Wer am Bahnhof Bad Holzhausen zu den Bahnsteigen möchte, muss durch die Unterführung – und dort über eine steile Treppe. Für Menschen, die gut zu Fuß sind, ist das machbar. Für alle anderen wird der Weg schnell zum Hindernislauf.

Die Deutsche Bahn hat die beiden Treppenlifte in der Unterführung inzwischen abgebaut. Einer davon war ein defekter Schrägaufzug, der nach Angaben von Karlheinz Stephan seit Jahren außer Betrieb gewesen sein soll. Auch zuvor waren die Treppenlifte laut Bericht häufig nicht einsatzbereit und umständlich zu nutzen. Eine andere barrierefreie Zugangsmöglichkeit gibt es nicht.

Mit Rollstuhl, Fahrrad oder schwerem Gepäck wird es schwierig

Die beiden Bahnsteige sind ausschließlich über die Treppen-Unterführung erreichbar. Menschen mit Gehbeeinträchtigungen, Fahrradfahrende und Reisende mit schwerem Gepäck haben deshalb kaum Zugang zu den Gleisen. Der Bahnhof ist derzeit faktisch nur für Personen problemlos nutzbar, die sicher und gut zu Fuß sind.

Karlheinz Stephan und seine Frau leben seit einigen Jahren in Bad Holzhausen. Sie setzen sich für einen barrierefreien Bahnhof ein. Unterstützt werden sie vom Touristikverein, der Stadt Preußisch Oldendorf und der Touristikleiterin. Seit Jahren geht es um einen Aufzug oder eine ebenerdige Lösung – umgesetzt wurde bislang jedoch keine Verbesserung.

Für einen möglichen Umbau gab es bereits Vor-Ort-Begehungen und eine Machbarkeitsstudie. Bürgermeister Marko Steiner steht nach eigenen Angaben ebenfalls seit Jahren mit der Deutschen Bahn in Kontakt. Seine Idee: ein oberirdischer Zugang zu den Bahnsteigen. Beide Gleise liegen ebenerdig zur Straße, und nach Steiners Einschätzung wäre ausreichend Platz für eine flach geneigte Rampe vorhanden. Klingt eigentlich nicht nach einem Ding der Unmöglichkeit.

Die Bahn verweist auf geringe Nutzung

Die Deutsche Bahn begründet die fehlende Modernisierungsplanung mit der geringen Nutzung des Bahnhofs. Nach Bahnangaben steigen dort etwa 230 Reisende täglich ein oder aus. Eine barrierefreie Modernisierung sei derzeit nicht geplant.

Stephan sieht darin allerdings auch eine Folge des unattraktiven und nicht barrierefreien Bahnhofs. Wer mit Rollator, Rollstuhl, Fahrrad oder großem Koffer unterwegs ist, überlegt sich den Umweg über eine andere Station womöglich zweimal. Dabei bestehen von Bad Holzhausen stündliche Bahnverbindungen über Bünde und Herford nach Bielefeld sowie in Gegenrichtung nach Rahden.

Bad Holzhausen ist seit 2007 staatlich anerkannter Kurort. Hotels, ein Kurpark, Restaurants und zahlreiche Vereine prägen den Ort. Gerade für einen Kurort wirkt ein Bahnhof, dessen Bahnsteige nur über steile Treppen erreichbar sind, reichlich aus der Zeit gefallen.

Andere Bahnhöfe kommen langsam voran

Eine WDR-Stichprobenumfrage unter etwa 30 Kommunen in Ostwestfalen-Lippe ergab, dass überwiegend Fortschritte bei der Barrierefreiheit der Bahnhöfe gemeldet wurden. In Salzkotten sind die Bahnhofszugänge barrierefrei, die Bahnsteige jedoch nicht. Der Bahnhof Scharmede verfügt weder über barrierefreie Zugänge noch über barrierefreie Bahnsteige; für beide Bahnhöfe gibt es laut Stadt bereits Ausbauplanungen.

Die Deutsche Bahn erklärt, der barrierefreie Ausbau habe hohe Priorität. Deutschlandweit seien 89 Prozent der Bahnsteige stufenfrei erreichbar, etwa über Gehwege, höhengleiche Gleisübergänge, lange Rampen oder Aufzüge. Größere Bahnhöfe werden bei Umbauten vorrangig berücksichtigt. Zugleich räumt die Bahn einen erheblichen Nachholbedarf beim barrierefreien Ausbau ein.

In Bad Holzhausen bleibt damit vorerst die Unterführung der einzige Weg nach unten und wieder hinauf. Die Initiative im Dorf setzt auf öffentliche Aufmerksamkeit, um doch noch einen Umbau des Bahnhofs zu erreichen. Der nächste Zug fährt zwar stündlich – der barrierefreie Zugang lässt weiter auf sich warten.