Bahnhof Blankenberg: Historisches Empfangsgebäude weicht neuer Mobilität geschniegelt
Am Bahnhof Blankenberg ist ein lange sichtbarer Schandfleck verschwunden: Das historische Empfangsgebäude am Gleis 3 wurde im Februar 2026 abgerissen. Zuvor hatte ein Brand im September 2025 das Haus stark beschädigt. Danach stürzten weitere Teile und schließlich das Dach ein.
Die schlechte Bausubstanz hatte bereits zuvor Folgen für den Bahnbetrieb. Das benachbarte Gleis wurde gesperrt, später galt das Gebäude nach weiteren Untersuchungen als einsturzgefährdet. Der Bereich musste abgesperrt werden. Heute ist die Abrissfläche geräumt und teilweise begrünt – viel offener wirkt der Bahnhof dadurch, auch wenn an dieser Stelle noch gearbeitet wird.
Warten, einsteigen, orientieren
Die Deutsche Bahn modernisiert derzeit den Empfangsbereich. Das alte Wetterschutzhaus mit seinen roten Balken wurde abgebaut. An seine Stelle kommt ein neues Wartehäuschen mit Sitzmöglichkeiten, energiesparender Beleuchtung und einem Fahrkartenautomaten. Freigegeben ist es noch nicht, und auch der Automat fehlt derzeit. Der elektrische Anschluss wird vorbereitet; die Inbetriebnahme des Automaten ist für Ende Oktober 2026 geplant.
Bis dahin bleibt nur der digitale Weg oder der Kauf direkt im Zug: Fahrgäste sollen ihre Tickets online oder an Bord erwerben. Seit Mai stehen auf dem Bahnsteig moderne digitale Anzeigetafeln. Der frühere dynamische Schriftanzeiger wurde ersetzt. Ein digitaler Aushang, der kurz nach seiner Installation beschädigt worden war, ist inzwischen repariert und liefert zusätzliche Informationen.
Zwischen dem Wartehäuschen und den Schranken wurde außerdem ein taktiles Bodenleitsystem für blinde und sehbehinderte Reisende eingerichtet. Kleine Bausteine, die im Alltag den Unterschied machen können. Auf der Fläche des ehemaligen Bahnhofsgebäudes soll später eine Wiesenfläche als ökologische Ausgleichsfläche entstehen. Das passt zum Titel „Naturpark-Bahnhof“.
Ein Knotenpunkt mit langer Geschichte
Der Bahnhof Blankenberg (Meckl) liegt im Dorf Blankenberg im Nordwesten des Landkreises Ludwigslust-Parchim, in der Gemeinde Blankenberg im Amt Sternberger Seenlandschaft. Warin befindet sich etwa vier Kilometer nördlich, Brüel etwa vier Kilometer südlich. Eröffnet wurde der Bahnhof am 13. Mai 1850. Damit gehört er zu den ältesten Bahnhöfen in Mecklenburg-Vorpommern.
Heute ist Blankenberg ein Kreuzungsbahnhof in Durchgangsbauform mit vier Bahnsteiggleisen. Die Betriebsstellenabkürzung lautet WBL, die IBNR 8010051, die Preisklasse 6. Hier treffen die Strecken Bad Kleinen–Rostock und Wismar–Karow aufeinander. Die Hauptbahn verläuft ungefähr in West-Ost-Richtung, die Nebenbahn führte in Nordwest-Südost-Richtung.
Der Weg hierher war nicht selbstverständlich. Nach Mecklenburgs erstem Eisenbahnanschluss über die Berlin-Hamburger Bahn im Jahr 1846 wurde das Netz zügig erweitert: 1847 ging die Strecke Hagenow–Schwerin in Betrieb, 1848 wurde sie bis Wismar verlängert, und 1850 folgte die Verbindung von Kleinen, dem späteren Bad Kleinen, nach Rostock mit einem Abzweig in Bützow nach Güstrow.
Für die Strecke nach Rostock waren mehrere Trassen im Gespräch. Eine direkte Verbindung über Sternberg und Bützow hätte den Schweriner See über den Paulsdamm queren müssen. Eine Variante über Brüel scheiterte am Widerstand der Stadtverwaltung. Schließlich führte die Strecke über das damalige Dorf Blankenberg zwischen Brüel und Warin. Neben Schwaan und Bützow war Blankenberg einer von drei Zwischenhalten, die schon bei der Streckeneröffnung eingerichtet wurden. Anfangs fuhren täglich zwei Zugpaare zwischen Rostock, Blankenberg und Kleinen.
Am 14. November 1887 wurde die Bahnstrecke Wismar–Karow eröffnet und kreuzte die Hauptbahn in Blankenberg. Für sie entstand ein eigener Bahnhof, der zeitweise Blankenberg Ost genannt wurde. Der Ort entwickelte sich damit zu einem kleinen Eisenbahnknotenpunkt, vor allem für Umsteigeverbindungen nach Sternberg, Brüel, Warin und Neukloster. 1939 fuhren auf der Nebenbahn sieben bis acht Zugpaare täglich, meist mit Anschlüssen an Personen- und Eilzüge der Hauptbahn. In den 1970er- und 1980er-Jahren hielten zeitweise sogar Schnellzüge in Blankenberg.
Zwischen Stellwerk, Wasserturm und Denkmal
1977 ging ein neues Gleisbildstellwerk in Betrieb, das mehrere ältere Stellwerke ersetzte. Es steht nördlich der Hauptbahngleise. 1986 wurde die Hauptbahn elektrifiziert; auch der Nebenbahnbereich erhielt Fahrleitungen. In den 1980er-Jahren wurde zudem die Überführung der Strecke Wismar–Karow über die Strecke nach Bad Kleinen erneuert.
Nach der politischen Wende verschwanden in den 1990er-Jahren die Fernzughalte, während der Regionalverkehr vertaktet wurde. Der Personenverkehr auf der Strecke Wismar–Karow endete 1998. Am 23. September 1999 wurde der Abschnitt Blankenberg–Hornstorf beziehungsweise Wismar stillgelegt. Nach 2000 baute man die meisten Güter- und Nebengleise ab. Erhalten blieb eine Gleisverbindung zwischen den beiden Strecken; die Fahrleitungsmasten im Nebenbahnbereich wurden entfernt.
Der Bahnhof besteht aus zwei getrennten Bereichen. Im Norden liegen die Anlagen der Hauptbahn Bad Kleinen–Rostock, im Süden jene der Nebenbahn Wismar–Karow. Dazwischen befindet sich der Bahnhofsplatz. An seiner Ostseite kreuzt die Bundesstraße 192 die Bahnstrecken. Westlich lagen die heute weitgehend abgebauten Güterverkehrsanlagen, eine Gleisverbindung und ein Wasserturm. Noch weiter westlich führte die inzwischen abgebaute Überführung der Strecke Wismar–Karow über die Strecke nach Bad Kleinen.
Beide Strecken besaßen eigene Empfangsgebäude. Das spätklassizistische Empfangsgebäude der Hauptbahn stammt aus der Eröffnungszeit: Der Ostteil ist einstöckig und hat einen kleinen Turm, der Westteil ist zweistöckig. Beide Gebäudeteile verfügen über ein Dachgeschoss. Ebenfalls aus dieser Zeit stammt die Anlage des Bahnhofsplatzes. Das dortige Postgebäude wurde später abgerissen beziehungsweise teilweise abgetragen; 2009 erfolgte ein teilweiser Abriss.
Östlich des Bahnhofsplatzes standen ursprünglich ein Lokschuppen aus Fachwerk, eine Wasserstation mit Turm und ein Signalturm. Das zweistöckige Empfangsgebäude der Nebenbahn wurde später als Wohngebäude genutzt. Es befindet sich heute in Privateigentum und wird im Stil der DDR saniert. Beide Empfangsgebäude, der Wasserturm und mehrere Bahnarbeiterhäuser nördlich der Hauptstrecke stehen unter Denkmalschutz. Beide Empfangsgebäude stehen leer und werden nicht genutzt.
Für den Personenverkehr gibt es an der Hauptbahn einen Mittelbahnsteig. Das Gleis am gesperrten Hausbahnsteig wird nur unregelmäßig für Durchfahrten genutzt. Wer heute mit der Bahn kommt, nimmt im Personenverkehr die Hauptbahn: Der RE 1 fährt zwischen Rostock und Hamburg im Zweistundentakt, der RE 4 zwischen Lübeck und Szczecin ebenfalls im Zweistundentakt. Dazu kommen einzelne Züge der RB 17 zwischen Rostock und Schwerin. Intercity-Züge halten nicht in Blankenberg.
Auf der Strecke Wismar–Karow gibt es keinen Personenverkehr. Nach Brüel, Sternberg und Warin geht es mit Bussen. Güterverkehr nach Sternberg und Dabel gibt es dagegen seit 2002 wieder – für die Biodieselfirma ecoMotion, der die Strecke gehört. Die Betriebsführung der Infrastruktur wurde an die Prignitzer Eisenbahn vergeben, den Güterverkehr betreibt die Eisenbahngesellschaft Potsdam.
Sanieren, erhalten, neu anfangen
Der Blankenberger Bahnhof zeigt gerade zwei Seiten des Umgangs mit alten Bahnanlagen: Ein einsturzgefährdetes Gebäude musste weichen, während andere historische Teile bleiben und teils aufwendig erhalten werden. In Mecklenburg-Vorpommern gibt es dafür weitere Beispiele. Am 25. November 2022 übergab Wirtschafts- und Verkehrsminister Reinhard Meyer in Bad Doberan einen Fördermittelbescheid an die Mecklenburgische Bäderbahn Molli GmbH.
Die Molli GmbH baut den bisherigen Fahrkartenschalter im Bahnhof Kühlungsborn West zu einem modernen Kundenzentrum um. Vorgesehen sind eine grundlegende Sanierung des Erdgeschosses, die Restaurierung des historischen Fahrkartenschalters im Stil der 1930er-J
