Hochrheinbahn wird zum grenzüberschreitenden Bauprojekt: 130 Kilometer Fahrdraht für den neuen Express
Wer derzeit an der Hochrheinbahn unterwegs ist, sieht vor allem eines: Baustelle. Die rund 75 Kilometer lange Strecke zwischen Basel und Schaffhausen wird seit Frühjahr 2026 ausgebaut und elektrifiziert. In Waldshut ist das besonders deutlich. Gleise und Bahnsteige wurden zurückgebaut, neue Haltestellen entstehen, und Dutzende Perrons werden umgebaut.
Auch wenn die Verbindung nach Basel schnell ist, gilt sie dem Kanton Schaffhausen als unzuverlässig. Seit rund 20 Jahren drängt Schaffhausen deshalb auf den Ausbau. Der Abschnitt auf Schaffhauser Gebiet wurde bereits vor mehr als zehn Jahren elektrifiziert – nun folgt der überwiegend auf deutschem Gebiet liegende Teil.
130 Kilometer Fahrdraht für eine neue Verbindung
Entlang der Strecke wird kräftig gearbeitet. Insgesamt sollen 130 Kilometer Fahrdraht installiert werden. Zwischen zurückgebauten Bahnsteigen, offenliegenden Gleisbereichen und neuen Haltestellen wirkt die Hochrheinbahn derzeit eher wie ein langgezogenes Baufeld als wie eine fertige Bahnverbindung.
Ab Ende 2027 soll der neue Hochrhein-Bodensee-Express verkehren. Er verbindet Basel, Schaffhausen, Konstanz, St. Gallen und Herisau – ohne den Umweg über Zürich. Für Schaffhausen bedeutet das eine direktere Verbindung nach St. Gallen und Herisau sowie eine komfortablere Fahrt nach Basel. In den Hauptverkehrszeiten soll auf Teilen der Strecke ein Halbstundentakt möglich werden.
Grenzen auf der Karte, Alltag ohne Umweg
Für Schaffhausen sind grenzüberschreitende Verkehrsprojekte wegen der geografischen Lage ohnehin Alltag. Der Ausbau findet nun zwar überwiegend in Deutschland statt, seine Wirkung reicht aber deutlich über die deutsche Seite hinaus. Nach jahrelanger Planung wird die Hochrheinbahn grenzüberschreitend ausgebaut – Schaffhausen soll davon besonders profitieren.
Mobilitätsexperte Widar von Arx beschreibt den Grundkonflikt ziemlich treffend: Menschen in Grenzregionen orientieren sich bei Wohnen, Arbeit und Freizeit nicht an Landesgrenzen, Verkehrssysteme werden dagegen häufig national geplant. Der Zug hält sich an solche Zuständigkeiten ohnehin nicht; er fährt einfach dort entlang, wo die Strecke liegt.
Schweizer Beteiligung an deutschem Bahnausbau
Der Schweizer Bund beteiligt sich mit 50 Millionen Franken an den Gesamtkosten von rund 400 Millionen Franken. Das ist viel Geld für eine Strecke, die überwiegend auf deutschem Gebiet liegt – zugleich zeigt es, wie eng die Verkehrswege rund um den Hochrhein miteinander verflochten sind.
Bis der neue Express tatsächlich fährt, bleibt allerdings noch einiges zu tun: Perrons müssen fertig werden, Haltestellen entstehen, Gleise werden neu aufgebaut und der Fahrdraht muss über die gesamte vorgesehene Länge gespannt werden. In Waldshut lässt sich dieser Wandel schon jetzt beobachten – mit Baulärm statt Zuggeräusch und einer Menge Arbeit entlang der Strecke.
