Bahnstrecke Angermünde–Stettin: Leit- und Sicherheitstechnik verschiebt Grenzausbau auf 2028
Der Ausbau der Bahnstrecke zwischen Angermünde und Stettin gerät erneut ins Stocken. Die Fertigstellung des Abschnitts zwischen Angermünde und der deutsch-polnischen Grenze soll sich um ein weiteres Jahr verschieben – auf Dezember 2028. Das berichtete der rbb am Montag unter Berufung auf einen Sprecher der Deutschen Bahn.
Als Grund nennt die Bahn Kapazitätsengpässe bei Leistungen der Leit- und Sicherheitstechnik. Ursprünglich sollte die Strecke bereits Ende 2025 fertiggestellt sein. Der Termin wurde mehrfach verschoben, zuletzt auf Ende 2027. Frühere Verzögerungen hatten mit dem Fachkräftemangel in der Bauindustrie und fehlenden Naturschutzgutachten zu tun.
Zweiter Bauabschnitt zwischen Passow und Stettin
Die Bauarbeiten an der Strecke laufen seit 2021. Der erste Abschnitt zwischen Angermünde und Passow wurde Ende 2025 fertiggestellt. Seit Juli 2026 wird am zweiten Abschnitt gearbeitet: zwischen Passow und der deutsch-polnischen Grenze. Mit ihm soll die Gesamtstrecke von Angermünde nach Stettin in Betrieb gehen.
Die Deutsche Bahn startete die Hauptarbeiten am 2. Juli 2026. Der rund 30 Kilometer lange Abschnitt wird zweigleisig ausgebaut und erstmals elektrifiziert. Nach den Angaben der Bahn war die Inbetriebnahme des deutschen Streckenabschnitts bis zur Grenze Deutschland/Polen für Ende 2027 vorgesehen. Genau dieser Termin steht nun wegen der Verzögerung bei der Leit- und Sicherheitstechnik unter Druck.
Zum aktuellen Stand der Arbeiten machte die Deutsche Bahn am Montag keine Angaben. Laut rbb wollte sie sich am Dienstag dazu äußern. In einer früheren Mitteilung hatte die DB erklärt, die Arbeiten lägen im Zeitplan und die Inbetriebnahme des deutschen Abschnitts bis zur Grenze bleibe für Ende 2027 vorgesehen.
Mehr Gleise, Oberleitungen und ein neuer Bahnhof
Der Abschnitt zwischen Passow und der Grenze ist derzeit eingleisig und nicht elektrifiziert. Die DB verlegt ein zweites Gleis und installiert Oberleitungen. Künftig sollen dort Geschwindigkeiten von bis zu 160 km/h möglich sein. Mehr Züge können dann gleichzeitig verkehren, Verspätungen sollen abnehmen und die Fahrpläne stabiler werden.
Elektrische Züge könnten außerdem eingesetzt werden, wodurch die lokalen Emissionen entlang der Strecke sinken. Auf der Baustelle werden unter anderem bereits Maste für die Oberleitungen aufgestellt. Auch die Gründungen für Schallschutzwände werden vorbereitet – viel Stahl, Beton und Bewegung neben den Gleisen.
Rund um den Bahnhof Passow wird die Baustelle nun ausgeweitet. Erste Arbeiten laufen dort bereits seit Oktober 2025. Geplant sind ein neuer Mittelbahnsteig und eine Fußgängerbrücke mit Aufzug. Der Bahnhof soll dadurch barrierefrei erreichbar werden; Kinderwagen, Fahrräder, Gepäck und Rollstühle lassen sich dann leichter über die Anlage bewegen.
Güterzüge fahren trotz Bauarbeiten weiter
Die Strecke ist nicht nur für Pendler wichtig. Sie wird auch von Güterzügen zur Raffinerie PCK in Schwedt genutzt. Während der Bauarbeiten verkehren diese Züge weiterhin zur Raffinerie und zurück.
Der zweigleisige Ausbau und die Elektrifizierung sollen die Leistungsfähigkeit der Verbindung erhöhen und den Schienengüterverkehr stärken. Davon könnten auch Straßen und Ortschaften entlastet werden, wenn mehr Transporte auf der Schiene bleiben oder dorthin wechseln. Bis die neue Technik zuverlässig funktioniert, bleibt für Pendler und Anwohner allerdings erst einmal die Frage, wann genau der Zug tatsächlich fährt – und wann die Baustelle fertig wird.
