Auf der Zollern-Alb-Bahn wird es ab Montag, 19. Oktober 2026, erneut komplizierter. Zwischen Tübingen und Sigmaringen gilt zunächst bis einschließlich 12. Dezember ein geänderter Fahrplan. Für viele Reisende bedeutet das: mehr Zeit einplanen, genauer hinschauen, und in Sigmaringen gegebenenfalls umsteigen.

Auslöser sind mehrere Infrastrukturschäden zwischen Albstadt-Laufen und Mössingen. Sie entstanden während der Sommerhitze und führen inzwischen regelmäßig zu hohen Verspätungen und Zugausfällen. In den beschädigten Abschnitten gelten Geschwindigkeitsbegrenzungen, die Züge müssen langsamer fahren. Das verlängert die Fahrzeiten – und Anschlüsse gehen mitunter flöten.

RE 6a wird in Sigmaringen geteilt

Besonders betroffen ist die Regionalexpresslinie RE 6a von DB Regio zwischen Stuttgart, Tübingen und Aulendorf. Sie wird in Sigmaringen geteilt: Ein Abschnitt führt von Stuttgart über Tübingen nach Sigmaringen, der zweite von Sigmaringen nach Aulendorf. Die RE-6a-Züge enden und wenden grundsätzlich in Sigmaringen – sowohl aus Richtung Tübingen als auch aus Richtung Aulendorf.

Zwischen Stuttgart und Tübingen sowie zwischen Sigmaringen und Aulendorf bleiben die Abfahrtszeiten unverändert. Auf dem Abschnitt Tübingen–Sigmaringen ändern sie sich dagegen. Wegen der eingearbeiteten Geschwindigkeitsbeschränkungen verlängert sich die RE-Fahrt dort um etwa 25 Minuten. Wer über Sigmaringen hinaus nach Aulendorf weiterfahren möchte, muss in eine Regionalbahn umsteigen.

An Schultagen kommt außerdem ein Bus für den Schülerverkehr dazu. Er fährt um 7:00 Uhr in Hechingen ab, hält um 7:13 Uhr in Bisingen und um 7:28 Uhr am Bahnhof Balingen. Um 7:35 Uhr erreicht er die Haltestelle Balingen Finanzamt.

Auch die RB 66 fährt anders

Auf der SWEG-Linie RB 66 zwischen Tübingen, Albstadt-Ebingen und Sigmaringen verschieben sich zwischen Tübingen beziehungsweise Dußlingen und Hechingen einzelne Abfahrten um wenige Minuten. Die bislang um 13:09, 15:09, 17:09 und 19:09 Uhr in Tübingen startenden Regionalbahnen entfallen zwischen Tübingen und Hechingen.

Teilweise übernimmt der Regionalexpress die entfallenden Halte und hält zusätzlich in Dußlingen. Die geänderten RE-Züge um 13:07 und 15:07 Uhr ab Tübingen halten außerdem in Tübingen-Derendingen und Nehren. Die detaillierten Änderungen einzelner Verbindungen sind in den elektronischen Fahrplanauskünften abrufbar.

Die neuen Fahrzeiten sollten spätestens ab Freitag, 16. Oktober 2026, in den bekannten Auskunftsmedien sichtbar sein. Fahrgäste sollten ihre Verbindung vor Fahrtantritt prüfen und die neuen Zeiten beachten – gerade bei knappen Anschlüssen ist ein kurzer Blick in die App vermutlich besser als späteres Rennen über den Bahnsteig.

Warum die Strecke so empfindlich reagiert

Für die Reparaturen sind Stopfarbeiten zur Stabilisierung des Schotteroberbaus nötig. Die Deutsche Bahn erklärte, die Arbeiten hätten sich verzögert, weil bundesweit zunächst nicht genügend Stopfmaschinen verfügbar gewesen seien. Zusätzliche Maschinen sind inzwischen im Einsatz. Wann alles abgeschlossen ist, bleibt dennoch offen; eine Bahnsprecherin rechnet damit, dass die Einschränkungen noch einige Wochen andauern.

Gearbeitet werden soll überwiegend nachts, wenn keine Züge verkehren. Der betroffene Abschnitt zwischen Albstadt-Laufen und Mössingen ist eingleisig. Baustellen lassen sich dort nicht einfach über ein zweites Gleis umfahren: Ein verspäteter Zug kann nicht vom Gegenzug überholt werden, der Gegenzug muss warten und übernimmt dadurch die Verspätung. Kommt noch das Warten auf Anschlüsse hinzu, zieht sich die Verzögerung weiter – bis hinein in Verbindungen Richtung Stuttgart und Aulendorf.

Die Bahn erwartet, dass hitzebedingte Gleisverwerfungen künftig häufiger auftreten könnten. Als ein Faktor gilt die in Deutschland verwendete Neutralisationstemperatur von 22 Grad Celsius. In Italien und Spanien liegt sie bei 30 bis 33 Grad. Die SWEG testete 2021 auf der Hohenzollernbahn bei Hettingen weiß gestrichene Schienen. Die Maßnahme senkte die Hitzeeinwirkung, wurde wegen des hohen Aufwands aber nicht großflächig fortgeführt.

Weitere Baustellen verschärfen die Lage

Die Probleme auf der Zollern-Alb-Bahn kommen nicht allein. Am Tübinger Hauptbahnhof werden Weichen und Aufzüge erneuert. Zwischen Gammertingen und Sigmaringen verkehren bis November Busse und Taxis statt Zügen; auf diesem Abschnitt der Zollern-Alb-Bahn 2 erneuert die SWEG Bahnübergänge und führt Brückenbauarbeiten durch.

Seit Wochen kommt es auf der Strecke zwischen Stuttgart und Aulendorf im Kreis Ravensburg zu erheblichen Verspätungen und Zugausfällen. Züge fallen aus oder verspäten sich um bis zu eine Stunde. Neben den Hitzeschäden an den Gleisen nennt die Deutsche Bahn die zusätzlichen Baustellen als Ursache. Für den vorübergehend angepassten Fahrplan haben DB Regio, SWEG, die Nahverkehrsgesellschaft Baden-Württemberg und DB InfraGO deshalb gemeinsam an einer Lösung gearbeitet – mit dem Ziel, Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit auf der Strecke zu verbessern.

Die Deutsche Bahn veröffentlichte die Informationen am 12. Oktober 2026 um 14:00 Uhr in Stuttgart. Für Reisende bleibt bis zum 12. Dezember vor allem eines wichtig: vor dem Losfahren die Verbindung prüfen, Umstiege in Sigmaringen einplanen und bei der Regionalbahn lieber ein paar Minuten Luft lassen.