Bahn verschiebt Generalsanierungen: Nur noch zwei Korridore pro Jahr geplant
Die Generalsanierung wichtiger Bahnstrecken in Deutschland dürfte länger dauern als bislang geplant. Bahnchefin Evelyn Palla rechnet nach einer Überarbeitung des Konzepts damit, dass vier Generalsanierungen pro Jahr zu viel sind. Künftig sollen zwei, bei besonderen technischen Notwendigkeiten auch drei Sanierungen jährlich umgesetzt werden.
Das neue Konzept wird derzeit mit dem Bundesverkehrsministerium abgestimmt und soll bald vorgestellt werden. Konkrete Jahreszahlen nannte Palla nicht. Klar ist aber: Die Deutsche Bahn begann im zweiten Halbjahr 2024 mit den Generalsanierungen, für die jeweils mehrmonatige Vollsperrungen vorgesehen sind. Ohne laufenden Betrieb sollen die Strecken grundlegend erneuert werden, damit sie anschließend weniger störanfällig sind und mehrere Jahre ohne weitere Bauarbeiten auskommen.
Weniger Baustellen gleichzeitig
Rund 40 Strecken wurden für das Programm ausgewählt. Ursprünglich sollten sämtliche Arbeiten Anfang der 2030er-Jahre abgeschlossen sein, zuletzt war dafür das Jahr 2036 genannt worden. Mit der neuen Strategie könnten die Sanierungen möglicherweise nicht mehr innerhalb der 2030er-Jahre fertig werden.
Als Gründe für die Anpassung nannte Palla die Erfahrungen aus den ersten Großbaustellen, die noch unklare Höhe der verfügbaren Mittel aus dem Bundes-Sondervermögen und die starken Kapazitätsverluste im gesamten Bahnnetz, wenn vier große Sanierungen gleichzeitig laufen. Die Zahl der Korridorsanierungen pro Jahr soll deshalb an das verfügbare Finanzierungsvolumen angepasst werden.
Auch die geografische Verteilung und die zeitliche Abstimmung der Projekte sollen künftig stärker berücksichtigt werden. Umleitungsstrecken müssen vor Beginn einer Generalsanierung ausreichend ertüchtigt sein, damit sie vorübergehend deutlich mehr Verkehr aufnehmen können. Das klingt trocken, entscheidet aber darüber, ob sich Züge an anderer Stelle stauen oder der Ersatzfahrplan halbwegs trägt.
Für jede Sanierung will die Bahn außerdem konkrete Leistungsversprechen festlegen. Dazu gehören die angestrebte Zustandsnote und der Umfang der zugesicherten Baufreiheit. Gleich werden diese Ziele nicht ausfallen, weil auch der Sanierungsumfang von Strecke zu Strecke unterschiedlich ist. Bauen und Fahren sollen besser zusammenpassen; dafür will die Bahn stärker priorisieren und Bauarbeiten enger mit dem Zugbetrieb verzahnen.
Neuer Zeitplan bis 2036
Am 9. September 2025 um 9:30 Uhr bestätigte das Bundesministerium für Verkehr in Berlin den mit Eisenbahnverkehrsunternehmen, Verbänden und Bundesländern überarbeiteten Zeitplan der DB InfraGO AG. Er richtet die Sanierungszeiträume an der Laufzeit des Sondervermögens „Infrastruktur und Klimaneutralität“ aus.
In die Planung flossen Rückmeldungen der Bahnbranche ein, unter anderem zur Stabilität der Umleitungsverkehre. Ebenso berücksichtigt wurden die verfügbaren Ressourcen der Bahn- und Bauindustrie, Wechselwirkungen mit anderen Bauvorhaben und die Tragfähigkeit der Fahrplankonzepte. Der Bundesverband SchienenNahverkehr begrüßte die abgestimmte Reihenfolge und sieht dadurch Planungssicherheit für die kommenden zehn Jahre.
Erkenntnisse aus dem Pilotprojekt Riedbahn wurden ebenfalls eingearbeitet. Die Zahl gleichzeitig laufender Sanierungen auf hochbelasteten Strecken wurde gegenüber den ursprünglichen Plänen reduziert. Bei den Korridorsanierungen werden Arbeiten an Infrastruktur und Bahnhöfen gebündelt und innerhalb weniger Monate gewerkeübergreifend erledigt. So sollen Synergien genutzt, Verbesserungen schneller erreicht und Einschränkungen für Personen- und Güterverkehr gegenüber Bauarbeiten bei laufendem Betrieb begrenzt werden.
Das Pilotprojekt war 2024 die Riedbahn zwischen Frankfurt am Main und Mannheim. Dort wurden innerhalb von fünf Monaten zahlreiche Arbeiten gebündelt. Seit Mitte Dezember 2024 ist die Strecke wieder planmäßig in Betrieb. Seit 2025 laufen außerdem umfassende Erneuerungen und Modernisierungen der Strecken Hamburg–Berlin und Emmerich–Oberhausen.
Die vorgesehenen Baujahre
Für 2026 sind die Korridore Hagen–Wuppertal–Köln, Nürnberg–Regensburg, Obertraubling–Passau sowie Troisdorf–Unkel / Unkel–Wiesbaden vorgesehen. Die Bauleistungen sind bereits vergeben.
2027 sollen Rosenheim–Salzburg, Lehrte–Berlin, Bremerhaven–Bremen und Fulda–Hanau folgen. Die Umleitungs- und Fahrplankonzepte wurden mit Eisenbahnverkehrsunternehmen und Nahverkehrsaufgabenträgern erörtert, die Fahrpläne werden derzeit detailliert ausgearbeitet. Unternehmen für den erforderlichen Schienenersatzverkehr in den Jahren 2026 und 2027 sind bereits gebunden.
- 2028: Köln–Koblenz / Koblenz–Mainz; München–Rosenheim; Hagen–Unna–Hamm; Lübeck–Hamburg
- 2029: Hamburg–Hannover; Würzburg–Ansbach–Treuchtlingen; Forbach–Ludwigshafen; Aachen–Köln
- 2030: Stuttgart–Ulm; Stendal–Magdeburg; Uelzen–Stendal; Frankfurt–Heidelberg
- 2031: Mannheim–Karlsruhe; Lehrte–Groß Gleidingen; Bremen–Hamburg; Würzburg–Nürnberg
- 2032: Bebra–Erfurt; Bebra–Fulda; Münster–Recklinghausen; Weddel–Magdeburg
- 2033: Bremen–Osnabrück; Osnabrück–Münster; Hamm–Düsseldorf–Köln
- 2034: Bremen/Rotenburg–Wunstorf; Kassel–Friedberg; Ulm–Augsburg
- 2035: Minden–Wunstorf; Nordstemmen–Göttingen
- 2036: Flensburg–Hamburg
Entlastung bei Umleitungen geplant
Ab 2026 strebt die DB InfraGO AG Entlastungen bei den Trassenpreisen für Züge an, die wegen Korridorsanierungen längere Umleitungsstrecken fahren müssen. Für diese Verkehre sollen keine höheren Kosten als auf der regulären Strecke entstehen. Vorgesehen ist für jede Umleitungsstrecke ein prozentualer Entgeltnachlass.
Die Nachlässe sollen in den Infrastrukturnutzungsbedingungen der DB veröffentlicht werden. Dafür ist allerdings die Zustimmung der Bundesnetzagentur erforderlich; eine Entscheidung wird frühestens im November erwartet.
Auf der Baustelle selbst bleibt es derweil beim großen Schnitt: Vollsperrung, viele Gewerke, Tag und Nacht Bewegung. Schotter, Gleise, Bahnhöfe und weitere Infrastruktur werden in einem engen Zeitfenster bearbeitet. Wenn der Plan aufgeht, fahren die Züge danach stabiler. Bis dahin müssen Fahrgäste, Güterverkehr und Umleitungsstrecken einiges aushalten.
