Wer am 13. Oktober 2026 zwischen Magdeburg und Halberstadt mit der Bahn unterwegs ist, muss genauer hinsehen. Die Strecke ist zwar wieder befahrbar, doch die Bauarbeiten und ihre Folgen reichen in den Fahrplan hinein: Die Deutsche Bahn modernisiert vielerorts gleichzeitig ihr Netz, und gerade bei kurzfristigen Änderungen kann aus einer normalen Zugfahrt schnell ein Umstieg mit Bus, Wartezeit und Fragezeichen werden.

Auslöser der Sperrung zwischen Magdeburg und Halberstadt waren Brückenarbeiten. Seit Dienstag, 11. August 2026, 3 Uhr, war der Abschnitt zunächst für sechs Wochen gesperrt. Der ursprünglich angekündigte Zeitraum reichte bis einschließlich 27. September. Nach Angaben der Deutschen Bahn blieb die Strecke zwischen Dodendorf und Halberstadt voraussichtlich bis zum Betriebsbeginn am 22. September gesperrt; anschließend sollte der Abschnitt Oschersleben–Halberstadt voraussichtlich bis zum 27. September geschlossen bleiben.

Umsteigen in Dodendorf, Direktbus über die B 81

Während der Sperrung fuhren die Züge zunächst nur zwischen Magdeburg und Dodendorf in der Börde. In Dodendorf mussten Reisende nach etwa fünf Minuten in Busse umsteigen. Zusätzlich waren stündliche Express- beziehungsweise Direktbusse zwischen Magdeburg und Halberstadt unterwegs. Sie fuhren ohne Zwischenhalt über die B 81, verlängerten die Reisezeit aber um etwa 30 Minuten.

Für Nienhagen galt eine eigene Lösung: Fahrgäste mussten zunächst nach Halberstadt fahren und dort in einen stündlichen Pendelbus umsteigen. Nach den Angaben der Deutschen Bahn verband ein Kleinbus Nienhagen mit Halberstadt. Die stündlichen Busse zwischen Dodendorf und Halberstadt hielten an allen Unterwegsbahnhöfen – außer in Nienhagen.

Betroffen waren die Linien RE11, RE21, RE31, RB43 und HBX. Züge zwischen Dodendorf und Magdeburg sollten weiterhin verkehren. Auf dem Papier klang das machbar. In der Praxis holperte es am ersten Tag allerdings ordentlich.

Erster Morgen mit Ausfällen und ratlosen Fahrgästen

Ein MDR-Reporter testete den Ersatzverkehr am Dienstagmorgen. Der Zug um 5:42 Uhr ab Magdeburg nach Dodendorf fiel aus. Rund 20 weitere Reisende standen ebenfalls ohne Verbindung da. Erst nach 20 Minuten wurde die Fahrt offiziell gestrichen.

Der Reporter nahm anschließend einen Linienbus nach Dodendorf. Dort warteten weder Ersatzbusse nach Halberstadt noch Züge aus Magdeburg. Auch in Dodendorf standen Fahrgäste vergeblich auf dem Bahnsteig und hofften auf Züge in Richtung Magdeburg. Ein bisschen Bahnhofsatmosphäre, nur ohne den Teil, in dem tatsächlich ein Zug kommt.

Nach MDR-Angaben funktionierte der angekündigte Ersatzverkehr am ersten Tag offenbar noch nicht vollständig. Eine Anfrage des MDR an die Deutsche Bahn blieb zunächst unbeantwortet. Die genauen Fahrzeiten waren in den Bahn-Apps zunächst ebenfalls noch nicht abrufbar und sollten am Mittwoch eingespielt werden.

Die Bahn erklärte, kurzfristige Änderungen an der Baulogistik hätten dazu geführt, dass die Sperrung vom Abschnitt Oschersleben–Halberstadt auf Dodendorf–Halberstadt verlegt wurde. Die dafür notwendige Anpassung der Zug- und Busfahrpläne führte am 11. August zu Problemen beim Ersatzverkehr und bei der Fahrgastinformation. Auch die Aktualisierung der Fahrplandaten in den Auskunftsmedien verzögerte sich. In der Nacht zum 12. August sollten die Auskunftsmedien aktualisiert werden; ab diesem Tag sollten alle Fahrten des angepassten Ersatzverkehrs stattfinden.

Neue Brücke in Groß Quenstedt

Gebaut wurde in Groß Quenstedt im Landkreis Harz. Die DB InfraGO erneuerte dort die Eisenbahnüberführung über den Irrlandgraben. Die bestehende Brücke hatte das Ende ihrer technischen Nutzungsdauer erreicht. Der Neubau soll die Leistungsfähigkeit der Eisenbahninfrastruktur langfristig sichern.

Solche Arbeiten sind für Reisende selten bequem, für das Netz aber notwendig. Genau darin liegt der kleine Haken: Während eine Brücke erneuert wird, müssen Busse einspringen, Fahrpläne umgebaut und Informationen gleichzeitig in Apps, Anzeigen und Auskunftssysteme gebracht werden. Wenn eine Änderung kurzfristig kommt, reicht manchmal schon ein falscher Abschnitt im Fahrplan, und am Bahnsteig wird es still.

2026 wird zum Baustellenjahr

Die Sperrung bei Magdeburg und Halberstadt steht nicht allein. Die Deutsche Bahn modernisiert das deutsche Schienennetz; dafür sind Großbaustellen, Streckensperrungen und Fahrplanänderungen nötig. Mehr als 40 wichtige Teilstrecken sollen bis 2036 monatelang gesperrt und grundlegend saniert werden. Die Generalsanierung dauert voraussichtlich mindestens fünf Jahre länger als ursprünglich geplant. Für Millionen Fahrgäste sind deshalb langfristige Einschränkungen im Fernverkehr zu erwarten.

Schon 2026 liegen Baustellen quer durchs Land. In Dresden wird vom 9. Februar bis 6. November ein neues Kreuzungsbauwerk am Hauptbahnhof gebaut. IC-Züge von und nach Chemnitz werden zwischen Dresden-Neustadt und Freiberg umgeleitet, der Halt Dresden Hauptbahnhof entfällt.

In Berlin laufen die Arbeiten vom 14. Juni bis 12. Dezember in zwei Phasen: vom 14. Juni bis 1. Oktober sowie vom 2. Oktober bis 12. Dezember. Fernzüge halten am Berliner Hauptbahnhof nur im unterirdischen Teil, einige ICE-Verbindungen fallen aus. In der ersten Phase fahren mindestens stündliche ICE-Züge zwischen Berlin und NRW, ohne Halt am Ostbahnhof. Die Verbindung Berlin–Frankfurt über Kassel bleibt stündlich bestehen, ebenfalls ohne Ostbahnhof. Züge nach Polen fahren zweistündlich über Berlin-Gesundbrunnen und halten weder am Hauptbahnhof noch am Ostbahnhof.

In der zweiten Berliner Phase werden ICE-Züge zwischen NRW und Berlin über Braunschweig umgeleitet; die Fahrzeit verlängert sich um 60–80 Minuten. Berlin-Spandau und Ostbahnhof entfallen als Halte. Direkte Verbindungen Berlin–Frankfurt über Kassel gibt es dann nicht, stattdessen fährt Ersatzverkehr über Erfurt mindestens stündlich. Die Polen-Verbindungen bleiben zweistündlich und nutzen Berlin-Gesundbrunnen.

Auf der Strecke Regensburg–Passau läuft vom 14. Juni bis 13. Dezember eine Generalsanierung. Zwischen Regensburg, Passau und Wels verkehren monatelang keine Fernverkehrszüge. Die Halte Passau, Plattling und Straubing entfallen vollständig, in Regensburg gibt es nur ein eingeschränktes Angebot. Umleitungen führen über Salzburg, Simbach am Inn und Mühldorf. Zahlreiche Züge zwischen Nürnberg beziehungsweise Regensburg und Wien fallen aus. Ersatzbusse mit Reservierungspflicht fahren auf der Relation Passau–Nürnberg bis 31. Juli und auf Passau–Regensburg ab 1. August. Das Angebot München–Wien über Salzburg und Simbach wird ausgeweitet, die Züge zwischen München, Nürnberg und Wien sind bis zu 15 Minuten länger unterwegs.

Zwischen Köln und Wiesbaden wird vom 10. Juli bis 12. Dezember gearbeitet. Zwischen Troisdorf und Wiesbaden werden Gleise, Weichen, Oberleitungen, Brücken und mehrere Bahnhöfe erneuert. Güterzüge werden unter anderem über die linke Rheinstrecke umgeleitet. Zwischen Köln, Bonn, Koblenz und Mainz bleibt nur ein ICE pro Richtung und Stunde, weitere Fernzüge fallen teilweise aus. Remagen und Andernach werden nur vereinzelt bedient.

Am Knoten Erfurt dauern die Brückenarbeiten vom 31. Juli bis 30. September. Das Fernverkehrsangebot zwischen Berlin, Erfurt, Nürnberg, Augsburg und München wird reduziert. Auf der Strecke Berlin–Erfurt–Nürnberg–München fahren etwa drei Viertel der regulären Züge, je Richtung drei Züge in zwei Stunden. Die ICE-Linie 18 verkehrt nur zwischen Hamburg-Altona und Berlin. Büchen, Ludwigslust und Wittenberge werden ersatzweise alle zwei Stunden von anderen Fernzügen bedient. Zwischen Nürnberg und München gibt es Ersatzzüge mit Halten in Donauwörth, Augsburg und München-Pasing; bei Reisen von und nach Berlin kann ein zusätzlicher Umstieg in Nürnberg nötig sein.

Auch Magdeburg–Berlin ist vom 4. bis 30. September betroffen. Arbeiten an der Leit- und Sicherungstechnik führen zu Umleitungen und Teilausfällen. Bei mehreren ICE- und IC-Verbindungen entfallen Halte in Brandenburg, Potsdam und Berlin-Wannsee, teilweise sind auch Magdeburg, Braunschweig und Berlin-Charlottenburg betroffen. IC-Züge von und nach Norddeich Mole werden zunächst über Stendal und Berlin-Spandau umgeleitet, die Fahrzeit verlängert sich um rund 25 Minuten. Ab 19. beziehungsweise 20. September beginnen oder enden einzelne IC-Züge bereits in Magdeburg. Das ICE-Zugpaar Berlin–Köln wird überwiegend zwischen Potsdam und Braunschweig umgeleitet.

Vom 7. bis 26. September stehen Weichen- und Oberleitungsarbeiten zwischen Hannover und Göttingen an. Mehrere Fernverkehrsverbindungen fallen aus, die ICE-Linien 3 und 4 entfallen auf ihrem gesamten Laufweg. Zwischen Hamburg beziehungsweise Hannover und Frankfurt oder München bestehen weiterhin mindestens stündliche Verbindungen. Auf Kassel–Gießen–Frankfurt fahren nur einzelne Fernzüge. Die ICE-Linie 26 verkehrt nur zwischen Bremen und Hannover. Damit entfallen unter anderem Halte in Göttingen, Kassel-Wilhelmshöhe, Marburg, Gießen, Frankfurt, Darmstadt, Heidelberg und Karlsruhe.

Zwischen Stralsund und Berlin führen Gleis- und Brückenarbeiten vom 11. September bis 2. Oktober zu Einschränkungen. Die ICE-Linie 15 wird vom 14. bis 19. September zwischen Stralsund und Berlin umgeleitet. Eberswalde, Prenzlau, Anklam, Züssow und Greifswald verlieren ihre Halte, Ersatzhalt ist Neustrelitz. Auch am 11. September sowie vom 20. September bis 2. Oktober werden einzelne ICE-Züge umgeleitet. In Greifswald gilt insgesamt ein reduziertes Zugangebot.

Auf Jena–Gera entfallen vom 21. September bis 12. Dezember wegen Arbeiten an Bahnsteigen die IC-Züge der Linie 51 Köln–Gera auf dem gesamten Laufweg. Die ICE-Züge der Linie 51 Köln–Leipzig verkehren weiterhin planmäßig.

Vom 2. Oktober bis 12. Dezember wird zwischen Hannover und Berlin an Gleisen, Oberleitungen sowie Leit- und Sicherungstechnik gearbeitet. In Wolfsburg entfallen alle Fernverkehrshalte. Auch in Stendal, Helmstedt, Hildesheim, Köthen, Bremen und Berlin Ostbahnhof wird das Angebot reduziert. Zwischen NRW, Hannover und Berlin fahren weiterhin mindestens stündliche ICE-Züge, aber mit 60–80 Minuten längerer Fahrzeit. Zwischen Amsterdam und Berlin gibt es ICE-Verbindungen alle vier Stunden, die Fahrzeit verlängert sich um etwa 70 Minuten. Zahlreiche Züge werden umgeleitet, Ersatzhalte gibt es unter anderem in Braunschweig, Magdeburg, Potsdam, Wittenberge und Ludwigslust. Direkte ICE-Verbindungen Frankfurt–Kassel–Berlin entfallen, das Angebot über Erfurt wird ausgebaut. Hannover–Leipzig wird nur noch im Zweistundentakt bedient.

Brückenarbeiten zwischen Duisburg/Essen und Oberhausen sorgen vom 9. bis 30. Oktober für Umleitungen, längere Fahrzeiten sowie Halt- und Teilausfälle. In Oberhausen entfallen alle Fernverkehrshalte, in Duisburg halten nur einzelne Fernzüge. Essen und Bochum verlieren zahlreiche Direktverbindungen. Zwischen Essen, Bochum, Dortmund und Berlin fahren weiterhin stündliche ICE-Züge, von Köln beziehungsweise Düsseldorf gibt es mindestens zweistündliche Direktverbindungen nach Berlin. Zwischen Köln beziehungsweise Dortmund und Hamburg bleibt ein stündliches Angebot bestehen. Verbindungen nach Süddeutschland fahren grundsätzlich weiter; Reisende aus Essen oder Bochum müssen häufig in Dortmund umsteigen. Je nach Verbindung verlängert sich die Fahrzeit um bis zu 30 Minuten. Ersatzhalte liegen unter anderem in Wuppertal, Hagen, Gelsenkirchen und Herne-Wanne-Eickel.

Die Schienenerneuerung Nürnberg–München vom 30. Oktober bis 12. Dezember bringt Umleitungen und Zugausfälle. Zwischen Nürnberg und München fahren höchstens zwei Züge pro Stunde, die Fahrzeit verlängert sich um etwa 30 Minuten. In Ingolstadt und München Hauptbahnhof halten weniger Züge. Zusätzliche Einschränkungen entstehen durch die Generalsanierung Nürnberg–Regensburg, unter anderem durch Umleitungen über Ingolstadt. Fahrten Richtung Österreich dauern länger.

Vom 9. bis 16. November ist außerdem die Strecke Oberhausen–Arnheim wegen des dreigleisigen Ausbaus eingeschränkt. Die ICE-Verbindung zwischen NRW und Amsterdam wird beeinträchtigt. ICE-Linie 78 fährt zwischen Köln und Utrecht eine Umleitung, die Reise dauert rund 30 Minuten länger. Die Halte in Düsseldorf, Duisburg, Oberhausen und Arnhem entfallen, Ersatzhalte sind Mönchengladbach und ’s-Hertogenbosch.

Baustellenkalender reicht bis 2036

Auch nach 2026 wird das Netz nicht zur Ruhe kommen. Für 2027 sind Rosenheim–Salzburg vom 5. Februar bis 9. Juli, Lehrte–Berlin vom 5. Februar bis 10. Dezember, Bremerhaven–Bremen vom 9. Juli bis 10. Dezember sowie Fulda–Hanau vom 16. August 2027 bis 30. Januar 2028 vorgesehen.

2028 folgen Köln–Koblenz beziehungsweise Koblenz–Mainz, München–Rosenheim, Hagen–Unna–Hamm und Lübeck–Hamburg. Für 2029 stehen Hamburg–Hannover, Würzburg–Ansbach–Treuchtlingen, Forbach–Ludwigshafen und Aachen–Köln auf dem Plan. 2030 sind Stuttgart–Ulm, Stendal–Magdeburg, Uelzen–Stendal und Frankfurt–Heidelberg vorgesehen.

Im Jahr 2031 geht es um Mannheim–Karlsruhe, Lehrte–Groß Gleidingen, Bremen–Hamburg und Würzburg–Nürnberg. 2032 folgen Bebra–Erfurt, Bebra–Fulda, Münster–Recklinghausen und Weddel–Magdeburg. Für 2033 sind Bremen–Osnabrück, Osnabrück–Münster sowie Hamm–Düsseldorf–Köln genannt.

2034 stehen Bremen/Rotenburg–Wunstorf, Kassel–Friedberg und Ulm–Augsburg an. 2035 sind Minden–Wunstorf sowie Nordstemmen–Göttingen geplant. Den derzeitigen Ausblick bis 2036 bildet Flensburg–Hamburg.

Die kleine Strecke zwischen Magdeburg, Dodendorf und Halberstadt war damit nur ein Vorgeschmack auf das, was Fahrgäste in den kommenden Jahren immer wieder begleiten wird: ein Blick in die App, ein Bus statt Zug – und besser ein paar Minuten Reserve.