Für LEO Express endet das Frankfurt-Abenteuer früher als geplant. Der vorerst letzte Zug fährt am Montag, 5. Oktober 2026. Heute, am 4. Oktober, bleibt Reisenden also nur noch ein Tag, bevor die Verbindung Frankfurt–Dresden–Prag–Ostrava–Przemyśl vorerst aus dem Fahrplan verschwindet.

Erst 2026 hatte das Unternehmen erstmals eine Verbindung nach Frankfurt aufgenommen. Seit Juni fuhr der Zug über Prag nach Bohumín, seit dem 31. Juli ging es weiter bis Przemyśl nahe der ukrainischen Grenze. Für Passagiere mit Tickets an späteren Reisetagen soll es eine gesetzlich geregelte Erstattung geben. Nach den europäischen Fahrgastrechten besteht außerdem Anspruch auf eine kostenlose Umbuchung auf ein anderes Eisenbahnunternehmen, etwa die Deutsche Bahn.

Baustellen bringen den Fahrplan aus dem Takt

Als Grund für die Einstellung nennt LEO Express anhaltende Bauarbeiten, Sperrungen und Umleitungen auf deutschen Bahnstrecken. Stabile Fahrpläne und ein verlässlicher Zugverkehr seien dadurch erheblich beeinträchtigt worden. Der tägliche Wechsel von Fahrplänen, Sperrungen und Umleitungen sei auf Dauer nicht tragbar, erklärte das Unternehmen.

Für Bahnkunden klingt das nüchtern, in der Praxis bedeutet es: planen, umplanen, wieder nachsehen. Gerade bei einer internationalen Strecke mit mehreren Ländern reicht eine Baustelle irgendwo im deutschen Netz, und schon gerät der ganze Umlauf ins Rutschen. LEO Express verhandelt deshalb mit der Deutschen Bahn über künftige Fahrzeiten.

Ganz reibungslos lief die Verbindung ohnehin nicht an. Zu den organisatorischen Einschränkungen gehörten anfängliche Buchungsprobleme, der Betrieb mit nur drei Wagen und eine kurze Wendezeit. Der Nachtfahrplan war besonders für Reisen zwischen Deutschland und Prag wenig attraktiv. Wer allerdings früh buchte, konnte Glück haben: Frankfurt–Prag war vielfach ab 10 Euro pro Person erhältlich. Der Liegewagen nach Polen war zuletzt deutlich teurer.

Rückkehr nach Deutschland im Dezember

Die Pause soll nicht das endgültige Aus für LEO Express in Deutschland sein. Ab Dezember 2026 soll das Unternehmen zurückkehren. Es gewann die Ausschreibung für die Strecke München–Prag und soll dort anstelle von ALEX fahren.

Das ist ein anderer Korridor, aber für das Unternehmen ein wichtiger Schritt. Während die Frankfurt-Verbindung an Baustellen, Umleitungen und einem wenig bequemen Nachtangebot hängen blieb, bekommt LEO Express mit München–Prag eine neue Gelegenheit, seinen Platz im grenzüberschreitenden Bahnverkehr zu finden. Ob der Start diesmal geschmeidiger läuft, wird sich zeigen.

Ein Bahnunternehmen mit internationalem Netz

LEO Express bietet die Reiseklassen Economy, Business und Premium an. In der Premiumklasse gehören verstellbare Sitzplätze, ein Stillbereich und Premium-Erfrischungen kostenlos dazu. Die erste Verbindung nahm das Unternehmen Ende 2012 in Betrieb. Heute fährt LEO Express in mehr als 100 Städte in sechs Ländern; das Streckennetz wird weiter ausgebaut.

Qualitätsbewusster und verantwortungsvoller öffentlicher Verkehr sei eine wichtige Grundlage der Gesellschaft im 21. Jahrhundert, beschreibt das Unternehmen seinen eigenen Anspruch. Zwischen Baustellenfahrplan und günstigen Prag-Tickets klingt das ziemlich groß — aber der Alltag auf der Schiene ist eben oft weniger glatt als die Broschüre.

Hinter dem Angebot steht die Leo Express Global a.s. mit Sitz in Řehořova 908/4, 130 00 Prag 3 – Žižkov. Die Identifikationsnummer lautet 290 16 002. Eingetragen ist das Unternehmen im Handelsregister des Stadtgerichts Prag, Abschnitt B, Eintrag 15847. Leo Express Global a.s. ist die kontrollierende Gesellschaft des Konzerns; zu ihm gehören Leo Express s.r.o., Leo Express Maintenance s.r.o., Leo Express Slovensko s.r.o. und Leo Express Tender s.r.o. Die Bekanntmachung erfolgt gemäß § 79 Absatz 3 des Gesetzes Nr. 90/2012 Slg. über Handelsgesellschaften und Genossenschaften.