Heute, am 12. Oktober 2026, beginnt auf der Panoramabahn eine dreiwöchige Sperrpause: Zwischen Stuttgart-Vaihingen und dem Stuttgarter Hauptbahnhof fahren bis zum 30. Oktober 2026, 23.59 Uhr, keine Züge. Die vollständige Sperrung gilt seit 1 Uhr. Für Reisende bedeutet das vor allem eines: umsteigen, früher losfahren und den Fahrplan besser zweimal anschauen.

Die DB InfraGO erneuert auf dem Stuttgarter Abschnitt der Gäubahn Gleise und Oberbau. Auf rund 6,7 Kilometern werden Schienen ausgetauscht, auf mehr als acht Kilometern wird der Schotteroberbau durch Stopfarbeiten neu verdichtet. Die Arbeiten setzen die Instandhaltung fort, die bereits vom 24. April bis 22. Mai 2026 stattgefunden hatte. Damals wie heute bleibt vom Bahnbau im Alltag vor allem das Warten auf den Anschluss.

Gäubahnzüge starten in Vaihingen

Betroffen sind Zugverbindungen in Richtung Horb, Rottweil, Singen und Zürich. Die IC-Linie 87 zwischen Stuttgart, Horb, Singen und Zürich fährt während der Sperrung grundsätzlich nur zwischen Stuttgart-Vaihingen und Zürich. Der Stuttgarter Hauptbahnhof entfällt normalerweise als Start- und Zielbahnhof.

Einzelne Züge werden frühmorgens und spätabends ab Böblingen beziehungsweise zu Tagesrandzeiten zum Hauptbahnhof umgeleitet. Wegen dieser Umleitungen sind etwa 20 Minuten zusätzliche Fahrzeit einzuplanen: Die Züge fahren früher ab und kommen später an. Im Regionalverkehr entfallen die Fahrten der Linien RE 14a nach Rottweil, RE 14b nach Freudenstadt und RE 4 nach Konstanz zwischen Stuttgart Hauptbahnhof und Vaihingen. Bei einzelnen umgeleiteten Verbindungen entfällt der Halt in Stuttgart Vaihingen.

Zwischen Stuttgart-Vaihingen und dem Hauptbahnhof müssen Reisende auf die S-Bahn ausweichen. Dafür stehen die Linien S1, S2 und S3 zur Verfügung. Die S1 fährt wegen der in Vaihingen wendenden Gäubahnzüge nur alle 30 Minuten und kann dort außerdem nur eingeschränkt halten.

Zwischen Hauptbahnhof und Plochingen bleibt der 15-Minuten-Takt bestehen. Jede zweite Verbindung endet allerdings im oberirdischen Kopfbahnhof und fährt nicht über den Tiefbahnhof. Montags bis samstags ergänzen zusätzliche S-Bahn-Fahrten das Angebot zwischen Plochingen und Stuttgart Hauptbahnhof.

Busse in mehreren Nächten

Ganz ohne Schienenverkehr bleibt die Strecke in mehreren Nächten. In den Nächten vom 12. auf den 13. bis 15. auf den 16. Oktober sowie in der Nacht vom 18. auf den 19. Oktober werden S1, S2 und S3 zwischen Hauptbahnhof und Vaihingen zeitweise durch Busse ersetzt. Auch in Richtung Flughafen und Filderstadt fahren dann Ersatzbusse. Fahrräder können in diesen Bussen nicht mitgenommen werden – wer mit Rad und Gepäck unterwegs ist, sollte das lieber vorher wissen.

Die Bahn empfiehlt, sich vor Reiseantritt online über die aktuellen Verbindungen zu informieren. Das gilt besonders für die frühen und späten Züge, bei denen Umleitungen und geänderte Abfahrtszeiten schnell durcheinandergeraten können.

Warum die Panoramabahn länger gebraucht wird

Hintergrund der Arbeiten ist die verschobene Eröffnung von Stuttgart 21 und des Tiefbahnhofs. Weil die Gäubahn deshalb frühestens 2028 unterbrochen werden soll, muss die Panoramabahn länger als ursprünglich geplant in Betrieb bleiben. Sie ist der Abschnitt der Gäubahn von Stuttgart-Vaihingen in Richtung Norden.

Die Gäubahn führt von Stuttgart über Singen bis zur Schweizer Grenze und weiter nach Zürich. An ihrer Strecke liegen unter anderem Böblingen, Herrenberg, Horb, Sulz am Neckar, Rottweil und Tuttlingen. Der geplante Erhalt der Panoramabahn soll den Regionalbahnhof Stuttgart-Vaihingen direkt mit dem Stuttgarter Norden verbinden und perspektivisch Anschlüsse nach Feuerbach und Bad Cannstatt ermöglichen. Zugleich soll die Leistungsfähigkeit des Stuttgarter Bahnknotens steigen. Die Stadt Stuttgart beteiligt sich an einer Kooperation zum Erhalt und Weiterbetrieb der Panoramabahn in Richtung Feuerbach.

Langfristig bleibt die Gäubahn direkt an Stuttgart-Mitte beziehungsweise den Hauptbahnhof angebunden. Nach Fertigstellung der Führung über den Flughafen sollen die Gäubahnzüge in den neuen Tiefbahnhof fahren. Stuttgart 21 sieht dafür eine Strecke über den Flughafen vor, die den bisherigen Verlauf ersetzen und einen direkten Ausstieg am Flughafen ermöglichen soll. Im Rahmen eines Projekts des Bundes ist dafür der Bau des Pfaffensteigtunnels vorgesehen. Erst nach dessen Fertigstellung kann die neue Gäubahnführung in Betrieb gehen.

Übergang mit Umstieg in Vaihingen

Zwischen der Inbetriebnahme der S-Bahnstation Mittnachtstraße/Rosenstein im Juli 2032 und der Fertigstellung der Flughafenverbindung können Gäubahnzüge voraussichtlich etwa sieben Jahre lang nicht direkt den Hauptbahnhof erreichen. Ursache ist der Bau der S-Bahnstation Mittnachtstraße: Dafür werden Gleise zurückgebaut, die derzeit von Gäubahnzügen zum Hauptbahnhof genutzt werden.

Für diese Übergangszeit ist eine alternative Verbindung vorgesehen. Fahrgäste müssen in Stuttgart-Vaihingen umsteigen, häufig am selben Bahnsteig. Der Bahnhof wurde dafür zu einem leistungsfähigen Regionalbahnhof ausgebaut; in Richtung Hauptbahnhof soll ein dichter S-Bahn-Takt angeboten werden. Ein Umstieg soll im Durchschnitt alle drei bis vier Minuten möglich sein.

Das Bahnprojekt Stuttgart–Ulm umfasst Stuttgart 21 zur Neuordnung des Bahnknotens Stuttgart, die Neubaustrecke Wendlingen–Ulm, den Umbau des Stuttgarter Kopfbahnhofs zu einem Durchgangsbahnhof, rund 60 Kilometer neue Bahnstrecke, den Bahnhof Flughafen/Messe und die S-Bahnstation Mittnachtstraße. Der Stand dieser Informationen ist der 26. Juni 2026.

Nach der Inbetriebnahme des Durchgangsbahnhofs werden die heutigen Gleisflächen frei. Rund 85 Hektar sollen für den neuen Stadtteil Stuttgart Rosenstein zur Verfügung stehen. Der heutige Gleisbogen soll abgeflacht und in einen „Gleisbogenpark“ umgewandelt werden; rund 20 Hektar Parkerweiterung sollen Schlossgarten und Rosensteinpark verbinden.

Die Flächen sind laut Stadt kein privates Immobilienprojekt. Die Deutsche Bahn verkaufte sie 2001 an die Stadt Stuttgart. Sie sollen neuen Wohnraum mit hohem Anteil an gefördertem Wohnen ermöglichen. Der Rückbau der Gleisanlagen gilt als Voraussetzung für die Entwicklung des Stadtteils Stuttgart Rosenstein. Bis dahin wird auf der Panoramabahn weiter gebaut, gestopft und umgeleitet.