerer Fahrzeit. Zwischen Amsterdam und Berlin verkehren ICE-Züge alle vier Stunden, die Fahrzeit verlängert sich um etwa 70 Minuten. Viele Züge werden umgeleitet; Ersatzhalte gibt es unter anderem in Braunschweig, Magdeburg, Potsdam, Wittenberge und Ludwigslust. Direkte ICE-Verbindungen Frankfurt–Kassel–Berlin entfallen, das Angebot über Erfurt wird ausgeweitet. Zwischen Hannover und Leipzig fahren IC-Züge nur noch alle zwei Stunden.

Brückenarbeiten zwischen Duisburg/Essen und Oberhausen vom 9. bis 30. Oktober führen zu Umleitungen, längeren Fahrzeiten sowie Halt- und Teilausfällen. In Oberhausen entfallen alle Fernverkehrshalte, in Duisburg halten nur einzelne Fernzüge. Essen und Bochum verlieren zahlreiche Direktverbindungen. Zwischen Essen, Bochum, Dortmund und Berlin fahren weiterhin stündliche ICE-Züge, von Köln beziehungsweise Düsseldorf nach Berlin bestehen mindestens zweistündliche Direktverbindungen. Zwischen Köln beziehungsweise Dortmund und Hamburg bleibt ein stündliches Angebot. Verbindungen nach Süddeutschland verkehren grundsätzlich weiter; Reisende aus Essen oder Bochum müssen häufig in Dortmund umsteigen. Die Fahrzeit verlängert sich je nach Verbindung um bis zu 30 Minuten. Ersatzhalte gibt es unter anderem in Wuppertal, Hagen, Gelsenkirchen und Herne-Wanne-Eickel.

Vom 30. Oktober bis 12. Dezember werden zwischen Nürnberg und München Schienen erneuert. Zahlreiche Fernzüge werden umgeleitet oder fallen aus. Höchstens zwei Züge pro Stunde fahren zwischen Nürnberg und München, die Fahrzeit verlängert sich um etwa 30 Minuten. Ingolstadt und München Hbf sind besonders betroffen, dort halten weniger Züge. Zusätzliche Einschränkungen entstehen durch die Generalsanierung zwischen Nürnberg und Regensburg, unter anderem durch Umleitungen über Ingolstadt.

Und vom 9. bis 16. November wird wegen des dreigleisigen Ausbaus zwischen Oberhausen und Arnheim die ICE-Linie 78 zwischen Köln und Utrecht umgeleitet. Die Fahrzeit zwischen NRW und Amsterdam verlängert sich um etwa 30 Minuten. Die Halte Düsseldorf Hbf, Duisburg Hbf, Oberhausen Hbf und Arnhem Centraal entfallen; Ersatzhalte sind Mönchengladbach Hbf und ’s-Hertogenbosch.

Der Blick reicht weit über 2026 hinaus

Nach den Baustellen dieses Jahres geht es weiter. Für 2027 sind Rosenheim–Salzburg, Lehrte–Berlin, Bremerhaven–Bremen und Fulda–Hanau vorgesehen. 2028 folgen Köln–Koblenz/Koblenz–Mainz, München–Rosenheim, Hagen–Unna–Hamm und Lübeck–Hamburg. Für 2029 stehen Hamburg–Hannover, Würzburg–Ansbach–Treuchtlingen, Forbach–Ludwigshafen und Aachen–Köln auf dem Plan.

Im Jahr 2030 sind Stuttgart–Ulm, Stendal–Magdeburg, Uelzen–Stendal und Frankfurt–Heidelberg genannt. 2031 sollen Mannheim–Karlsruhe, Lehrte–Groß Gleidingen, Bremen–Hamburg und Würzburg–Nürnberg folgen. Für 2032 sind Bebra–Erfurt, Bebra–Fulda, Münster–Recklinghausen und Weddel–Magdeburg vorgesehen.

2033 stehen Bremen–Osnabrück, Osnabrück–Münster sowie Hamm–Düsseldorf–Köln auf der Liste. 2034 geht es um Bremen/Rotenburg–Wunstorf, Kassel–Friedberg und Ulm–Augsburg. 2035 folgen Minden–Wunstorf und Nordstemmen–Göttingen, 2036 Flensburg–Hamburg. Wer heute in Waren auf den Ersatzbus nach Neustrelitz steigt, bekommt also unfreiwillig einen kleinen Vorgeschmack auf das, was Bahnreisende noch etliche Jahre begleiten wird.