Die Münchner S-Bahn bekommt einen neuen Fahrplan für ihre Zukunft – und möglicherweise auch einen neuen Betreiber. Die Bayerische Eisenbahngesellschaft (BEG) hat am 27.09.2026 ein europaweites Vergabeverfahren gestartet. Gesucht wird ein Eisenbahnunternehmen, das von Dezember 2034 bis Dezember 2041 sämtliche Münchner S-Bahn-Linien fährt. Drei einjährige Verlängerungen wären möglich, spätestens im Dezember 2044 wäre dann Schluss. Der derzeitige Betreiber ist die DB-Regio-Tochter Deutsche Bahn.

Fast eine Million Menschen sind täglich mit der Münchner S-Bahn unterwegs. Das Netz umfasst neun Linien; rund zwei Drittel der Fahrgäste im bayerischen Schienenpersonennahverkehr nutzen sie. Etwa 20 Prozent aller im Freistaat zurückgelegten Strecken entfallen auf dieses Netz. Entsprechend groß ist das Verfahren, das Bayerns Verkehrsminister Christian Bernreiter als das umfangreichste Vergabeverfahren in Bayern bezeichnet. Die Bekanntmachung ist für September 2026 vorgesehen, die Angebotsabgabe voraussichtlich für 2028, der Zuschlag für 2029.

Mehr Züge, längere Nächte, neue Linienäste

Das Verfahren läuft als Verhandlungsverfahren mit vorgeschaltetem Teilnahmewettbewerb. Ab 2034 sollen zunächst jährlich 23,7 Millionen Zugkilometer gefahren werden – knapp neun Prozent mehr als im aktuellen Vertrag. Auf vielen Strecken ist ein 20-Minuten-Takt bis etwa Mitternacht vorgesehen, gerechnet ab der Abfahrt am Hauptbahnhof. Danach sollen die Züge bis etwa 2 Uhr im 40-Minuten-Takt weiterfahren. In Nächten vor Samstagen sowie vor Sonn- und Feiertagen ist ein 24-Stunden-Betrieb geplant.

Die zweite Stammstrecke spielt dabei die große, noch nicht ganz greifbare Hauptrolle. Nach ihrer Inbetriebnahme soll das Angebot während der Vertragslaufzeit weiter wachsen. Die Deutsche Bahn erwartet die Fertigstellung Mitte der 2030er-Jahre. Weil Infrastrukturprojekte der DB-Infrastrukturtochter DB InfraGO schwer vorhersehbar sind, soll der Vertrag ein Leistungsänderungsrecht enthalten. Damit könnte die Verkehrsleistung angepasst werden, sobald die zweite Stammstrecke tatsächlich fertig ist. BEG-Geschäftsführerin Bärbel Fuchs verweist für die lange Vorlaufzeit auf die Größe, die Komplexität und die besonderen Rahmenbedingungen des Projekts.

Für den Fahrzeugeinsatz werden die östlichen Äste von S2 und S3 getauscht: Die S2 fährt ab 2034 nach Holzkirchen, die S3 nach Erding. Dadurch verschieben sich die Taktlagen auf den westlichen Ästen nach Petershausen und Mammendorf um zehn Minuten. Das Netz wird nicht in Lose aufgeteilt.

  • S1: Freising/Schwaigerloh–Leuchtenbergring, täglich im 20-Minuten-Takt nach Freising und zum Flughafen.
  • S2: Petershausen/Altomünster–Holzkirchen. Zwischen Petershausen und Holzkirchen gilt der 20-Minuten-Takt. Von Altomünster nach Dachau fährt die S-Bahn montags bis freitags im 30-Minuten-Takt, stündlich mit Durchbindung zum Ostbahnhof. In der Hauptverkehrszeit gibt es zusätzliche Durchbindungen nach Deisenhofen sowie zwischen Dachau und Deisenhofen einen 10-Minuten-Takt. Außerhalb der Hauptverkehrszeit bleibt es zwischen Altomünster und Dachau beim 60-Minuten-Takt mit Durchbindung zum Ostbahnhof.
  • S3: Mammendorf–Erding, täglich im 20-Minuten-Takt. Zwischen Maisach und Ostbahnhof sind montags bis freitags in der Hauptverkehrszeit zusätzliche Züge im 10-Minuten-Takt vorgesehen, außerdem Verstärkerfahrten von und nach Riem.
  • S4: Geltendorf–Ostbahnhof, in der Hauptverkehrszeit weiter bis Zorneding. Buchenau–Ostbahnhof wird täglich im 20-Minuten-Takt bedient, Buchenau–Grafrath montags bis freitags ebenfalls. In der Hauptverkehrszeit gilt Geltendorf–Zorneding im 20-Minuten-Takt. Zwischen Geltendorf und Grafrath ist außerhalb der Hauptverkehrszeit ein 20-/40-Minuten-Takt vorgesehen, am Wochenende zwischen Grafrath und Buchenau ebenfalls. Ostbahnhof–Haar erhält montags bis freitags tagsüber einen 20-Minuten-Takt.
  • S5: Kreuzstraße–Pasing, in der Hauptverkehrszeit weiter bis Unterpfaffenhofen-Germering/Weßling. Pasing–Aying fährt täglich alle 20 Minuten, Unterpfaffenhofen-Germering–Pasing montags bis freitags in der Hauptverkehrszeit ebenfalls. Einzelne Fahrten führen von und nach Weßling. Zwischen Aying und Kreuzstraße ist ein 20-/40-Minuten-Takt vorgesehen.
  • S6: Tutzing–Ebersberg–Wasserburg. Tutzing–Ebersberg wird täglich alle 20 Minuten bedient, Ebersberg–Wasserburg stündlich. Montags bis freitags in der Hauptverkehrszeit ist ein 40-Minuten-Takt mit Expressfahrten zwischen Grafing Bahnhof und Ostbahnhof in Lastrichtung geplant.
  • S7: Wolfratshausen–München Hauptbahnhof, täglich im 20-Minuten-Takt.
  • S8: Herrsching–Schwaigerloh. Herrsching–Flughafen fährt täglich alle 20 Minuten. Zwischen Betriebsschluss und Betriebsbeginn der übrigen Linien kommen zusätzliche Fahrten von Pasing zum Flughafen hinzu.
  • S20: Höllriegelskreuth–Pasing, montags bis freitags mit einzelnen Fahrten, überwiegend in der Hauptverkehrszeit.

Die Strecke Ebersberg–Wasserburg wird in das S-Bahn-Netz integriert. Der Abschnitt gehört heute zum Netz Linienstern Mühldorf und wird von der Südostbayernbahn mit Dieseltriebwagen beziehungsweise Diesellokomotiven betrieben. Künftig soll der Betrieb elektrisch und fahrleitungsgebunden erfolgen. Zunächst ist ein geringfügig weiterentwickelter Bestandsfahrplan mit elektrischen Fahrzeugen vorgesehen.

XXL-Züge und ein barriereärmerer Einstieg

Die BEG hat bereits 90 durchgängige Neufahrzeuge des Typs Siemens ET 1420 bestellt. Jeder Zug ist 202 Meter lang – eine XXL-S-Bahn, die sich in den Münchner Alltag erst einmal hineinschieben muss. Erste Fahrzeuge könnten Ende 2028 im ersten Münchner S-Bahn-Vertrag eingesetzt werden; die weiteren sollen schrittweise folgen. Im zweiten Verkehrsvertrag werden sie von der BEG beigestellt. Wegen einer Kapitaldienstgarantie gibt die BEG den Fahrzeugeinsatz vor.

Weitere Neufahrzeuge sollen die verbliebenen Gebrauchtfahrzeuge nach und nach ersetzen. Vorgesehen sind stufenfreie Einstiege an Bahnsteigen mit 96 Zentimetern Höhe, fahrzeuggebundene Einstiegshilfen, mindestens zwei Rollstuhlplätze je Zugteil, Fahrradmitnahme und WLAN-Zugang. Die Züge werden gereinigt, gewartet und instand gehalten werden müssen – samt der übrigen Flotte, die nicht einfach über Nacht verschwindet.

Hohe Anforderungen gelten für Pünktlichkeit, Störfallmanagement und Ersatzverkehr, Zugbildung und Platzkapazitäten, Fahrgastinformation, Sauberkeit, Service und Sicherheitspersonal. Für jeden Zug werden Mindestzahlen an Sitzplätzen festgelegt, besonders mit Blick auf Berufs- und Schülerverkehr. Beim Sicherheitspersonal sind Qualifikations- und Ausbildungsvorgaben vorgesehen. Umfangreiche Qualitätsmesssysteme kontrollieren die Leistung; bei Verstößen drohen Vertragsstrafen, sogenannte Pönalen.

Anzeigen und Durchsagen sollen die Fahrgäste dynamisch informieren. Soll- und Echtzeitdaten sowie Tarifdaten werden an den bayernweiten Datenpool DEFAS Bayern übermittelt. Der Vertrieb wird separat ausgeschrieben, der beauftragte Vertriebsdienstleister von der BEG beigestellt. Verantwortlich bleibt dennoch das Verkehrsunternehmen – auch für die Aufgaben dieses Dienstleisters. Den Prüfdienst in den S-Bahnen stellt ebenfalls das Verkehrsunternehmen.

Tarif, Geld und Zuständigkeiten

Anerkannt werden der Deutschlandtarif der Deutschlandtarifverbund GmbH einschließlich Bayern-Ticket und BaSTi sowie Tarifkooperationen mit Fernverkehrsunternehmen. Dazu kommt der bestehende MVV-Verbundtarif. Neue Tarife, etwa infolge einer Verbundintegration, müssen anerkannt werden, sofern sich die Wirtschaftlichkeit des Verkehrsunternehmens dadurch nicht verschlechtert.

Der Betreiber muss umfassend über Einnahmen, Erlöse, Einnahmenaufteilung und Erhebungsergebnisse informieren und daran mitwirken. Die BE