Am Dienstag, 9. August 2026, ging am Bahnhof Gießen über mehrere Stunden nichts mehr. Der Zugverkehr fiel vollständig aus – ausgerechnet bei Hitze, während Hunderte Fahrgäste an den Bahnsteigen warteten und nach Darstellung des Artikels nur unzureichend informiert wurden. Zunächst sprach die Deutsche Bahn von einer „Stellwerkstörung“, am Mittwoch dann von Störungen an Gleisen und Weichen.

Ein Pendler war von Wetzlar nach Marburg unterwegs. Gegen 16 Uhr blieb sein Zug zunächst rund 20 Minuten in Dutenhofen stehen. Eine Durchsage verwies auf eine Störung in Gießen. Nach der Weiterfahrt war dort endgültig Schluss. Gegen 17.30 Uhr meldeten Lautsprecher und Hinweistafeln eine „Stellwerkstörung im Bahnhof Gießen“. Die DB-App stellte zwischenzeitlich in Aussicht, dass die Züge ab 19 Uhr wieder fahren sollten. Am Bahnhof selbst herrschte nach Angaben des Pend­lers jedoch weiterhin Totalausfall.

Vier Stunden am Bahnsteig

Die Wartenden suchten sich irgendwie weiterzuhelfen: Manche stiegen in Busse, andere fuhren mit dem Fahrrad, ließen sich abholen oder blieben einfach am Bahnhof. Der Pendler wurde nach rund vier Stunden, gegen 20.30 Uhr, von einem Angehörigen mit dem Auto abgeholt. Viel Schweiß, wenig verlässliche Ansagen – und eine App, die offenbar etwas anderes versprach.

Ein weiterer Fahrgast berichtete von seiner Rückfahrt aus Frankfurt. Nach Feierabend um 18 Uhr nahm er zunächst die S-Bahn nach Friedberg, weil keine Regionalzüge nach Gießen fuhren. Als er dort gegen 20.30 Uhr nach einem Schienenersatzverkehr fragte, bekam er die Auskunft, dieser werde voraussichtlich frühestens eine weitere Stunde später beginnen.

Die DB-Sprecherin für Hessen, Marina Kallis, erklärte, die Störung habe von Dienstag, etwa 16 Uhr, bis Mittwoch, 5.30 Uhr, gedauert. Ursache seien Störungen an Weichen und Gleisen im Bahnhof Gießen gewesen. Im Nahverkehr waren demnach alle Züge durch Verspätungen oder Ausfälle betroffen. Fernverkehrszüge wurden über andere Strecken umgeleitet.

Falsch belegte Gleisabschnitte

Ab Dienstag, 20.30 Uhr, habe sich die Lage verbessert, weil die Weichenstörung behoben gewesen sei. Am Mittwochmorgen lief der Betrieb wieder an. Die genauen technischen Gründe konnte die Bahn allerdings nicht nennen und verwies auf „Infrastrukturgründe“.

An mehreren Gleisabschnitten kam es zu einer „Rotausleuchtung“. Die Abschnitte wurden dadurch fälschlich als besetzt angezeigt, obwohl sie frei waren. Die DB-App meldete am Mittwoch weiterhin Ausfälle der ICE-Halte in Gießen. Nach Angaben der Bahn standen diese Ausfälle jedoch nicht mit der beschriebenen Störung in Zusammenhang.

Jürgen Lerch, Regionalleiter Mittelhessen beim Fahrgastverband Pro Bahn & Bus, bezeichnete die Lage als chaotisch. Zunächst vermutete er Stellwerkprobleme und kritisierte, dass nicht wenigstens Pendelzüge zwischen Frankfurt und Großen-Linden eingesetzt wurden. Nach seiner Einschätzung hätte auch zwischen Wetzlar und Gießen weiterhin Zugverkehr möglich sein können, weil das dort zuständige erste Stellwerk in Gießen mechanisch und nicht elektronisch betrieben wird.

Lerch monierte außerdem, dass der Schienenersatzverkehr auf der stark genutzten Main-Weser-Bahn erst nach mehreren Stunden anlief. Er verwies auf einen Böschungsbrand einige Wochen zuvor. Auch damals habe der Ersatzverkehr erst mit erheblicher Verzögerung begonnen.

Auch Fernzüge zwischen Frankfurt und Hannover betroffen

Am Mittwochvormittag, 5. August 2026, wurde zudem eine technische Störung durch ein defektes Stellwerk gemeldet. Betroffen war der Fernverkehr auf der Strecke Frankfurt–Gießen–Kassel–Hannover. Fernzüge zwischen Frankfurt Hauptbahnhof und Hannover fielen teilweise aus, wurden teilweise umgeleitet oder verkehrten nicht wie geplant und ohne Ersatz.

Wie viele Züge genau ausfielen oder umgeleitet wurden, war zunächst unklar. Ebenso offen war, wie lange die Störung andauern würde. Die Deutsche Bahn kündigte neue Informationen an. Reisende sollten sich vor der Fahrt über Gießen auf bahn.de, in der App DB Navigator oder telefonisch über die Reiseauskunft unter 030 / 2970 informieren.

Für den Bahnbau und die Infrastruktur rund um Gießen bleibt damit ein ziemlich konkretes Problem sichtbar: Schon eine fehlerhafte Anzeige von Gleisabschnitten kann den Verkehr weit über den Bahnhof hinaus ausbremsen. Und wenn Busse erst spät anlaufen, wird aus einer technischen Störung für die Menschen vor Ort schnell ein langer Abend auf heißem Asphalt.