Am 17. Oktober 2026 richtet sich der Blick im Bahnbau auf Berlin: Verkehrsminister Steffen Bilger (CDU) spricht über Investitionen in die Schiene, hohe Spritpreise und den Streit über das geplante Verbrenner-Aus. Vieles davon hängt zusammen – und manches macht die Sache nicht gerade übersichtlicher.

Bilger sagt, in der Verkehrspolitik habe man sich „zu viel in zu schneller Zeit vorgenommen“. Er kennt das Feld seit vielen Jahren: Knapp zehn Jahre saß er im Verkehrsausschuss des Bundestages, anschließend war er Staatssekretär im Verkehrsministerium.

Mehr Geld für die Schiene, aber noch kein verlässlicher Fahrplan

Deutschland investierte 2025 erneut umfangreich in das Bundesschienennetz. Nach einer Auswertung von Allianz pro Schiene und SCI Verkehr stiegen die staatlichen Investitionen auf 222 Euro pro Einwohner. Allianz-pro-Schiene-Geschäftsführer Dirk Flege begrüßte die deutlich höheren Investitionen der vergangenen zwei Jahre.

Sein Lob kommt allerdings mit einem deutlichen Aber: Ausbau und Neubau des Schienennetzes seien trotz des Sondervermögens für Infrastruktur und Klimaneutralität weitgehend ausgeblieben. Dieses Investitionsniveau müsse dauerhaft gesichert werden, fordert das Verkehrsbündnis. Langfristig brauche es außerdem mehr Geld für den Kapazitätsausbau.

Eine neue Finanzierungsstruktur soll dafür sorgen, dass Ausbau- und Neubauprojekte über mehrere Jahre verlässlich finanziert werden können. Nach Fleges Vorstellung dürfen Investitionen nicht jedes Jahr davon abhängen, wie viele Mittel gerade im Bundeshaushalt verfügbar sind. Die Schweiz nennt er als Beispiel für eine langfristig verlässliche Finanzierung.

SCI-Verkehr-Geschäftsführer Alexander Borchers drängt darauf, das Sondervermögen für einen leistungsfähigeren, digitaleren und robusteren Bahnbetrieb einzusetzen. Mehr Kapazität und Zuverlässigkeit seien nötig – auch mit Blick auf Klimawandel, demografische Entwicklung und Verteidigung.

Deutschlandtakt, Infraplan und ein angekündigter Fonds

Die Allianz pro Schiene hält eine stärkere Steuerung durch den Bund für notwendig. Das Ziel: ausreichende Netzkapazitäten für pünktliche Züge und besser abgestimmte Anschlüsse. Der Bund arbeitet seit längerer Zeit an einem Konzept für den Deutschlandtakt, das erforderliche Ausbau- und Neubauvorhaben im Personen- und Güterverkehr priorisieren soll.

Das dafür vorgesehene Etappierungskonzept soll die Grundlage für den angekündigten Infraplan bilden. Zur Finanzierung dieses Infraplans hat die Koalition einen Eisenbahninfrastrukturfonds angekündigt. Nur: Etappierungskonzept, Infraplan und Fonds stehen laut Allianz pro Schiene noch aus. Gefordert ist deshalb ein verbindlicher Fahrplan der Bundesregierung für die Zukunft der Schiene.

169 Milliarden Euro bis 2029

Parallel plant die Bundesregierung umfangreiche Investitionen in die deutsche Verkehrsinfrastruktur – in Straßen, Brücken und die Bahn. Bis 2029 sollen insgesamt 169 Milliarden Euro für Verkehrsprojekte bereitgestellt werden. Für 2026 sind mehr als 33 Milliarden Euro für Schienen, Straßen und Wasserwege vorgesehen. 2024 waren dafür etwa 26 Milliarden Euro eingeplant; das entspricht einem Anstieg von mehr als 25 Prozent.

Das Sondervermögen für Infrastruktur und Klimaneutralität stellt von 2025 bis 2029 deutlich mehr als 30 Milliarden Euro zusätzlich zur Verfügung. Die Verkehrsinvestitionen des Bundes sollen in jedem kommenden Jahr etwa ein Viertel über den Vorjahreswerten liegen. Auf dem Papier klingt das nach ordentlich Tempo. Auf Baustellen zählt am Ende aber, ob Planung, Genehmigung und Finanzierung tatsächlich zusammenspielen.

Genau dort will die Bundesregierung ansetzen: Beschleunigte Planungs- und Genehmigungsverfahren, ein Infrastruktur-Zukunftsgesetz für schnelleres und weniger bürokratisches Bauen sowie eine Straffung des Klagerechts von Umweltverbänden sind vorgesehen. Der angestrebte Ausgleich zwischen Umweltschutz und einem zügigen Ausbau der Infrastruktur soll wichtige Verkehrsprojekte effizienter und schneller machen und zugleich Einsparungen ermöglichen.

Vorrang haben die Sanierung von Brücken und Tunneln sowie die Modernisierung von Schienen, Straßen und Wasserstraßen. Im Bahnverkehr sollen neue Technologien wie das European Train Control System (ETCS) und digitale Stellwerke für mehr Effizienz und Zuverlässigkeit sorgen. Der Grundsatz lautet „Erhalt vor Neubau“ – wobei neben Sanierungen auch Mittel für neue Straßen und Bahnstrecken vorgesehen sind.

Für den Straßenbau stehen zusätzlich 3 Milliarden Euro bereit. Bundeskanzler Friedrich Merz erklärte nach dem Koalitionsausschuss Anfang Oktober in Berlin: „Alles was baureif ist, wird gebaut.“ Bis 2029 sind mehr als 14 Milliarden Euro für neue Bundesstraßen und Autobahnen sowie rund 10 Milliarden Euro für neue Schienenstrecken eingeplant. Der Bund will dafür alle verfügbaren Finanzierungsmöglichkeiten nutzen.

Zusätzlich erhalten Länder und Kommunen über das Sondervermögen 100 Milliarden Euro für Investitionen vor Ort. Das Geld soll unter anderem in lokale Infrastruktur fließen – in den Nahverkehr, Kindertagesstätten, Schulen und Krankenhäuser.

Und während bei der Bahn noch über Kapazitäten, digitale Stellwerke und einen Fonds gerungen wird, bleiben Spritpreise und Verbrenner-Aus politischer Zündstoff. Bilgers Satz vom „zu viel in zu schneller Zeit“ hängt da noch eine Weile in der Luft.