Die geplante Generalsanierung der linken Rheinstrecke im Jahr 2028 darf nach dem Willen der Verkehrsminister von Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz nicht verschoben werden. Oliver Krischer und Achim Schwickert wenden sich deshalb in einem gemeinsamen Schreiben an Bundesverkehrsminister Steffen Bilger und Bahn-Chefin Evelyn Palla. Ihre Botschaft ist klar: Das Zeitfenster 2028 muss genutzt werden.

Betroffen ist der Bahn-Korridor Köln–Bonn–Koblenz–Mainz – eine wichtige Verkehrsachse Deutschlands und Europas. Nach Angaben der Minister sind die Planungen weit fortgeschritten, die Arbeiten notwendig. Nach Gesprächen hätten sich allerdings Hinweise verdichtet, dass die Sanierung 2028 möglicherweise nicht umgesetzt wird.

Strecke mit Engpässen und alten Anlagen

Die Infrastruktur ist vielerorts überaltert, störungsanfällig und bereits heute von erheblichen Kapazitätsengpässen sowie betrieblichen Mängeln geprägt. Eine Verzögerung könnte den Personen- und Güterverkehr beeinträchtigen und die Leistungsfähigkeit der europäischen Verkehrsachse weiter verringern. Schwickert bezeichnete die linke Rheinstrecke als eine der wichtigsten Schienenverbindungen Deutschlands und Europas – unter anderem für Pendler, den Fernverkehr und Güterzüge.

Bei einer Korridorsanierung wird eine stark genutzte Strecke vorübergehend vollständig gesperrt und umfassend modernisiert. Das ist der große Schnitt statt vieler kleiner Eingriffe: nicht über Jahre hinweg abschnittsweise reparieren, während der Betrieb irgendwie weiterläuft, sondern einmal richtig anpacken. Oliver Krischer erklärte, monatelange Sperrungen für Einzelmaßnahmen seien nicht zu rechtfertigen, wenn die geplante Generalsanierung anschließend ausbleibe. Die Länder lehnen deshalb sowohl eine längere Sperrung ohne nachhaltigen Nutzen als auch ein weiteres Aufschieben der Arbeiten ab.

Ein zusätzlicher Zeitdruck kommt durch die Bundesgartenschau 2029 zwischen Koblenz und Bingen hinzu. Bis dahin soll die Bahnverbindung nach den Vorstellungen Schwickerts zuverlässig funktionieren. Für Reisende klingt das schlicht, für die Baustellenplanung ist es ein ziemlich enger Takt.

Vorarbeiten und Umleitungen im Jahr 2026

Dass die Strecke schon vor der geplanten Korridorsanierung kräftig bearbeitet wird, zeigt der Bauplan der DB InfraGO: Vom 20. Juni bis 10. Juli 2026 laufen Arbeiten an der linken Rheinstrecke zwischen Köln und Mainz. Zwischen Hürth und Bonn werden weitere Gleisabschnitte, Weichen und Oberleitungen instand gehalten. Zwischen Koblenz-Lützel und Koblenz Hbf werden Gleise erneuert, im Bereich des Kammereck-Tunnels südlich von Koblenz stehen Gleisarbeiten an. Im Raum Mainz geht es außerdem um moderne Stellwerkstechnik.

Bereits im Januar wurden zwischen Hürth und Bonn rund 70 Weichen, etwa 21 Kilometer Gleis und mehr als drei Kilometer Oberleitungsfahrdraht erneuert. Diese Maßnahmen bereiten die Korridorsanierung der Strecke Troisdorf–Wiesbaden ab Juli 2026 vor. Währenddessen dient die linke Rheinstrecke als Ausweichroute für den Personen- und Güterverkehr. Fahrgäste müssen mit Fahrplanänderungen, Umleitungen, Zugausfällen und Schienenersatzverkehr rechnen – samt dem üblichen Suchen nach dem richtigen Bussteig.

Was sich im Fern- und Nahverkehr ändert

Im Fernverkehr werden Züge zwischen Köln und Koblenz vom 2. Juli, 21 Uhr, bis 10. Juli, 5 Uhr, umgeleitet. Die Halte Köln Hbf, Bonn Hbf, Remagen und Andernach entfallen. Dafür gibt es einen zusätzlichen Halt in Köln Messe/Deutz; IC-Züge halten außerdem in Bonn-Beuel. Zwischen Koblenz und Mainz werden die Züge vom 24. Juni, 8 Uhr, bis 10. Juli, 20 Uhr, umgeleitet, der Halt in Bingen (Rhein) Hbf entfällt.

An den Wochenenden 20./21. Juni, 27./28. Juni und 4./5. Juli ist der Mainzer Knoten betroffen. ICE-Züge in Richtung beziehungsweise aus Richtung Frankfurt werden umgeleitet, bei den meisten entfällt der Halt Mainz Hbf. IC-Züge in Richtung beziehungsweise aus Richtung Mannheim verkehren teilweise weiterhin über Mainz Hbf, teilweise ohne Halt in Mainz. ICE-Züge von und nach Wiesbaden fahren nur bis beziehungsweise ab Frankfurt (Main) Hbf. Damit entfallen die Halte Wiesbaden Hbf, Mainz Hbf und Frankfurt (Main) Flughafen Fernbahnhof.

In Rheinland-Pfalz fährt die Linie RE 2 am 20. und 21. Juni zwischen Koblenz und Bingen sowie zwischen Mainz und Frankfurt planmäßig. Zwischen Bingen und Mainz verkehren Ersatzbusse. Vom 28. Juni bis 6. Juli fährt der RE 2 zwischen Oberwesel und Frankfurt planmäßig, zwischen Koblenz und Oberwesel übernehmen Busse.

Wegen der Gleiserneuerungen in Koblenz kommt es vom 2. bis 10. Juli jeweils von 21 bis 5 Uhr sowie am 7. und 8. Juli ganztägig zu Änderungen. Der RE 8 wird zwischen Koblenz und Neuwied umgeleitet, Zwischenhalte entfallen. Die RB 10 fährt von Niederlahnstein ohne Halt in Koblenz direkt nach Neuwied. Wer nach Koblenz möchte, kann ab Niederlahnstein RB 23 und RE 25 nutzen. Bei der RB 26 entfallen nachts die Züge zwischen Köln und Koblenz, Ersatzbusse fahren.

Auch der Kammereck-Tunnel macht sich bemerkbar: Einschränkungen gibt es in den Nächten 24.–27. Juni und 7.–10. Juli, jeweils von 23:55 bis 4:40 Uhr. Durchgehend eingeschränkt ist die Strecke vom 27. Juni, 22 Uhr, bis 7. Juli, 5 Uhr. Der RE 2 wird zwischen Oberwesel und Koblenz durch Busse ersetzt, der RE 17 entfällt zwischen Bingen Hbf und Koblenz Hbf. Die RB 26 ist zwischen Oberwesel und Boppard Hbf unterbrochen; dort fahren ebenfalls Ersatzbusse.

In Nordrhein-Westfalen entfällt der RE 5 (RRX) vom 2. Juli, 21 Uhr, bis 10. Juli, 5 Uhr, zwischen Köln Süd und Remagen. Ersatzbusse verbinden Köln Hbf und Remagen mit Halten in Köln Hbf, Bonn Hbf, Bonn Heussallee/Museumsmeile, Bonn-Bad Godesberg, Bonn-Mehlem, Rolandseck, Oberwinter Yachthafen und Remagen. Zusätzlich fahren Schnellbusse der Linie SEV RE 5X zwischen Köln Messe/Deutz und Remagen, unter anderem mit Stopps in Bonn Wurzerstraße, Bonn-Mehlem, Rolandseck und Oberwinter Yachthafen.

Wegen paralleler Bauarbeiten der Stadtwerke Bonn ist an der Haltestelle Wurzerstraße der Umstieg zur Stadtbahn nur in Richtung Bonn Hbf möglich. Alternativ klappt der Wechsel in Bonn Hbf oder an der Heussallee/Museumsmeile. Die RB 26 entfällt zwischen Köln Messe/Deutz beziehungsweise Köln/Bonn Flughafen und Remagen; Ersatzbusse fahren zwischen Köln Hbf und Bonn Hbf mit Halt in Brühl und Roisdorf.

Die RB 48 fällt vollständig zwischen Wuppertal-Oberbarmen und Bonn-Mehlem aus. Ersatzbusse fahren zwischen Hürth-Kalscheuren und Bonn Hbf, mit Halt in Sechtem. Für den Ersatzverkehr gelten geänderte Abfahrtsorte in Brühl, Sechtem, Bonn UN Campus und Bonn-Mehlem. Zwischen Köln und Hürth-Kalscheuren können weiterhin der RE 22 mit zusätzlichem Halt und die RB 24 genutzt werden. Außerdem stehen die KVB-Stadtbahnlinien 16 und 18 zwischen Köln und Bonn zur Verfügung.

Das Ersatzkonzept soll 2028 wiederkommen

Das Ersatzkonzept wurde gemeinsam mit Kommunen und Kreisen erarbeitet und soll auch während der Korridorsanierung der linken Rheinstrecke im Jahr 2028 eingesetzt werden. go.Rheinland begleitet die Maßnahme mit Marktforschung; Teilnahmeunterlagen werden in den Ersatzbussen über sogenannte Swing Cards ausgegeben.

Fahrplanänderungen stehen in den Auskunftsmedien und an den Bahnsteigen. Informationen gibt es außerdem unter bahn.de/service/fahrplaene und zuginfo.nrw. Während der Arbeiten kann es zu Baulärm kommen – zwischen Baustellenlärm, Ersatzbussen und wechselnden Abfahrtsorten wird es am Rhein also zeitweise ziemlich unruhig.