Deutschlandticket kostet ab 2027 66,80 Euro – erstmals nach Kostenindex berechnet
Bahnbau, 30. September 2026 – Für Millionen Fahrgäste wird das Deutschlandticket im kommenden Jahr erneut teurer. Ab 2027 kostet es 66,80 Euro im Monat. Das sind 3,80 Euro mehr als bisher. Beschlossen hat die Anpassung der „Koordinierungsrat Deutschlandticket“, in dem Bund, Länder, Kommunen und Verkehrsunternehmen vertreten sind.
Seit Anfang 2026 liegt der Preis bei 63 Euro monatlich, zuvor waren es 58 Euro. Eingeführt wurde das bundesweit gültige Ticket am 1. Mai 2023 für 49 Euro. Rund 14,5 Millionen Menschen nutzen es derzeit; andere Angaben nennen Ende 2025 rund 14,6 Millionen Nutzerinnen und Nutzer. Sie fahren damit im öffentlichen Regional- und Nahverkehr quer durch Deutschland – ohne regionale Tarif- und Zonengrenzen.
Erstmals entscheidet ein Kostenindex mit
Der Preis für 2027 wurde erstmals anhand eines Kostenindexes berechnet. Einfließen sollen Personalkosten, Energiekosten und allgemeine Betriebskosten. Künftig soll der monatliche Preis nicht mehr ausschließlich politisch festgelegt werden. Eine Formel soll die Entwicklung abbilden; ein zusätzlicher Dämpfungsfaktor berücksichtigt dabei mögliche steigende Verkaufszahlen. Der genaue Preis für 2027 sollte spätestens Ende September feststehen – nun ist die Entscheidung gefallen.
Bayerns Verkehrsminister Christian Bernreiter hatte zuvor erklärt, er glaube nicht an eine Erhöhung um eine zweistellige Prozentzahl. Die saarländische Verkehrsministerin Petra Berg betonte, das Ticket bleibe attraktiv. Ob das im Alltag auch so empfunden wird, hängt freilich nicht nur vom Kontostand, sondern auch vom Zug auf dem Land und dem Bus am Abend ab.
Das D-Ticket gilt in Bussen, Straßenbahnen, U-Bahnen und S-Bahnen sowie in Nahverkehrs- und Regionalzügen der 2. Klasse. ICE, IC und EC sind grundsätzlich ausgenommen, ebenso der Fernbusverkehr, FlixTrain und RE-Linien der DB Fernverkehr AG. Das Ticket ist personalisiert, nicht übertragbar und monatlich kündbar. Erhältlich ist es digital oder als Chipkarte.
Hohe Verluste bei Verkehrsunternehmen
Für Verkehrsverbünde und Verkehrsunternehmen bleibt das Modell finanziell schwierig, weil sie durch das günstige Ticket geringere Einnahmen erzielen. Bund und Länder unterstützen sie deshalb jeweils mit 1,5 Milliarden Euro pro Jahr. Die Verkehrsministerinnen und Verkehrsminister einigten sich im September 2025 darauf, diese Finanzierung bis 2030 beizubehalten. Der Koalitionsvertrag von 2025 sichert die Finanzierung des Deutschland-Tickets bis Ende 2029.
Parallel verlangen die Länder deutlich mehr Bundesmittel für den Regionalverkehr. Nach ihrer Einschätzung werden bis 2031 zusätzlich rund 14 Milliarden Euro gebraucht, um das bestehende Angebot an Bussen und Bahnen zu sichern. In einem Beschlusspapier warnen sie, ohne höhere Regionalisierungsmittel müssten in erheblichem Umfang Züge abbestellt werden. Der Bund stellt derzeit rund 12 Milliarden Euro jährlich bereit; diese Regionalisierungsmittel steigen jedes Jahr um drei Prozent.
Wegen der stark gestiegenen Kosten sehen Länder und Verkehrsverbünde die Gefahr deutlicher Einschränkungen beim Verkehrsangebot. Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder blieb zurückhaltend: Eine Bewertung des zusätzlichen Bedarfs sei zum jetzigen Zeitpunkt zu kurzfristig.
Der BUND kritisiert die geplante Preiserhöhung. Der Umweltverband verweist darauf, dass die Bundesregierung 2,5 Milliarden Euro für einen weiteren Tankrabatt bereitstelle, das Deutschlandticket aber nicht preisstabil halte. BUND-Verkehrspolitiker Jens Hilgenberg sagte, die wiederkehrenden Diskussionen über Ticket und Preis sorgten für Unsicherheit. Für eine dauerhafte Änderung des Mobilitätsverhaltens brauche es langfristige Planbarkeit.
Auch Klimaökonomin Claudia Kemfert kritisierte die Preisentwicklung. Angesichts einer fossilen Energiekrise würden falsche Anreize gesetzt: Benzin und Diesel würden verbilligt, während das Deutschlandticket teurer werde. Das sitzt. Wer morgens zwischen Pendlerzug, Tankstelle und Monatsbudget abwägt, merkt solche Signale nicht nur auf dem Papier.
Viele Nutzer, unterschiedliche Tickets
Das monatlich kündbare Angebot nutzen bundesweit rund 14 Millionen Menschen im Regional- und Nahverkehr. Es vereinfacht bestehende Tarifstrukturen und ersetzt viele regionale Abonnements. Ende 2025 entfielen 74 Prozent auf das Standardticket, 15 Prozent auf das Deutschland-Ticket Job und 11 Prozent auf das Semesterticket.
Die Anhebung auf 63 Euro führte laut dem Verband Deutscher Verkehrsunternehmen nicht zu einer Kündigungswelle. Anfang 2026 lag die Kündigungsquote bei 5,75 Prozent und damit niedriger als im Vorjahr. Nach drei Jahren erleichtert das Ticket den Zugang zum öffentlichen Nahverkehr und macht Bus- und Bahnfahrten für Millionen Menschen einfacher und günstiger.
Als Branchenziel gelten mindestens 15 Millionen Nutzerinnen und Nutzer. Das größte zusätzliche Wachstumspotenzial sieht die Branche beim Deutschland-Ticket Job: Mehr als 70 Prozent der vom VDV befragten Verkehrsunternehmen und Verbünde erwarten dort zusätzliche Nachfrage. Knapp 55 Prozent befürworten ein bundesweit einheitliches Deutschland-Ticket für Auszubildende, rund 52 Prozent wünschen sich ein entsprechendes Angebot für Schülerinnen und Schüler.
Mehr als nur der Preis
Für die weitere Entwicklung reicht ein Blick auf den Monatsbetrag allerdings nicht. Nötig sind auch ein verlässliches und leistungsfähiges Verkehrsangebot sowie bessere wirtschaftliche, organisatorische und technische Rahmenbedingungen. Genannt werden eine dauerhafte, an die tatsächliche Kostenentwicklung angepasste Finanzierung und ein einheitlicher, transparenter und schneller Ausgleich von Mindereinnahmen.
2027 soll der von den Ländern beschlossene Preisindex erstmals angewendet werden. Dazu kommen einheitliche Regeln und klar geregelte Zuständigkeiten, die Vermeidung zusätzlicher regionaler Sonderformen sowie bundesweit einheitliche und wirtschaftlich tragfähige Vertriebs- und Kontrollsysteme. Gemeinsame Branchenstandards und eine belastbare Datenbasis stehen ebenfalls auf der Liste.
Gleichzeitig soll das Verkehrsangebot gesichert und ausgebaut werden, insbesondere im ländlichen Raum. Angebotserhalt, bessere Takte und zusätzliche Verbindungen kosten Geld – und sie entscheiden oft darüber, ob das Ticket im Alltag wirklich trägt oder irgendwo am Bahnsteig zwischen Anschlussverlust und kaltem Kaffee hängen bleibt.
Der bundesweite Vorverkauf begann am 3. April 2023. Bund und Länder hatten sich Ende 2022 auf die Finanzierung geeinigt. Die Einführung stellte Verkehrsunternehmen und Verbünde vor technische und vertriebliche Herausforderungen, trotzdem startete der Vorverkauf pünktlich. Seit dem 1. Mai 2023 kann das Deutschland-Ticket bundesweit in allen Verkehrsmitteln des öffentlichen Personennahverkehrs genutzt werden.
