Die jüngsten Entwicklungen bei der Deutschen Bahn werfen ein neues Licht auf die Vegetationskontrolle an Gleisen, Weichen und Signalen. Ab Frühjahr 2027 hat das Unternehmen beschlossen, wieder begrenzt Glyphosat einzusetzen, ein Thema, das in der Branche und darüber hinaus für viel Gesprächsstoff sorgt. In den letzten Jahren hat der Konzern auf Glyphosat verzichtet und stattdessen auf Mähmaschinen sowie Pelargonsäure gesetzt. Doch wie sich herausstellt, sind diese Alternativen nicht ausreichend, um den starken Pflanzenbewuchs effizient zu bekämpfen.

Die Bahntochter InfraGo hat beim Eisenbahn-Bundesamt bereits Ausnahmegenehmigungen beantragt, da der Einsatz von Glyphosat momentan auf etwa einem Drittel des Schienennetzes rechtlich zulässig ist. Der Grund für diesen Schritt? Unkontrollierter Bewuchs kann die Sicht auf Signale beeinträchtigen und im Notfall die Rettungswege einschränken. Das klingt nach einer wichtigen Maßnahme für die Sicherheit der Infrastruktur – und daran führt kein Weg vorbei.

Ein teures Unterfangen

Die Zahlen sprechen für sich: Das Budget der Bahn für die Vegetationskontrolle stieg von rund 9 Millionen Euro im Jahr 2020 auf etwa 60 Millionen Euro im vergangenen Jahr. Ja, die Bahn investiert hier richtig viel Geld, um die Gleise in Schuss zu halten. Das zeigt, wie ernst man die Situation nimmt. Laut der Bahn hat sich Pelargonsäure als nicht ausreichend wirksam erwiesen, und mechanische Pflegearbeiten sind einfach zu personalintensiv und stören den Betrieb der Züge.

Glyphosat ist ein Totalherbizid, das nahezu alle grünen Pflanzen schädigt – ein starkes Stück, das aus der Diskussion um Umweltschutz und Nachhaltigkeit nicht wegzudenken ist. Während die Internationale Agentur für Krebsforschung Glyphosat 2015 als „wahrscheinlich krebserregend beim Menschen“ einstufte, kamen verschiedene Behörden, darunter die Europäische Chemikalienagentur und die US-Umweltbehörde EPA, zu dem Schluss, dass es nicht genügend Beweise für eine solche Einstufung gibt. Das zeigt, wie uneinheitlich die Bewertungen zur möglichen Krebsgefahr sind.

Die Alternativen im Blick

Parallel zu diesen Entwicklungen wird in der Branche jedoch auch intensiv an Alternativen geforscht. Ein Forschungsbericht aus dem Jahr 2026, veröffentlicht am 17. Februar, thematisiert die Suche nach chemiefreien Verfahren zur Vegetationskontrolle. Im Rahmen eines Projekts wurden verschiedene Verfahren untersucht, darunter maschinelles Jäten, Druckwasser und Elektroweeding – eine Methode, die Pflanzen durch Strom schädigt. Diese Verfahren könnten das Gleisbett in Zukunft umweltfreundlicher pflegen, und das klingt doch vielversprechend.

Die Ergebnisse sind beeindruckend. Bei einer Arbeitsgeschwindigkeit von 2,5 km/h und hoher Vegetationsdichte konnte eine Reduktion von 80 bis 90 Prozent erreicht werden. Wenn das nicht nach einem Fortschritt klingt! Es bleibt abzuwarten, ob diese Alternativen tatsächlich in der Praxis Anwendung finden und ob die Bahn in der Lage ist, eine Balance zwischen Sicherheit und Umweltschutz zu finden.

Für Bayer, den Hersteller von Glyphosat, könnte die Entscheidung der Bahn, wieder auf den Wirkstoff zu setzen, die öffentliche Debatte um das Thema anheizen. Auch wenn die Verwendung von Glyphosat auf einen einzelnen Anwender beschränkt ist und genehmigungspflichtig bleibt, könnte das die Sichtbarkeit des Wirkstoffs erhöhen. Die Frage bleibt, ob Glyphosat ab 2027 tatsächlich eingesetzt wird. Das hängt alles von den jährlichen Genehmigungen des Eisenbahn-Bundesamts ab.

Eins steht fest: Die Diskussion um Glyphosat, Vegetationskontrolle und Sicherheitsmaßnahmen bleibt spannend. Die Bahn muss hier einen Weg finden, der sowohl der Infrastruktur dient als auch den Ansprüchen an Umwelt- und Gesundheitsschutz gerecht wird. Und das wird nicht einfach, aber es ist ein Schritt in die richtige Richtung!