Warum am Bamberger Bahnhof das Gleis 7 fehlt – und trotzdem existiert
Wer am Bamberger Bahnhof auf den Zug wartet, könnte ins Grübeln kommen: Auf den Bahnsteigen stehen die Gleise 6 und 8 – aber wo ist eigentlich Gleis 7? In sozialen Medien wird genau diese Frage gestellt. Auf den ersten Blick wirkt die Lücke tatsächlich wie ein kleiner Planungsfehler.
Die Erklärung liegt nicht bei den Bahnsteigen, sondern im Gleisplan. Ein Nutzer verweist auf den Spurplan der DB Netz AG, in dem sämtliche Gleise eines Bahnhofs verzeichnet sind. Die Deutsche Bahn nummeriert die Gleise nach ihrer Lage im gesamten Fahrweg beziehungsweise im Gleisplan – nicht danach, welcher Bahnsteig daneben liegt. Das klingt trocken, hilft aber beim Sortieren dieser sichtbaren Lücke.
Gleis 7 ist da – nur nicht am Bahnsteig
In Bamberg gibt es tatsächlich ein Gleis 7. Es endet allerdings vor dem eigentlichen Bahnhofsbereich und besitzt keinen Bahnsteig. Der Mittelbahnsteig wurde an den Gleisen 6 und 8 errichtet. Für Reisende entsteht dadurch der Eindruck, die Nummer 7 sei schlicht ausgelassen worden.
Das ist kein Bamberger Sonderfall. Gleise können ohne Bahnsteig existieren oder an einer anderen Stelle enden. Deshalb sind Bahnsteignummern in Deutschland teilweise nicht fortlaufend. Wer die Gleisanlagen selbst nachsehen möchte, findet sie auch in der OpenRailwayMap – dort lässt sich der Aufbau des Bahnhofs deutlich nachvollziehen.
Auch Nürnberg und Lichtenfels haben Lücken
Ein Blick in andere fränkische Bahnhöfe zeigt, dass die Nummerierung öfter für Stirnrunzeln sorgt. Im Nürnberger Hauptbahnhof folgt auf den Bahnsteig an den Gleisen 8 und 9 der Bahnsteig an den Gleisen 12 und 13. Dazwischen liegen die Gleise 10 und 11, allerdings ohne eigenen Mittelbahnsteig.
In Lichtenfels gibt es wiederum einen Mittelbahnsteig an den Gleisen 3 und 5. Ein Gleis 4 existiert dort nicht. Für die Orientierung vor Ort zählt daher weniger eine lückenlose Zahlenfolge als der konkrete Bahnsteig, der auf den Tafeln und in den Plänen angegeben ist.
Und noch etwas kann die Reiseplanung derzeit erschweren: In verschiedenen Regionen Frankens kommt es im Sommer zu Zugausfällen. Reisende sollten sich deshalb besonders über ihre Verbindungen informieren, bevor sie mit Gepäck am Bahnsteig stehen – gerade dann, wenn die Anzeige ohnehin schon für genug Verwirrung sorgt.
Warum Gleisnummern nicht überall gleich funktionieren
Gleisnummerierung bezeichnet die einzelnen Bahnhofsgleise durch Zahlen. Die Nummern erleichtern die Orientierung, werden in Pläne eingetragen und vor Ort auf Tafeln angezeigt. Eine einheitliche Logik für alle Bahnhöfe gibt es allerdings nicht; Bahnverwaltungen verwenden unterschiedliche Systeme zur Vergabe der Nummern.
Bei den preußisch-hessischen Staatsbahnen begann die Zählung am Hausbahnsteig des Empfangsgebäudes. Fehlte ein solcher Bahnsteig, wurde an einer festgelegten Seite begonnen. Anschließend nummerierte man die Gleise fortlaufend. Auf einfachen Zwischenstationen einer zweigleisigen Strecke konnte das Hauptgleis deshalb Gleis 1 oder Gleis 2 heißen – abhängig davon, ob das Empfangsgebäude rechts oder links lag. Auch die Kilometrierungsrichtung spielte dabei eine Rolle.
Zwischen dem Empfangsgebäude und den durchgehenden Hauptgleisen liegende Nebengleise verschoben die Nummern zusätzlich: Die Hauptgleise erhielten dann entsprechend höhere Nummern. Bei Inselbahnhöfen, deren Empfangsgebäude zwischen den Gleisen liegt und deren Bahnsteige auf beiden Seiten angeordnet sind, wurde jede Bahnhofseite vom Gebäude aus separat nummeriert.
Zur Unterscheidung kamen Buchstaben hinzu, etwa „1 N“ für das erste Nordgleis. Diese Zusätze konnten sich an Himmelsrichtungen, an der Bahnzeichnung oder an besonderen örtlichen Gegebenheiten orientieren. Gleise zwischen den beiden Bahnhofseiten wurden gesondert bezeichnet. Ein fehlendes Gleis auf dem Bahnsteig ist damit nicht automatisch ein fehlendes Gleis im Bahnhof – in Bamberg steht die 7 nur eben nicht dort, wo Reisende sie erwarten.
