Bahnhof Blankenberg nach Brand und Abriss: Neuer Wartebereich trifft auf 176 Jahre Eisenbahngeschichte
Am Bahnhof Blankenberg ist ein Schandfleck verschwunden. Das historische Empfangsgebäude am Gleis 3 wurde im Februar 2026 abgerissen. Im September 2025 hatte ein Brand das Haus schwer beschädigt; danach stürzten weitere Gebäudeteile und schließlich das Dach ein. Wegen der schlechten Bausubstanz musste das benachbarte Gleis gesperrt werden. Untersuchungen bestätigten später: Das Gebäude war einsturzgefährdet, der Bereich wurde abgesperrt.
Mittlerweile ist die Abrissfläche geräumt und teilweise begrünt. Auf dem Gelände soll eine Wiesenfläche als ökologische Ausgleichsfläche entstehen – passend zum Titel „Naturpark-Bahnhof“. Der Bahnhof bekommt zugleich einen neuen Empfangsbereich. Das alte Wetterschutzhaus mit seinen roten Balken ist abgebaut. An seine Stelle tritt ein Wartehäuschen mit Sitzmöglichkeiten, energiesparender Beleuchtung und Fahrkartenautomat.
Warten auf Strom und Fahrkartenautomat
Freigegeben ist das neue Wartehäuschen am 12. Oktober 2026 allerdings noch nicht. Auch der Fahrkartenautomat fehlt derzeit. Der elektrische Anschluss wird vorbereitet; die Inbetriebnahme des Automaten ist für Ende Oktober 2026 geplant. Bis dahin müssen Reisende ihre Tickets online oder direkt im Zug kaufen – ein kleiner Umweg, der sich am Bahnsteig nicht wegdiskutieren lässt.
Seit Mai stehen dort moderne digitale Anzeigetafeln. Der frühere dynamische Schriftanzeiger wurde ersetzt. Ein digitaler Aushang, der kurz nach seiner Installation beschädigt worden war, ist inzwischen repariert und liefert zusätzliche Informationen. Zwischen dem Wartehäuschen und den Schranken wurde außerdem ein taktiles Bodenleitsystem für blinde und sehbehinderte Reisende eingerichtet.
Ein Bahnhof mit langer Geschichte
Der Bahnhof Blankenberg (Meckl) liegt im Dorf Blankenberg im Nordwesten des Landkreises Ludwigslust-Parchim, in der Gemeinde Blankenberg im Amt Sternberger Seenlandschaft. Warin liegt etwa vier Kilometer nördlich, Brüel etwa vier Kilometer südlich. Im Netz ist die Station ein Kreuzungsbahnhof und Durchgangsbahnhof an den Strecken Bad Kleinen–Rostock und Wismar–Karow. Eröffnet wurde sie am 13. Mai 1850 und zählt damit zu den ältesten Bahnhöfen in Mecklenburg-Vorpommern.
Die Betriebsstellenart ist Bahnhof, die Abkürzung lautet WBL, die IBNR 8010051, die Preisklasse 6. Vier Bahnsteiggleise gehören zur Anlage. Die Hauptbahn Bad Kleinen–Rostock verläuft ungefähr in West-Ost-Richtung, die Nebenbahn Wismar–Karow verlief von Nordwesten nach Südosten.
Nach Mecklenburgs erstem Eisenbahnanschluss über die Berlin-Hamburger Bahn 1846 wurde das regionale Netz Schritt für Schritt erweitert. 1847 ging die Strecke Hagenow–Schwerin in Betrieb, 1848 wurde sie bis Wismar verlängert. 1850 folgte die Strecke von Kleinen, dem späteren Bad Kleinen, nach Rostock; in Bützow zweigte die Verbindung nach Güstrow ab.
Der Weg über Blankenberg war keineswegs selbstverständlich. Eine direkte Trasse über Sternberg und Bützow hätte den Schweriner See am Paulsdamm queren müssen. Eine Strecke über Brüel scheiterte am Widerstand der Stadtverwaltung. Schließlich führte die Bahn über das damalige Dorf Blankenberg zwischen Brüel und Warin. Neben Schwaan und Bützow war Blankenberg einer von drei Zwischenhalten, die bereits bei der Streckeneröffnung eingerichtet wurden. Anfangs fuhren täglich zwei Zugpaare zwischen Rostock, Blankenberg und Kleinen.
Am 14. November 1887 wurde die Bahnstrecke Wismar–Karow eröffnet und kreuzte in Blankenberg die Hauptbahn. Für die Nebenbahn entstand ein eigener Bahnhof, der zeitweise Blankenberg Ost hieß. Aus dem Zwischenhalt wurde ein kleiner Eisenbahnknotenpunkt, wichtig für Umsteigeverbindungen nach Sternberg, Brüel, Warin und Neukloster. 1939 waren auf der Nebenbahn sieben bis acht Zugpaare täglich unterwegs, meist mit Anschlüssen an Personen- und Eilzüge der Hauptbahn. In den 1970er- und 1980er-Jahren hielten zeitweise sogar Schnellzüge in Blankenberg.
Zwischen Stellwerk, Denkmal und stillgelegter Strecke
1977 ging ein neues Gleisbildstellwerk in Betrieb und ersetzte mehrere ältere Stellwerke. Es steht nördlich der Hauptbahngleise. 1986 wurde die Hauptbahn elektrifiziert, auch der Nebenbahnbereich erhielt Fahrleitungen. In den 1980er-Jahren wurde zudem die Überführung der Strecke Wismar–Karow über die Strecke nach Bad Kleinen erneuert.
Nach der politischen Wende verschwanden in den 1990er-Jahren die Fernzughalte, während der Regionalverkehr vertaktet wurde. Der Personenverkehr auf der Strecke Wismar–Karow endete 1998. Der Abschnitt Blankenberg–Hornstorf beziehungsweise Wismar wurde am 23. September 1999 stillgelegt. Nach 2000 baute man die meisten Güter- und Nebengleise ab. Eine Gleisverbindung zwischen den beiden Strecken blieb erhalten, die Fahrleitungsmasten im Nebenbahnbereich wurden entfernt.
Heute bedient im Personenverkehr nur noch die Hauptbahn den Bahnhof: Der RE 1 fährt zwischen Rostock und Hamburg im Zweistundentakt, der RE 4 zwischen Lübeck und Szczecin ebenfalls im Zweistundentakt. Hinzu kommen einzelne Züge der RB 17 zwischen Rostock und Schwerin. Intercity-Züge halten nicht in Blankenberg. Auf der Strecke Wismar–Karow gibt es keinen Personenverkehr; nach Brüel, Sternberg und Warin geht es mit Bussen.
Ganz still ist die Nebenbahn dennoch nicht. Seit 2002 gibt es wieder Güterverkehr nach Sternberg und Dabel für die Biodieselfirma ecoMotion, der die Strecke gehört. Die Betriebsführung der Infrastruktur wurde an die Prignitzer Eisenbahn vergeben, den Güterverkehr betreibt die Eisenbahngesellschaft Potsdam.
Die Bahnhofsanlage besteht aus zwei getrennten Bereichen. Im Norden liegen die Anlagen der Hauptbahn Bad Kleinen–Rostock, im Süden jene der Nebenbahn Wismar–Karow. Dazwischen befindet sich der Bahnhofsplatz; an seiner Ostseite kreuzt die Bundesstraße 192 die Bahnstrecken. Beide Strecken besaßen jeweils ein eigenes Empfangsgebäude. Westlich des Platzes lagen die heute weitgehend abgebauten Güterverkehrsanlagen, eine Gleisverbindung und ein Wasserturm. Noch weiter westlich führte die inzwischen abgebaute Überführung der Strecke Wismar–Karow über die Strecke nach Bad Kleinen.
Das spätklassizistische Empfangsgebäude der Hauptbahn stammt aus der Eröffnungszeit. Sein Ostteil ist einstöckig und besitzt einen kleinen Turm, der Westteil ist zweistöckig. Beide Gebäudeteile haben ein Dachgeschoss. Ebenfalls aus dieser Zeit stammt die Anlage des Bahnhofsplatzes. Das dortige Postgebäude wurde später abgerissen beziehungsweise teilweise abgetragen; 2009 wurde es teilweise abgerissen.
Östlich des Bahnhofsplatzes standen ursprünglich ein Lokschuppen aus Fachwerk, eine Wasserstation mit Turm und ein Signalturm. Für den Personenverkehr gibt es an der Hauptbahn einen Mittelbahnsteig. Das Gleis am gesperrten Hausbahnsteig wird nur unregelmäßig für Durchfahrten genutzt.
Das Empfangsgebäude der Strecke Wismar–Karow wurde später als Wohngebäude genutzt, befindet sich heute in Privateigentum und wird im Stil der DDR saniert. Beide Empfangsgebäude stehen leer und werden nicht genutzt. Zusammen mit dem Wasserturm und mehreren Bahnarbeiterhäusern nördlich der Hauptstrecke stehen sie unter Denkmalschutz.
Modernisieren, ohne die Geschichte zuzudecken
Wie sich historische Bahnanlagen und neue Angebote verbinden lassen, zeigt auch ein anderes Beispiel aus Mecklenburg-Vorpommern. Am 25. November 2022 übergab Wirtschafts- und Verkehrsminister Reinhard Meyer in Bad Doberan einen Fördermittelbescheid an die Mecklenburgische Bäderbahn Molli GmbH. Im Bahnhof Kühlungsborn West baut das Unternehmen den bisherigen Fahrkartenschalter zu einem modernen Kundenzentrum um.
Geplant sind eine grundlegende Sanierung des Erdgeschosses, die Restaurierung des historischen Fahrkartenschalters im Stil der 1930er-Jahre und der Austausch der Bahnhofshallenbeleuchtung durch historische Kugellampen. Die Arbeiten hatten bereits begonnen; damals liefen Rohbauarbeiten, Stahlträger wurden eingezogen und die Elektrik vorinstalliert. Für das Vorhaben sind rund 548.000 Euro vorgesehen, das Wirtschaftsministerium unterstützt die Sanierung mit rund 150.000 Euro aus Haushaltsmitteln.
Die Mecklenburgische Bäderbahn Molli GmbH wurde am 1. Oktober 1995 gegründet und übernahm die 15,4 Kilometer lange Strecke zwischen Kühlungsborn und Bad Doberan von der Deutschen Bahn AG. Sie betreibt die Strecke mit neun Haltestellen sowie vier denkmalgeschützten Bahnhofsgebäuden mit Miet- und Ferienwohnungen, zwei gastronomischen Einrichtungen und einer eigenen Werkstatt. In Blankenberg fällt die Lösung nüchterner aus: weniger historische Fassade, dafür ein zugänglicher Bahnsteig, digitale Informationen und bald auch ein neuer Ort zum Warten.
