Bahnsteig in Bad St. Peter Süd: Warum die Planung mehr kostete als ein ganzer Bahnsteig in Deezbüll
Ein 75 Meter langer Bahnsteig in Bad St. Peter Süd hat die Deutsche Bahn InfraGO rund 1,7 Millionen Euro gekostet. Zum Vergleich: Die Norddeutsche Eisenbahngesellschaft (NEG) baute in Deezbüll einen 50 Meter langen Bahnsteig für etwa 400.000 Euro. Macht einen Unterschied von rund 1,3 Millionen Euro – obwohl der kürzere Bahnsteig nicht unter völlig anderen Bedingungen entstand.
Besonders ins Auge fällt der Anteil für die Planung. In Bad St. Peter Süd entfielen laut dem zugrunde liegenden Artikel knapp 640.000 Euro, also etwa 38 Prozent der Gesamtkosten, darauf. Beim NEG-Projekt in Deezbüll lag der Planungsanteil bei etwa elf Prozent. Anders gesagt: Allein die Planung in Bad St. Peter Süd kostete mehr als der gesamte Bahnsteig in Deezbüll.
Viele Erklärungen, wenig Konkretes
Experten hatten der Deutschen Bahn strukturelle Fehlanreize und umfangreiche Bürokratie vorgeworfen. Die DB beantwortete einen Fragenkatalog zum konkreten Projekt allerdings erst nach drei Wochen. Zu den tatsächlichen Kosten, den enthaltenen Leistungen und einzelnen Kostenpositionen erklärte der Konzern, er äußere sich nicht zu Einzelprojekten.
Damit bestätigte oder korrigierte die Bahn weder die Gesamtkosten von rund 1,7 Millionen Euro noch die Planungskosten von knapp 640.000 Euro. Auch die Aussage, die DB erhalte bei Neubauten und Generalsanierungen 25 bis 30 Prozent der Bausumme für Planung und Bauaufsicht, ordnete sie nicht konkret ein.
Allgemein verwies die DB auf technische Komplexität, gesetzliche Anforderungen im Umwelt-, Natur- und Lärmschutz sowie lange Planungszeiten. Nachträgliche Änderungen von Gesetzen oder Rahmenbedingungen könnten Projekte zusätzlich verteuern. Dazu kämen gestiegene Baupreise infolge der Corona-Pandemie und des Ukraine-Kriegs.
Bauleistungen würden grundsätzlich im Wettbewerb vergeben, erklärte die Bahn. Ihre internen DB-Regelwerke verteidigte sie mit Sicherheits- und Zuverlässigkeitsanforderungen. Welche dieser Faktoren in Bad St. Peter Süd tatsächlich zu den hohen Kosten führten, legte der Konzern nicht offen. Genau da bleibt die Frage hängen – und zwar ziemlich hartnäckig.
Vergleich trotz unterschiedlicher Bauabläufe
Der NEG-Bahnsteig in Deezbüll entstand während des laufenden Betriebs. Die DB konnte den Großteil ihrer Arbeiten in Bad St. Peter Süd dagegen während einer Streckensperrung erledigen. Das klingt zunächst nach einem deutlichen Unterschied. Der Nahverkehrsverbund Schleswig-Holstein stellte dennoch eine weitgehende Vergleichbarkeit der beiden Projekte fest.
Das Bundesverkehrsministerium (BMV) erklärte, ihm sei der konkrete Kostenvergleich nicht bekannt. Auch systematische Vergleiche zwischen Projekten der DB InfraGO und Vorhaben nichtbundeseigener Eisenbahnen seien dem Ministerium nicht bekannt.
Der Bund kontrolliert einen Teil der DB-Projekte erst nach deren Abschluss. Grundlage sind Stichproben im Rahmen der Leistungs- und Finanzierungsvereinbarung III. Vergabeverstöße und unwirtschaftliches Handeln könnten geahndet werden. Wie häufig solche Stichproben zu Beanstandungen führen oder anhand welcher Maßstäbe ungewöhnlich hohe Kosten ohne systematische Vergleichswerte erkannt werden, dazu machte das BMV keine Angaben.
Forderungen nach Kontrolle vor Baubeginn
Der Verkehrsökonom Alexander Eisenkopf forderte unabhängige Kontrollen vor Projektbeginn, Kostenobergrenzen und mehr Transparenz. Fachleute schlugen außerdem eine stärkere Trennung von Infrastrukturbetrieb sowie Planungs- und Bauleistungen vor. Auch häufigere öffentliche Ausschreibungen wurden als Möglichkeit genannt.
Das BMV betonte, allein die DB InfraGO sei Auftraggeberin von Planungs- und Bauleistungen. Der Bund vergebe diese Leistungen nicht selbst. Wegen der Rechtsform als Aktiengesellschaft habe das Ministerium nach eigener Darstellung keine direkten Einflussmöglichkeiten auf das unternehmerische Handeln der DB InfraGO.
Als mögliche Alternative nannte das Ministerium eine bundeshoheitliche Vergabe und Beauftragung über eine weisungsgebundene Gesellschaft nach dem Vorbild der Autobahn GmbH. Eine konkrete Prüfung oder Reform kündigte das BMV jedoch nicht an.
So bleiben die Stellungnahmen zum konkreten Projekt auffällig lückenhaft. Die DB nennt allgemeine Gründe für hohe Infrastrukturkosten, sagt aber nicht, welche davon in Bad St. Peter Süd entscheidend waren. Das BMV kennt weder den konkreten Kostenvergleich noch systematische Vergleichswerte. Und offen bleibt weiterhin, warum die Planung für den 75 Meter langen Bahnsteig allein mehr kostete als der gesamte 50 Meter lange Bahnsteig in Deezbüll.
Die zusätzlich bereitgestellte Quelle der DB InfraGO zum Dokument „TPS 2025 – Neuerungen und Entgeltdynamisierung“ bringt für diese Einordnung keine weiteren Sachangaben: Der Inhalt besteht aus rohen, komprimierten PDF-Datenstrukturen im Format %PDF-1.7 und Binärdaten. Ein lesbarer Nachrichtenartikel oder extrahierbarer Text ist darin nicht enthalten. Eine sachliche Zusammenfassung lässt sich daraus daher nicht erstellen.
Für den Bahnbau in Deutschland bleibt damit vor allem eine praktische Kontrollfrage im Raum: Wenn Projekte von DB InfraGO und nichtbundeseigenen Eisenbahnen weitgehend vergleichbar sind, müssten belastbare Vergleichsdaten eigentlich vor dem ersten Spatenstich auf dem Tisch liegen – nicht erst, wenn der Bahnsteig längst fertig ist und die Rechnung schon im Haus liegt.
