In Raddusch ist heute, am 12. Oktober 2026, der symbolische Startschuss für ein großes Bahnbauprojekt gefallen: Die DB InfraGO beginnt mit dem zweigleisigen Ausbau der 29 Kilometer langen Strecke zwischen Lübbenau und Cottbus. Vertreter der Deutschen Bahn, des Bundes, des Landes Brandenburg und des Verkehrsverbunds Berlin-Brandenburg kamen dafür zusammen.

Was auf der Karte wie ein überschaubarer Abschnitt wirkt, soll für den Bahnverkehr in der Lausitz einiges verändern. Der Ausbau schafft die Voraussetzung für einen Halbstundentakt zwischen Berlin und Cottbus. Finanziert wird das Vorhaben unter anderem aus Mitteln des Investitionsgesetzes Kohleregionen. Es ist Teil des Strukturwandels in der Lausitz und zugleich das erste große i2030-Projekt, das umgesetzt wird.

Vorarbeiten bis Dezember, danach ist die Strecke dicht

Bis zum Fahrplanwechsel am 13. Dezember 2026 laufen zunächst vorbereitende Arbeiten. Danach wird die gesamte Strecke für die Hauptarbeiten gesperrt. Während der rund einjährigen Bauzeit verkehren dort keine Züge – für Pendler und Reisende wird das also eine Durststrecke.

Die Züge werden über Calau umgeleitet. Für die Unterwegsbahnhöfe wird ein Ersatzverkehr mit Bussen eingerichtet. Weitere Informationen zum Verkehrskonzept während der Bauzeit sollen im November in Cottbus vorgestellt werden. Reiseinformationen gibt es über bahn.de und den DB Navigator.

Ende 2027 soll das zweite Gleis nach rund einem Jahr Bauzeit in Betrieb gehen. Dann können mehr Züge fahren und müssen seltener aufeinander warten. Für den Regionalverkehr werden ein dichterer Takt und ein stabilerer Fahrplan erwartet.

Mehr als nur ein zweites Gleis

Auf der Baustellenliste steht nicht allein das neue Gleis. Vorgesehen sind außerdem neue Oberleitungen und Anpassungen an zwölf Bahnübergängen. In Raddusch, Kunersdorf und Kolkwitz kommen zusätzliche Bahnsteige hinzu.

Sechs Eisenbahnbrücken und 18 Durchlässe werden erweitert. Dazu gehören Natur-, Landschafts- und Schallschutzmaßnahmen. Auch drei Moorstellen werden saniert, damit der Gleisuntergrund stabil bleibt. Gerade dort dürfte der Bahnbau weniger nach spektakulärem Spatenstich aussehen als nach sorgfältiger, schwerer Arbeit im Untergrund.

Der Abschnitt gehört zur Görlitzer Bahn und ist bislang eingleisig. Das ursprünglich vorhandene zweite Gleis wurde nach dem Zweiten Weltkrieg als Reparationsleistung abgebaut. Nun kommt es zurück – allerdings verbunden mit einem umfassenden Umbau der Strecke.

Hinweise entlang der Strecke

Entlang der Bahnlinie werden Informationsschilder zum Projekt und zu seinem erwarteten Nutzen aufgestellt, unter anderem in Kolkwitz, Göritz, Milkersdorf und Kunersdorf. Dort soll sichtbar werden, was während der Sperrung passiert und warum künftig ein dichterer Bahnverkehr möglich sein soll.

Bis es so weit ist, heißt es für viele Fahrgäste: Umsteigen, Umwege einplanen und den Bus nehmen. Ein bisschen Geduld wird nötig sein. Ende 2027 soll sich das Warten auf den nächsten Zug zwischen Lübbenau und Cottbus dann deutlich seltener lohnen.