Die Deutsche Bahn schränkt die Homeoffice-Möglichkeiten für Beschäftigte mit mobil arbeitbaren Tätigkeiten ein. Künftig sollen diese Mitarbeitenden regelmäßig mindestens drei Tage pro Woche vor Ort arbeiten. Die neue Regelung soll bis Ende 2027 im gesamten Konzern umgesetzt werden. Wie sie genau aussieht, entscheiden die einzelnen Gesellschaften selbst – die DB ist unterschiedlich strukturiert.

Betroffen ist laut Unternehmenssprecher etwa ein Drittel der Belegschaft, rund 75.000 Beschäftigte. Der DB-Konzern beschäftigt nach seinem Zwischenbericht von Juni mehr als 225.000 Menschen. Die übrigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter arbeiten nach Unternehmensangaben bereits täglich vor Ort im Eisenbahngeschäft: in Zügen, Bussen, Werkstätten, an Bahnhöfen und in Leitstellen. Bei der Tochtergesellschaft DB Regio gelten drei Präsenztage pro Woche bereits heute.

Mehr Nähe im Konzernumbau

Bislang war konzernweit grundsätzlich ein Präsenztag pro Woche vorgeschrieben, wenn mobiles Arbeiten möglich war. Der Vorstand um DB-Chefin Evelyn Palla begründet die Verschärfung mit dem laufenden Konzernumbau. Neue Strukturen, Teams und Verantwortlichkeiten machten regelmäßigen persönlichen Austausch besonders wichtig, heißt es in einem Schreiben an Führungskräfte. Präsenz solle die Zusammenarbeit und den Zusammenhalt stärken und ein Zeichen für den Neustart des Konzerns sein.

Auch für Beschäftigte mit mobilem Arbeitsplatz sei die regelmäßige persönliche Zusammenarbeit ein wichtiges Signal des Zusammenhalts, erklärt der Vorstand. Die erhöhte Präsenzpflicht sei ausdrücklich kein Instrument zum Personalabbau. Der Bahnvorstand hatte sich laut „Spiegel“ bereits im August mit einer Ausweitung beschäftigt, zunächst aber keine Entscheidung getroffen. Mitte September berichtete das Magazin über Widerstand aus der Belegschaft; Ende September wurde die Einschränkung des Homeoffice zudem bei einer Betriebsversammlung in Leipzig thematisiert.

Wie tief der Einschnitt empfunden wird, zeigte eine Umfrage des Betriebsrats der Infrastrukturgesellschaft DB InfraGO: 87 Prozent der Befragten bewerteten eine angeordnete Präsenzpflicht negativ. Genannt wurden Nachteile für die persönliche Produktivität und für die Planbarkeit des Arbeitsalltags. Der Betriebsrat erklärte, für viele Beschäftigte stünden Vertrauen, Planbarkeit, die Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben sowie die Attraktivität der Deutschen Bahn auf dem Spiel. Einige Mitarbeitende sagten außerdem, die Möglichkeit zur Heimarbeit sei ein wesentlicher Grund für ihre Entscheidung zugunsten der Bahn gewesen.

Zwischen Schreibtisch und Dienstweg

Die DB ist mit ihren Plänen nicht allein. Auch Mercedes-Benz, Telekom, SAP, Otto und VW haben ihre Homeoffice-Regeln verschärft. Bei Mercedes-Benz soll künftig nur noch ein Homeoffice-Tag pro Woche erlaubt sein. Für Büroangestellte geht es damit längst nicht mehr nur um die Frage, ob der Laptop am Küchentisch oder im Büro aufgeklappt wird.

Homeoffice und mobiles Arbeiten ermöglichen ortsunabhängiges Arbeiten mit Laptop, Smartphone, Tablet oder PC. Gerade seit der Covid-19-Pandemie hat sich diese Arbeitsform stark verbreitet. Lange Arbeitswege fallen weg, Arbeitszeiten lassen sich flexibler gestalten, und private Bedürfnisse können leichter berücksichtigt werden. Für Eltern, Menschen mit langen Pendelstrecken oder Beschäftigte, die zwischendurch schlicht Ruhe brauchen, ist das kein kleiner Komfort.

Der Arbeitspsychologe Hannes Zacher hält grundsätzlich zwei bis drei Homeoffice-Tage pro Woche für ideal, weil dann Produktivität und Zufriedenheit am höchsten seien. Eine starke Einschränkung als Reaktion auf eine wirtschaftliche Krise könne von Beschäftigten allerdings als stärkere Kontrolle verstanden werden. Das könne Widerstand auslösen – und am Ende sogar die Produktivität senken. Ein ziemlich ungünstiger Nebeneffekt, wenn der persönliche Austausch eigentlich mehr Schwung in den Konzern bringen soll.

Arbeitsschutz endet nicht an der Wohnungstür

Wo zu Hause gearbeitet wird, gelten weiterhin Arbeitsschutz-, Ergonomie-, Arbeitszeit- und Datenschutzvorschriften. Arbeitgeber und Führungskräfte müssen ihrer Unterweisungspflicht auch gegenüber Beschäftigten im Homeoffice nachkommen. Das Arbeitsschutzgesetz gilt unabhängig vom Arbeitsort und verpflichtet Arbeitgeber, Sicherheit und Gesundheit auch in der häuslichen Arbeitsumgebung zu gewährleisten.

Zur Gefährdungsbeurteilung gehören deshalb die ergonomische Arbeitsplatzgestaltung, die technische Ausstattung und psychische Belastungen. Arbeitgeber müssen Gefährdungen beurteilen, präventive Maßnahmen ergreifen, diese regelmäßig überprüfen und Beschäftigte zu relevanten Sicherheits- und Gesundheitsthemen informieren und schulen.

Im Alltag lauern die Probleme oft dort, wo man sie zunächst nicht sieht: Überstunden, nicht eingehaltene Pausen, eine ungünstige Arbeitshaltung, Arbeiten auf der Couch oder gleichzeitiges Essen und Arbeiten. Dazu kommen offen herumliegende oder ungeschützte Dokumente. Der Bildschirm steht zu tief, die Lampe blendet, der Rücken meldet sich irgendwann – und plötzlich ist aus dem vermeintlich gemütlichen Arbeitstag ein ziemlich verkrampfter Nachmittag geworden.

Mögliche Arbeitsschutzmaßnahmen sind ergonomische Möbel, ausreichende Beleuchtung und eine Unterweisung zum gesunden Arbeiten zu Hause. Auch Arbeitszeiten und Pausen müssen eingehalten, Datenschutz muss berücksichtigt werden. Ergonomische Hinweise betreffen unter anderem die richtige Einstellung und Platzierung von Bildschirm und Beleuchtung, die Sitzhaltung sowie weiteres Zubehör.

Digitale Hilfe für Unterweisungen

Digitale E-Learning-Plattformen und Webinare können Unterweisungen ortsunabhängig ermöglichen. Arbeitsschutzsoftware unterstützt dabei, Gefährdungsbeurteilungen digital durchzuführen, Maßnahmen zu dokumentieren, Schulungen zu organisieren und den Informationsaustausch mit Beschäftigten im Homeoffice zu erleichtern.

Eine EHS-Software für das Homeoffice sollte benutzerfreundlich und leicht zugänglich sein, gesetzliche Anforderungen abbilden, digitale Unterweisungen und Schulungen ermöglichen sowie diese revisionssicher dokumentieren. Sinnvoll sind außerdem Informationen zur ergonomischen Arbeitsplatzgestaltung und Funktionen für Kommunikation und Informationsaustausch.

Das im zugrunde liegenden Artikel beschriebene sam®-System von secova ist laut Anbieter hardwareunabhängig, per App mobil nutzbar und bietet interaktive Wissensvermittlung mit Wirksamkeitskontrolle. Ob der Arbeitsplatz nun im Bahnbüro, in der Werkstatt oder daheim steht: Der Bildschirm bleibt ein Bildschirm, die Pause bleibt eine Pause – und die herumliegende vertrauliche Akte bleibt besser nicht herumliegen.