Neuer DB-Fahrplan: Mehr Sprinter und Europa-Züge, doch Baustellen verlängern die Reisezeit
Heute, am 14. Oktober 2026, beginnt bei der Deutschen Bahn der Ticketverkauf für den neuen Fahrplan. Er gilt ab dem 13. Dezember 2026. Buchbar sind die Fahrten über bahn.de, den DB Navigator, in Reisezentren und bei Agenturen. Die Preise bleiben stabil – im Fernverkehr sind nach einer Ankündigung von Bahn-Chefin Evelyn Palla bis Mai 2027 keine Erhöhungen vorgesehen.
Für Reisende wird das Angebot auf wichtigen Strecken schneller und internationaler. Täglich sind künftig mehr als 320 internationale Fahrten geplant, unter anderem nach Frankreich, Italien und Österreich. Das sind 20 Verbindungen mehr als bisher und rund 20 Prozent mehr als vor fünf Jahren. Mehr als 200 Städte in 14 Ländern sollen direkt von Deutschland aus erreichbar sein. Angesichts hoher Kraftstoffpreise versteht sich die Bahn dabei ausdrücklich als Alternative zu Auto und Flugzeug.
Neue Sprinter zwischen Hamburg, München und Stuttgart
Zwischen Hamburg und München startet eine neue ICE-Sprinter-Linie. Sie fährt dreimal täglich je Richtung und hält nur in Hannover und Nürnberg. Die planmäßige Fahrzeit beträgt 5 Stunden 20 Minuten – rund 20 Minuten weniger als bisher. Zwischenhalte wie Lüneburg, Göttingen und Fulda fallen bei diesen Zügen weg. Wer dort einsteigen möchte, braucht also weiterhin eine andere Verbindung.
Auch Berlin und Stuttgart rücken näher zusammen: Auf dieser Strecke wird das Sprinter-Angebot von einem auf drei Züge je Richtung und Tag ausgeweitet. Die Fahrzeit liegt bei 4 Stunden 45 Minuten. Das ist ungefähr eine Stunde weniger als bei der regulären ICE-Verbindung mit Halt in Frankfurt. Deutschlandweit sollen rund 70 ICE-Sprinter-Fahrten pro Tag unterwegs sein.
Daneben sind mehr Fahrten zwischen Berlin und Hamburg vorgesehen. Nach Abschluss baulicher Einschränkungen soll die Strecke wieder im Halbstundentakt bedient werden. Aus Saarbrücken gibt es erstmals eine direkte Verbindung nach Hamburg, Ostwestfalen erhält eine tägliche Direktverbindung nach München. Von Westfalen, unter anderem aus Paderborn und Hamm, fahren wieder direkte ICE nach Würzburg, Nürnberg und München.
Mehr Direktzüge, auch abseits der großen Knoten
Jena bekommt wieder einen direkten ICE nach Berlin. Bonn soll fast ganzjährig im Zwei-Stunden-Takt direkt mit Berlin verbunden sein. Der Intercity Dresden–Berlin–Rostock fährt wieder alle zwei Stunden bis Warnemünde. Zusätzlich ist täglich je Richtung ein ICE von Warnemünde über Berlin und Leipzig nach Frankfurt, Stuttgart und München geplant.
Offenburg und Baden-Baden werden künftig stündlich angefahren. Halle und Erfurt sollen wegen Bauarbeiten alle zwei Stunden direkt mit der Schweiz verbunden werden. Nach Abschluss der Sanierung der Strecke Nürnberg–Passau sind täglich 14 Fernverkehrszüge zwischen Frankfurt, Nürnberg und Wien vorgesehen – zwei mehr als vor den Bauarbeiten.
Europa rückt näher – mit mehr Zügen und neuen Tickets
Nach Italien, Frankreich, Österreich und Dänemark fahren künftig mehr Züge. Zwischen Hamburg und Kopenhagen steigt das Angebot ab März von fünf auf sieben Fahrten täglich je Richtung. Die Züge starten ab 7 Uhr etwa im Zwei-Stunden-Takt. Zwischen Stuttgart und Paris wächst das Angebot von zehn auf zwölf Züge täglich, zwischen Frankfurt und Wien von zwölf auf 14.
Ab Sommer soll gemeinsam mit Trenitalia und den Österreichischen Bundesbahnen eine Direktverbindung München–Mailand–Rom starten. Die Fahrt nach Mailand dauert rund 6 Stunden 30 Minuten, nach Rom rund 8 Stunden 30 Minuten. Nach Angaben der Deutschen Bahn fährt ab Sommer 2027 außerdem erstmals der italienische Hochgeschwindigkeitszug Frecciarossa in Deutschland – mit je einem täglichen Zugpaar von München nach Mailand und Rom.
Über bahn.de und den DB Navigator lassen sich Tickets von ÖBB, SBB, Trenitalia, SNCF, Eurostar, SJ und National Rail direkt buchen. Der DB Navigator bietet bereits Fahrkarten für mehr als 10.000 europäische Reiseziele an, darunter Angebote der Österreichischen Bundesbahn, von Trenitalia und Eurostar. Möglich wird das auch durch den OSDM-Schnittstellenstandard. Bis Ende 2026 sollen zusätzlich Tickets der niederländischen Bahn NS und der spanischen Bahn IRYO für innerländische Reisen buchbar werden.
Baustellen bremsen den Fahrplan
In der Fläche bleibt der Fahrplan laut Bahn grundsätzlich stabil. Einzelne Verbindungen entfallen vor allem wegen Baustellen, andere fahren seltener. Umfassend saniert werden die Strecken Hannover–Berlin, Hanau–Fulda und Rosenheim–Freilassing/Salzburg. Der Fernverkehr soll trotz der Bauarbeiten weiterlaufen, allerdings verlängern sich die Fahrzeiten auf manchen Relationen deutlich.
Die Sanierung der rund 230 Kilometer langen Strecke zwischen Lehrte und Berlin hat begonnen. Die Ost-West-Verbindung bleibt bis Dezember 2027 vollständig gesperrt. Zwischen Berlin und Hannover verlängert sich die Reisezeit wegen der Umleitung um 80 Minuten auf rund 180 Minuten. Während der Sanierung zwischen NRW und Berlin sollen mindestens stündlich direkte ICE fahren; die Reise dauert dabei rund 80 Minuten länger.
Für das kommende Jahr sind außerdem Bauarbeiten zwischen Rosenheim und Salzburg geplant, ebenso zwischen Fulda und Hanau. Zwischen München und Salzburg verkehren täglich drei EC-Zugpaare über Mühldorf. Umleitungen und geänderte Fahrzeiten sollen bereits in der Reiseauskunft hinterlegt sein – ein Blick in die Verbindung vor der Abfahrt bleibt trotzdem keine schlechte Idee.
Familien fahren günstiger, Pendler ebenfalls
Das DB Familienticket wird dauerhaft eingeführt. Buchbar ist es ab dem 26. Oktober, erster Reisetag ist der 1. November. Für 99,99 Euro können bis zu fünf Personen deutschlandweit im Fernverkehr der 2. Klasse hin- und zurückfahren; die Sitzplatzreservierung ist inklusive. Gruppen können den Sparpreis Gruppe künftig online bis zu 14 Tage unverbindlich reservieren.
Auch für Pendler ändert sich etwas: Monatskarten und Schülermonatskarten im Fernverkehr werden ab dem 21. Oktober ohne Abo um 25 Prozent günstiger. Streckenzeitkarten werden künftig ausschließlich ohne Abo angeboten.
Der Blick auf die Pünktlichkeit fällt derweil nüchtern aus. Im September waren laut Bahn 52,4 Prozent der Fernzüge pünktlich; als verspätet gilt eine Ankunft ab sechs Minuten nach Fahrplan. Für das laufende Jahr hatte sich die Bahn mindestens 60 Prozent Pünktlichkeit im Fernverkehr vorgenommen. Bis Ende 2029 soll die Quote mindestens 70 Prozent erreichen.
