Modellbahnausstellung im Museumsdepot Sudenburg: 14 Meter Brandenburg auf Magdeburger Gleisen
Im Museumsdepot Sudenburg wird es am Wochenende eng auf den Gleisen – zumindest im Kleinen. Vom Freitag, 9. Oktober, bis Sonntag, 11. Oktober 2026, läuft in der Halberstädter Straße 133 in Magdeburg eine große Modellbahnausstellung. Rund 30 Aussteller aus ganz Deutschland bringen Anlagen in verschiedenen Größen und Spurweiten mit. Für Fans heißt das: schauen, staunen, fachsimpeln. Und vermutlich bleibt man länger als geplant.
Organisiert wird die Veranstaltung von den Magdeburger Eisenbahnfreunden e.V., den Magdeburger Straßenbahnfreunden e.V., der IG Nah und den Magdeburger Verkehrsbetrieben. Mit dabei ist auch die Interessengemeinschaft Eisenbahn–Modelleisenbahn aus Brandenburg. Sie betreibt im Auftrag der Verkehrsbetriebe das Straßenbahnmuseum in der Bauhofstraße.
Brandenburger Module auf 14 Metern
Die Brandenburger IG baut rund 20 ihrer insgesamt 60 Module auf. An den drei Ausstellungstagen betreibt sie drei Betriebsstellen analog. Im Miniaturformat sind unter anderem die Zuckerfabrik Genthin, der Bahnhof Radewege und ein Schattenbahnhof zu sehen – verteilt auf einer 14 Meter langen Strecke.
Die 1995 gegründeten Magdeburger Eisenbahnfreunde widmen sich historischen Eisenbahnfahrzeugen, der Eisenbahngeschichte und Modellbahnen. Zum Vereinsbestand gehören zahlreiche Lokomotiven und Wagen. In der Ausstellungshalle treffen deshalb nicht nur unterschiedliche Spurweiten aufeinander, sondern auch verschiedene Vorstellungen davon, wie eine Anlage klingen, fahren und aussehen soll.
Mit der historischen Straßenbahn durch Magdeburg
Am Freitag findet kein historischer Straßenbahnverkehr statt. Am Samstag und Sonntag bietet die IG Nah gemeinsam mit den MVB dagegen Rundfahrten mit historischen Straßenbahntriebwagen ab dem Museumsdepot an. Die Linie 77 fährt jeweils von 11 bis etwa 17 Uhr.
Bei den Fahrplanstrecken geht es auf der Linie 77/1 vom Depot Sudenburg zum Hauptbahnhof/Willy-Brandt-Platz und zurück. Die Linie 77/2 fährt vom Depot Sudenburg zum Herrenkrug und wieder zurück. Eine Hin- und Rückfahrt kostet 6 € pro Person, die einfache Fahrt 4 € pro Person. Fahrscheine gibt es bei den Schaffnern. Deutschland-Ticket und marego-Fahrkarten der Preisstufe Magdeburg (010) gelten nicht.
Geöffnet ist die Ausstellung am Freitag, 9. Oktober, von 14 bis 18 Uhr, am Samstag, 10. Oktober, von 10 bis 18 Uhr und am Sonntag, 11. Oktober, von 10 bis 17 Uhr. Eintrittskarten sind an der Ausstellungskasse am Eingang erhältlich. Besitzer eines MVB-Monatsabos oder eines Deutschland-Tickets erhalten einmalig 1 € Rabatt auf den Eintrittspreis.
Wer mit Bus oder Bahn kommt, steigt an der Haltestelle Ambrosiusplatz aus. Dort halten die Straßenbahnlinien 1 und 13 sowie die Buslinien 52 und 61. Vor Ort werden kalte und heiße Getränke und Speisen angeboten. Die Veranstaltung ist behindertengerecht, Toiletten befinden sich auf dem Gelände.
Ein kurzer Blick auf die lange Geschichte
Dass heute mehrere Anlagen mit unterschiedlichen Spurweiten nebeneinander stehen können, hat eine lange Vorgeschichte. Schoenner stellte 1900 das erste vorbildgetreue, maßstäblich verkleinerte Modell einer deutschen Lokomotive her. Märklin führte im selben Jahr ein Dreischienengleis mit zusätzlicher Mittelschiene zur Stromversorgung ein. 1901 kamen mechanische und elektrische Fernbedienungen für Weichen hinzu.
Frühe Normen für Spielzeug- und Modelleisenbahnen entwickelte Bassett-Lowke gemeinsam mit dem britischen Konstrukteur Henry Greenly. Grundlage waren unter anderem Leserbriefe in der Zeitschrift Model Railways and Locomotives Magazine, die bis 1901 zurückreichen. Greenly veröffentlichte seine Normvorschläge später in Handbüchern wie The Model Locomotive und Model Engineering. Die Überlegungen orientierten sich an Vorarbeiten von Bing, Carette und Märklin und wurden von vielen Herstellern übernommen. Greenly verband erstmals eine Spurweite mit einem zugehörigen Maßstab und maß dafür die lichte Weite zwischen den Schienenkopf-Innenkanten.
Seine historischen Angaben lauteten: Spur 0 im Maßstab 1:43,5 mit 32 mm Spurweite, Spur 1 im Maßstab 1:30,5 mit 45 mm, Spur 2 im Maßstab 1:27 mit 51 mm und Spur 3 zunächst im Maßstab 1:22,5, später 1:24, mit 64 mm Spurweite. Die Spuren 0, 1 und 2 entsprachen Märklin-Spurweiten. Spur 3 entsprach der Spur 3 von Bing sowie der Spur 2A von Schoenner. Kurios, aber historisch belegt: Die britische Bezeichnung Spur 3 und die kontinentale Bezeichnung Spur 2 meinten dieselbe Spurweite. Die heutige britische Spur 3 verwendet exakt 63,5 mm, abgeleitet aus 2,5 Zoll.
Noch vor dem Ersten Weltkrieg planten Bassett-Lowke und Greenly eine halb so große Spur-0-Bahn für den Betrieb auf Tischen. Bassett-Lowke fragte Bing 1914 nach der technischen Realisierbarkeit, doch der Erste Weltkrieg verzögerte die Umsetzung. Aus dieser halben Spur 0 entwickelten sich später die Spuren 00 und H0 mit 16,5 mm Modellspurweite.
Zum Weihnachtsgeschäft 1922 brachte Bassett-Lowke eine von Bing entwickelte Uhrwerk-Tischbahn heraus. Die Bing Table Railway bestand aus lithografiertem Blech und hatte zunächst 16,0 mm Spurweite. Ab 1924 war sie auch elektrisch erhältlich; das Gleis besaß eine isolierte Mittelschiene. Die Lokomotiven arbeiteten mit Allstrommotoren und konnten mit 6 Volt Gleichspannung, 8 Volt Wechselspannung oder entsprechenden Netzgeräten betrieben werden. Die Fahrtrichtung wurde von Hand umgeschaltet. Bing vertrieb die Bahn ab 1924 auch selbst in Deutschland, ging aber wegen der Weltwirtschaftskrise 1932 in Konkurs und stellte die Produktion ein.
Karl Bub übernahm Formen und Werkzeuge von Bing und produzierte die Bahn von 1935 bis 1937 in leicht veränderter Form weiter. Die elektrischen Lokomotiven arbeiteten nun mit 18 Volt Gleich- oder Wechselspannung, die Fahrtrichtung wurde weiterhin manuell umgeschaltet. 1938 und 1939 entwickelte Karl Bub eine eigene Tischbahn mit 16,5 mm statt 16,0 mm Spurweite.
In Frankreich brachte JEP 1926 die Mignon-Modelleisenbahn heraus. Sie entsprach ebenfalls der halben Spur 0 und orientierte sich stark an Bing. Das System verwendete 18 mm Spurweite, gemessen über die Schienenkopfmitten, beziehungsweise 16,5 mm zwischen den Schienenkopf-Innenkanten. Es war eine Starkstrombahn mit funktionsfähiger Oberleitung; zusammen mit der Oberleitung war Zweizugbetrieb möglich. Dampflokomotiv-Startpackungen enthielten ein Dreischienen-Zweileiter-System, Elektrolokomotiv-Startpackungen ein nicht isoliertes Zweischienen-Gleis mit Oberleitung. Die Produktion endete 1934 infolge der Weltwirtschaftskrise.
Von Spur 00 zu H0
A. R. Walkley baute 1926 in Großbritannien eine Anlage mit wesentlichen Merkmalen der heutigen Spur H0: 16,5 mm Spurweite, Maßstab 1:87, Zweischienen-Zweileiter-System, Gleichstrombetrieb, auffahrbare Weichen und automatische Kupplungen. Ab 1927 waren die Begriffe Spur 00 und H0 in Großbritannien und Nordamerika bekannt. Die britische Spur 00 stand für Maßstab 1:76 bei 16,5 mm, die amerikanische für Maßstab 1:76 bei 19,0 mm. H0 bedeutete Maßstab 1:87 und 16,5 mm Spurweite.
Die unterschiedlichen Maßstäbe hatten praktische Gründe. Elektromotoren ließen sich damals nur schwer in kleine Lokomotivmodelle einbauen. Außerdem besaß Großbritannien kleinere Fahrzeugprofile als Kontinentaleuropa, während Nordamerika deutlich größere Fahrzeuge hatte. Britische Modelle im Maßstab 1:76 wirken deshalb ungefähr so groß wie kontinentaleuropäische und amerikanische Modelle im Maßstab 1:87. Die Spurweite von 16,5 mm setzte sich gegenüber 16,0 mm durch, weil feinere, vorbildähnliche Schienen verwendet wurden. Die frühere nordamerikanische Spurweite von 19,0 mm verschwand weitgehend. Daraus entwickelte sich in Großbritannien unter anderem die Spur EM mit 18
